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Einer muss ja den Anfang machen: Die Entenküken sprangen aus dem fünften Stock eines Wohnhauses in der Altstadt, im Hintergrund der Mayr Wirt. Alle Zwölf überstanden ihren Jungfernflug. 

Auf dem Balkon von Michael Sachweh schlüpfen zwölf Küken – Er erlebt ihren Erstflug

Küken-Kamikaze mit Happy End

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Ein Erdinger hat eine komplette Entenfamilie beobachtet, wie die zwölf Bibbis buchstäblich flügge wurden. Das Ganze geschah bei ihm auf dem Balkon hoch über der Stadt.

Erding – Michael Sachweh ist zu beneiden: Er wohnt mitten in der Erdinger Altstadt – und zwar so hoch droben, dass er einen wunderbaren Blick über Erding genießt. Doch für die Stadt hatte Sachweh zuletzt kein Auge. Denn er hatte Besucher, genauer gesagt recht ausdauernde Übernachtungsgäste. Eine Entenfamilie hatte es sich auf Sachwehs Balkon im fünften Stock gemütlich gemacht. Und los ging’s mit der Familiengründung.

„Die Pflanzenkästen auf meiner Loggia im fünften Stock müssen für die werdende Stockentenmutter eine verlockende Alternative zu den bodennahen Nistplätzen am nahen Bach gewesen sein: keine Gefahr durch Füchse oder Marder, dafür ein Traumblick über die Dächer von Erding hinweg“, berichtet der unfreiwillige Gratis-Vermieter auf Zeit.

Anfang April habe die Entenmama mit dem Nestbau begonnen. „Dazu nutzte sie die Erde aus einem von Sachwehs Pflanzenkübeln und baute sich ihr Nest im Schutz einer kleinen Nordmanntanne“, berichtet Sachweh. Der nadelige Geselle stand zu Weihnachten als Christbaum in der guten Stube.

Jungen schlüpften im April

Ende April schlüpften die Jungen. „Die Enten haben uns Menschen in manchen Dingen etwas voraus. Zwischen Balz, Brut und Nestflucht vergehen kaum mehr als zwölf Wochen. Und beim Nachwuchs wird mehr geklotzt als gekleckert: Durchschnittlich sieben bis 16 Exemplare zählt ein Gelege – pro Jahr“, erzählt der zum Entenexperten aufgestiegene Sachweh.

Prompt wurde er Zeuge, wie schnell es bei Enten mit der Erziehung geht. „Am nächsten Morgen schon sammelte die Entenmutter ihre zwölf Küken und unternahm mit ihnen einen Spaziergang durch meine Pflanzkübel.“

Alles mit der Kamera festgehalten

Was sie nicht ahnen konnten: Sie wurden beobachtet. Sachweh ist nämlich auch leidenschaftlicher Fotograf – und folgte seinen längst lieb gewonnenen Mitbewohnern mit Kamera und Teleobjektiv. „Aber immer in gebührendem Abstand“, versichert er. Stolz sei er, dass er Zeuge eines einmaligen Naturschauspiels mitten in der Stadt werden durfte.

Das Flüggewerden sie ein „Drama in drei Akten“ gewesen: „Erst setzte sich die Mutter auf den Kübelrand und sondierte in alle Richtungen den besten Landeplatz für ihre Küken. Dann führte sie ihre Kleinen in die Ecke, die sie als optimale Absprungbasis sah.“ Auf einmal sei sie gesprungen und nach unten geflogen. „Die Küken haben ihre Mutter zum ersten Mal nicht mehr gesehen und waren geschockt. Sie haben gepiepst wie am Spieß“, erinnert sich Sachweh.

Enten-Polonaise in den Bach

Unten quakte die Mutter unentwegt. „Ihr Lockruf weckte bei den Kleinen ungeahnte Kräfte und Heldenmut. Sie kletterten nacheinander auf die Brüstung und stürzten sich dann in die Tiefe.“ Alle hätten den ersten Sprung ihres Lebens überlebt.

Ein schlechtes Gewissen musste Sachweh nicht haben. „Ich wusste schon vorher, dass Entenküken solche Sprünge aus großer Höhe in aller Regel mit Bravour meistern.“ Denn sie verfügten bereits über Flügel und seien noch sehr leicht. Der Flaum verleihe ihnen zudem hohen Luftwiderstand.

Und das Ende des Abenteuers? „Unten sammelte die Mutter ihre Kleinen ein und watschelte dann in einer Kükenprozession zum nahe gelegenen Bach.“ Für Sachweh ein Küken-Kamikaze mit Happy End.

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