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So groß wie ein Wohnzimmerschrank ist die Brennstoffzelle im Keller von Enrico und Nicole Paschke in Wörth (2./3. v. l.). Technologie und Förderung stellten Stadtwerke-Geschäftsführer Christopher Ruthner, Reinhold Kunz (Energie Südbayern/Erdgasversorgung Erding) und Sandro R oman (Viessmann/v. l.) vor. 

Stadtwerke setzen auf Brennstoffzellen 

Erding: Die Energiewende im Heizungskeller

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Erding/Wörth – Selbst wer in der Schule mit Chemie auf Kriegsfuß stand, wird von dieser Reaktion überrascht sein: Wasserstoff verbindet sich mit der Umgebungsluft und wird zu Wasser. Hochwertige Nebenprodukte sind Wärme und Strom. Genau dieser Prozess soll die Versorgung von Haushalten revolutionieren.

Die Brennstoffzellen-Technologie kann die Energiekosten eines üblichen Haushalts um etwa ein Viertel sowie den CO2-Ausstoß um bis zu 40 Prozent senken. 3500 private Anlagen gibt es bislang in Deutschland, die Hälfte davon wurde allein im vergangenen Jahr installiert.

Der Haken: Die Brennstoffzellen, die nur so groß sind wie ein Wohnzimmerschrank, sind nicht gerade billig, sondern teurer als bestehende Heizungsanlagen. 30 000 bis 32 000 Euro verlangen die wenigen Anbieter, die am Markt sind. Auf der anderen Seite sind Brennstoffzellen hoch subventioniert – mit über 11 000 Euro.

Das ist den Stadtwerken Erding noch zu wenig. „Wir wollen den Brennstoffzellen in unserem Versorgungsgebiet den Weg ebnen“, kündigt Geschäftsführer Christopher Ruthner an. Die ersten 20 Kunden, die sich heuer für eine Brennstoffzelle entscheiden, bekommen noch einmal 2000 Euro Förderung von der Erdgasversorgung Erding (EVE). „Damit sind sie preislich mit anderen Systemen vergleichbar“, so Ruthner.

Erdgas spielt bei der chemischen Reaktion eine entscheidende Rolle. Es bildet die Basis. Ein so genannter Reformer löst den im Gas enthaltenen Wasserstoff heraus. Brennstoffzellen funktionieren nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.

Die erste Anlage im EVE-Gebiet steht im Keller von Nicole und Enrico Paschke. Er arbeitet bei Energienetze Bayern und kennt die Brennstoffzelle aus seinem Berufsleben. „Da bei uns ohnehin eine neue Heizung anstand und wir auf innovative Erdgas-Technologie setzen wollten, haben wir uns für die Brennstoffzelle entschieden.“

Seine ersten Erfahrungen seit September 2018 sind vielversprechend, denn nun komme nicht nur Wärme, sondern auch Strom aus dem eigenen Haus. Wie viel er wirklich spart, und wie hoch die Strommenge ist, die er bei Nichtverbrauch gegen Vergütung ins öffentliche Netz einspeisen kann, stehe erst nach einjähriger Betriebszeit fest.

EVE-Geschäftsführer Reinhold Kunz spricht von der „Energiewende im Heizungskeller“. Er verweist darauf, dass schon der Grundstoff umweltfreundlich sei. Kunz ist überzeugt: „Erdgas wird bei der Energiewende eine entscheidende Rolle spielen.“

Das gelte auch fürs Biogas. „Die Förderung läuft zwar aus, die Produktion geht aber weiter. Ziel ist, das ins Erdgasnetz einzuspeisen.“ Das werde damit „zum billigsten Speicher elektrischer Energie“, so Kunz.

Bei ihrem Förderprogramm arbeiten die Stadtwerke mit dem Hersteller Viessmann zusammen. Niederlassungsleiter Sandro Roman versichert, Brennstoffzellen arbeiteten sehr geräuscharm und hätten einen Wirkungsgrad von 96 Prozent. Die neuen Anlagen seien zudem längst nicht mehr so wartungsintensiv. Alle zwei Jahre müssten lediglich Luft- und Wasserfilter ausgetauscht werden. Die Entschwefelung des Erdgases sei komplett wartungsfrei.

Sonderförderung:

Wer sich im Geschäftsgebiet der EVE – dazu gehören neben Erding die Gemeinden Fraunberg, Moosinning, Wartenberg, Langenpreising, Neuching, Walpertskirchen und Wörth – eine Brennstoffzelle zulegen und die Sonderförderung beanspruchen will, stellt vor dem Einbau einen formlosen Antrag. Die ersten 20 Bewerber zwischen 1. März und Jahresende werden berücksichtigt. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.erdgas.info.

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