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Wärmeversorgung der Zukunft: Das neue Geowärme-Heizwerk nahmen (v. l.) Gemeindereferentin Anne Rosner, Pfarrerin Andrea Oechlsen, ZV-Geschäftsführer Michael Perzl, Steag-Chef Thomas Billotet, Landrat Martin Bayerstorfer, OB Max Gotz, ZV-Geschäftsführer a.D. Alois Gabauer und Ther men-Inhaber Jörg Wund in Betrieb. 

„Meilenstein in der Energiewende“

Drittes Heizwerk an der Therme in Betrieb

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Die Geothermie in Erding wächst - ein wichtiger Beitrag zur Energiewende. Jetzt ist schon das dritte Heizwerk in Betrieb gegangen.

Erding – Erding verfügt über eine der größten Geothermieanlagen in Deutschland. Bundesweit ist sie die einzige, die das 63 Grad heiße Wasser aus über 2300 Meter Tiefe doppelt nutzt – für die Therme und die Fernwärme. Danach wird das entwärmte Wasser wieder in den Boden geleitet. Nun wird die Erdinger Geothermie noch leistungsfähiger: Am Mittwoch wurde das dritte Heizwerk, das sich an der Therme befindet, offiziell in Betrieb genommen. Damit steigert sich die Gesamtleistung von 69 auf 75 Megawatt.

Landrat Martin Bayerstorfer als Vorsitzender des Zweckverbandes Geowärme von Stadt und Landkreis Erding, sprach von „DEM Beitrag zum Klima- und Umweltschutz in der Region“. 7000 Haushalte, das Klinikum, die Therme, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen würden bereits heute von der Geothermie-Fernwärme versorgt. Das Leitungsnetz sei seit der Gründung des ZV 1989 auf 31 Kilometer gewachsen. „Wir sparen sieben Millionen Liter Heizöl sowie 13 000 Tonnen CO2 pro Jahr ein“, freute sich Bayerstorfer.

Erstes Heizwerk läuft seit 1998

Das Heizwerk I an der Therme ging 1989 in Betrieb, 2009 folgte das zweite am Kletthamer Feld. Doch weil die Therme immer mehr Wasser braucht und Erding wächst, muss auch die Geowärme ausgebaut werden.

Daher habe man sich für den Bau eines dritten Heizwerkes wiederum an der Therme entschieden. Die Details stellte Axel Krämer vom Energieversorger Steag New Industries vor. In dem Neubau zwischen Parkhaus und Saunakomplex wurde ein Blockheizkraftwerk mit zwölf Zylindern und 53 Liter Hubraum eingebaut. Die Gesamtleistung setzt sich aus 1,0 Megawatt elektrisch und 1,2 Megawatt thermisch zusammen. Den Gesamtwirkungsgrad bezifferte Krämer mit 93,6 Prozent.

Neu ist auch eine Kompressionswärmepumpe mit einer Kälteleistung von 2700 kW und einer Wärmeabgabe von 3700 kW, jeweils thermisch. Sie dient als Ersatz und Absicherung der vorhandenen Wärmepumpe. Hinzu kommen zwei je 300 Kubikmeter fassende Wärmespeicher für eine energiesparende Leistungserhöhung und einen effizienten Betrieb. Sie gleichen Spitzen aus.

200 Kubikmeter Wasserspeicher für die Therme

Noch errichtet wird ein Thermalwasserspeicher mit 200 Kubikmetern Inhalt. Er dient der Therme als Reservoir und als Basis für künftige Erweiterungen. Der Tank wird an der Stelle errichtet, an der der Festakt stattfand.

Insgesamt investiert der Zweckverband 7,8 Millionen Euro. Im Juni 2018 begannen die Bauarbeiten. Die erste Wand stand im April 2019. Im August des gleichen Jahres wurde mit der Montage begonnen, ehe im Oktober der Rohbau fertig war. Nun geht das neue Heizwerk, offiziell eine Erweiterung des ersten, in Betrieb.

Steag-Chef Thomas Billotet freute sich über die bereits seit 1994 währende Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis. „Das ist ungewöhnlich lange. Es ist eine sehr gute Partnerschaft.“ Die Entwicklung der Geothermie in Erding sei beispielhaft. Die Einwohnerzahl habe sich seit Anfang der 90er Jahre nahezu verdoppelt. Das Geowärmeprojekt habe mit 47 Megawatt begonnen, nun seien 75 MW möglich. 18 Prozent des Wärmebedarfs in Erding würden auf diese klimafreundliche Weise gedeckt – Tendenz steigend. Mit 15 MW sei die Therme der größte Abnehmer. „Das entspricht dem Verbrauch von 1000 Einfamilienhäusern“, rechnete Billotet vor.

Energieboss: Jeder einzelne muss sich gewaltig anstrengen

Für den Steag-Chef steht fest: Nur mit Projekten wie dem Erdinger werde die Energiewende gelingen. Dies sei ein Meilenstein auf dem Weg dorthin. „Es ist ein sehr ehrgeiziges Ziel, bis 2050 den gesamten Energiebedarf klimaneutral zu decken. Das gelingt nur, wenn Politik, Wirtschaft, aber auch Bürger große Anstrengungen unternehmen und zum Konsens bereit sind“, sagte Billotet.

Bayerstorfer erinnerte, dass es bei der Gründung des ZV auch Zweifler gegeben habe, die ein Scheitern vorausgesagt hätten. Heute sei die Erdinger Geothermie ein Erfolgsprojekt, eingeleitet von den Bürgermeistern Gerd Vogt und Karl Heinz Bauernfeind sowie Landrat Xaver Bauer. Lediglich die Trinkwasserproduktion wurde aufgegeben – mangels Bedarf.

Anne Rosner von der Pfarrei Altenerding und die evangelische Pfarrerin Andrea Oechslen spendeten den kirchlichen Segen.

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