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Zwischen 160 und 500 Euro mehr für Erdgas

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Von: Uta Künkler

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Buchstäblich verbrannt wird das Geld angesichts der steigenden Gaspreise. Immerhin: Im Landkreis Erding sind die Anstiege moderat. Tariferhöhung im November Langfristiger Einkauf wirkt Gaspreisbremse ist ungerecht
Buchstäblich verbrannt wird das Geld angesichts der steigenden Gaspreise. Immerhin: Im Landkreis Erding sind die Anstiege moderat. © Patrick Pleul/dpa

Die Gaspreise im Landkreis Erding steigen langsamer als in anderen Regionen. Die Stadt- und Gemeindewerke machen das mit langfristigen Einkaufsstrategien möglich.

Erding – Die Energiekrise schlägt voll bis zum Verbraucher durch. Erst vor ein paar Tagen war von einem Gas-Schock in der Landeshauptstadt die Rede, als die Stadtwerke München bekannt gaben, ihre Preise zum Jahresende zu verdoppeln. Auch 40 weitere bayerische Versorger erhöhen ihre Tarife im November.

Gaskunden im Landkreis Erding müssen ebenfalls tiefer in die Tasche greifen, allerdings fällt der Preisanstieg hier in absehbarer Zeit moderater aus als in München. Die Stadtwerke Erding (SWE) werden ihren Tarif in der mittleren Grundversorgung zum 1. November von brutto 11,13 auf 12,01 Cent pro Kilowattstunde anheben – die derzeit gültige vergünstigte Mehrwertsteuer von sieben Prozent zugrunde gelegt, informiert Geschäftsführer Christopher Ruthner auf Nachfrage unserer Zeitung.

Auch die Gemeindewerke Taufkirchen, deren Geschäftsführer Ruthner ebenfalls ist, würden ihre Tarife um dieselbe Summe, nämlich um 0,88 Cent, anheben. Allerdings handle es sich hier um keinen öffentlich zugänglichen Tarif, da die Gemeindewerke in und um Taufkirchen nicht Gas-Grundversorger seien, sondern die Energie Südbayern GmbH, die bereits eine knackigere Erhöhung von 11,44 auf 15,27 Cent pro Kilowattstunde zum 1. November angekündigt hat.

Nicht ganz so moderat wie in Erding, aber noch immer verhältnismäßig gemäßigt sieht der Preisanstieg bei den Stadtwerken Dorfen aus. Diese werden ihren Tarif in der mittleren Grundversorgung von 10,33 Cent pro Kilowattstunde im Oktober auf 13,09 Cent pro Kilowattstunde im November anheben, erklärt Geschäftsführer Klaus Steiner. Das bedeutet eine Erhöhung um 2,76 Cent pro Kilowattstunde.

Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 18 000 Kilowattstunden bedeutet das bei den SWE eine jährliche Mehrbelastung von 158 Euro. Der gleiche Modellhaushalt zahlt bei den Dorfener Werken ab November 496 Euro pro Jahr mehr als noch im Oktober.

Attraktive Alternativen zu den Stadtwerke-Tarifen zu finden ist derzeit äußerst schwierig. Immerhin schmecken die Zahlen aus Erding, Taufkirchen und Dorfen deutlich besser als die für die Münchner, wo von einem Anstieg um mehr als 1500 Euro pro Jahr die Rede ist.

Warum können sich die hiesigen Stadtwerke weiterhin einen verhältnismäßig günstigen Tarif leisten? „Das Gas, das wir jetzt unseren Kunden verkaufen, haben wir in der Vergangenheit günstig eingekauft. Diese guten Konditionen können wir nun an unsere Kunden weitergeben“, erklärt Ruthner. Noch könne man daher in Erding deutlich unter den Marktpreisen bleiben.

„Wir versuchen, durch einen langfristigen Einkauf die kurzfristigen Risiken zu glätten“, erklärt auch Steiner die Maxime der Stadtwerke Dorfen.

Das Gas in den Leitungen im Landkreis Erding kam vor dem Krieg in der Ukraine zum größten Teil aus Russland, informiert Ruthner. Heute hingegen seien die europäischen Hauptlieferländer für Südbayern neben Norwegen auch die Niederlande oder Belgien. Aber das reicht nicht, Deutschland muss verflüssigtes Erdgas hinzukaufen. Dennoch: Die für den Landkreis Erding relevanten Speicher seien aktuell gut gefüllt, sagt Ruthner.

Die Erhöhung im November werde voraussichtlich nicht die letzte sein, sagt der SWE-Chef voraus. Tendenziell gehe der Preis weiterhin nach oben. Genaue Aussagen ließen sich allerdings zum heutigen Zeitpunkt nicht treffen. Schließlich sei man im Besonderen auch auf politische Entscheidungen angewiesen, die in der Vergangenheit mitunter „äußerst kurzfristig“ verlautbart wurden, kritisiert Ruthner und spricht von „politischen Hauruck-Aktionen“. „Wir sind alle daran interessiert, dass die Kunden möglichst wenig zahlen“, sagt der SWE-Chef.

Die derzeit in Berlin diskutierte Gaspreis-Bremse, die den Tarif ab März auf zwölf Cent pro Kilowattstunde einfrieren soll, bewertet er aber zwiegespalten. Einerseits sei ein Instrument dringend nötig, das die Bürger vor finanziellen Nöten absichere, betont Ruthner. Andererseits sei es die Frage, ob eine Gaspreis-Bremse das passende Mittel sei. Diese sei in der derzeit diskutierten Form nämlich ungerecht: „Wer etwa mit Pellets heizt, hat davon erst einmal nichts. Und auch da sind die Preise innerhalb eines Jahres um das Zweieinhalbfache angestiegen.“

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