Alles abgedeckt ist beim Pano am Schrannenplatz in Erding.
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Alles abgedeckt ist beim Pano am Schrannenplatz in Erding.

Schwierige Lage

Gastwirte hoffen auf das „Leben nach Corona“

Die Wirte im Landkreis sehen den kommenden Tagen und Wochen mit gemischten Gefühlen entgegen. Seit Mittwoch gilt aufgrund der Corona-Krise die Verordnung, dass Gaststätten nur zwischen 6 und 15 Uhr geöffnet haben dürfen, anschließend sind nur Liefer- und Abholservice der Speisen erlaubt.

Landkreis – „Leider zappenduster und ganz, ganz schwer abzusehen“, schätzt Bernhard Rötzer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, die Lage für seine Branche ein.

Er selbst hat das Gasthaus Zur Post in Erding schon geschlossen – eine Woche früher als geplant. Er hört nach Jahrzehnten als Gastronom auf. „Ich weiß ja nicht, wer überhaupt noch kommt.“ An die „vollmundigen Versprechungen“ der Politik glaubt er nicht so recht. „Bis die Hilfsgelder fließen, sind alle schon den Bach runter.“ Ein Drive-In könne ein Versuch sein, aber Rötzer glaubt: „Da sind die Kosten höher als der Umsatz. Die Lokale sind ja nicht darauf ausgerichtet.“

Weitaus optimistischer zeigt sich Martin König vom Gasthaus Kreuzeder in Erding. Er sieht keinen Grund zu schließen. „Ich habe viele treue Stammkunden. Ich sehe es jetzt als meine Aufgabe an, weiter für sie da zu sein.“ Er glaubt, dass die Gäste kommen werden. Er könne auch die Regeln einhalten. „Bei 30 Personen gleichzeitig und eineinhalb Metern Abstand werden nicht alle einen Platz bekommen.“

König hat zehn festangestellte Mitarbeiter, die er in seine Entscheidung miteingebunden habe und die das genauso sehen würden. Er ist überzeugt: „Es wird ein Leben nach Corona geben.“

Christoph Krönauer, der das Traditionscafé an der Langen Zeile betreibt, wollte es zunächst ganz schließen, „über die Eis-Theke aber weiter verkaufen“. Jetzt hat er den Betrieb komplett zugemacht, „auf freiwilliger Basis“ und aus Rücksichtnahme auf die älteren Bürger.

Er bespreche gerade seine Möglichkeiten mit dem Arbeitsamt und dem Steuerberater. Schließlich habe er eine Fürsorgepflicht gegenüber 20 Mitarbeitern, zehn davon fest angestellt. „Im Winter zehren wir von den Einnahmen im Sommer. Wir warten schon die ganze Zeit auf schönes Wetter. Wir haben ein ausgesprochenes Saisongeschäft. Meine Liquiditätsdecke ist dünn.“ Doch Krönauer geht mit den Entscheidungen konform. „Die Krise betrifft uns alle. Wir müssen auf unsere Gesundheit schauen.“

„Wir haben das Johannis-Café ab Montag geschlossen“, sagt Geschäftsführer Seppo Schmid über das Café in Dorfen. „Wir wollten weder Gäste noch Mitarbeiter in Gefahr bringen. Als Genossenschaft sind wir in einer Sondersituation. Wir sind safe, wenn die Miete ausgeglichen wird. Und da gibt es ja Töpfe.“

Verzweifelt ist dagegen Umberto Sacco, Geschäftsführer des Ristorante La Dolce Vita in Dorfen. „Ich verstehe es nicht. Mittags sind die Gäste nicht gefährdet, abends schon. Seit 14 Tagen haben wir wesentlich weniger Gäste. Wir werden ganz schließen. Miete, Personal, Essen – das können wir uns nicht mehr leisten. Ich bin traurig, habe seit vier Jahren so viel Arbeit in das Restaurant gesteckt. Jetzt kann ich nur noch auf den Gerichtsvollzieher warten.“

Ernst ist die Lage für Ashis Mohapatra, Besitzer der indischen Restaurants Taj in Dorfen und Erding. „Wir haben vier Restaurants und viel Personal. Die Schließungen sind eine Katastrophe, das Personal hat große Angst. Wir haben beschlossen, den Lieferdienst in Dorfen, Erding, München und im vor wenigen Wochen neu eröffneten Taj in Pfaffenhofen auszuweiten. Wir hoffen dadurch, die Zeit überbrücken zu können. Die Leute bekommen gutes Essen gebracht, und unsere Restaurants haben hoffentlich eine Überlebenschance.“

Sebastian Kuklau, Wirt vom Wailtl in Dorfen, wollte kein Statement abgeben. Nur so viel: „Ich habe grad ganz andere Sorgen, bei uns hängen 25 Arbeitsplätze dran.“ Mittlerweile hat der Gasthof bis auf Weiteres geschlossen.

Geschlossen hat seit Mittwochmittag neben dem Burger-Lokal Effe & Gold am Kleinen Platz auch die benachbarte Herzogstubn. Bei beiden und allen anderen Lokalen in Erding hatte das städtische Ordnungsamt die gastromonischen Freiflächen dicht gemacht. Wirt Tom Eichloff ist bedient, denn: „Drin passiert nichts mehr.“ Die Küche sei geputzt, alles, was geht, eingefroren, Restbestände an die Mitarbeiter verteilt. Mit ihm stehen jetzt acht Festangestellte und 17 Aushilfen vor einer ungewissen Zukunft. Kurzarbeit hat Eichloff bereits beantragt.

Auch Christiane Stärkl vom gleichnamigen Bistro-Café am Mühlgraben in Erding will für ihre Mitarbeiter schauen, dass der Betrieb so lange wie möglich weitergeht. Von 9 bis 15 Uhr ist täglich geöffnet, ohne Biergarten. „Dabei haben wir die Abstandsflächen eingehalten“, stellt sie klar. Einen Abholservice abends will sie testen.

Das hat die Trattoria Dal Vecchio an der Langen Zeile in Erding am Mittwochabend schon getan. Mit wenig Resonanz: „Es hat niemand angerufen“, sagt eine Mitarbeiterin. Deshalb beschränke man den Abholservice auf Freitag- und Samstagabend. Mittags ist normal geöffnet, auch zum Mitnehmen.

Viele weitere Restaurants und Gaststätten bieten abends Abhol- und/oder Lieferdienst an – unter anderem das griechische Lokal Mykonos in Altenerding, das Café Zeitlos im Heilig-Geist-Hof, das Papa Remo an der Langen Zeile oder der Hirschbachwirt in Forstern. Dazu kommen die bekannten Pizza-/Döner-Lieferdienste.

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