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Die Corona-Fälle in den Gemeinden im Kreis Erding nehmen weiter zu.

82-Jähriger kam über den Flughafen – 14 neue Fälle – Notfallklinik hängt noch in der Luft

Erster Corona-Toter im Klinikum

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Es war eine Frage der Zeit: Am Dienstag wurde der erste Corona-Tote im Landkreis gemeldet. Es handelt sich um einen 82-jährigen Deutschen, der als Passagier am Flughafen München gelandet war. Die Zahl der Neuerkrankungen ist nicht mehr so stark gestiegen. Immer mehr müssen aber im Klinikum behandelt werden, teils auf der Intensivstation.

Erding-  Der Gesundheitszustand des Vorerkrankten hatte sich Ende vergangener Woche rapide verschlechert (wir berichteten). Das teilte Landrat Martin Bayerstorfer gestern Nachmittag in einer Pressekonferenz mit.

Mit 14 Neuerkrankten ist die Zahl der Corona-Fälle eher maßvoll auf 143 gestiegen. Für Bayerstorfer als Chef des Krisenstabs ist das „aber leider eher noch kein Zeichen, dass die Kurve wegen der Ausgangsbeschränkung abflacht“. Er führt die vergleichsweise geringe Zahl neuer Infizierter eher darauf zurück, dass am Wochenende nur wenige Personen mit Symptomen eine der drei Screeningstellen in Erding und Taufkirchen aufgesucht hätten. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen ließen sich über 1600 Bürger einen Abstrich im Rachenraum nehmen. Die Neuerkrankten sind aus Erding (5), Wartenberg (3) sowie Berglern, Buch, Dorfen, Fraunberg, Isen, Steinkirchen und Wartenberg (je 1). Bayerstorfer sagte aber auch, „dass wir noch diese Woche die ersten genesenen Fälle melden können“.

Corona in Erding: Schwere der Verläufe nimmt zu  

Die Schwere der Verläufe nimmt weiter zu. Laut Klinikumsdirektor Dr. Dirk Last werden 20 Patienten auf der Isolierstation behandelt, fünf weitere auf der Intensivstation, die alle beatmet werden müssen. Es seien alles ältere und vorerkrankte Menschen. Zehn sind in klinischer Isolation. Last betont, „dass wir mit der Fallzahl noch gut klarkommen, der Flaschenhals ist eher das Personal“. Er berichtete in diesem Zusammenhang, dass sich sieben Klinikangestellte mit dem Covid 19-Virus infiziert hätten; wie viele davon auf der Arbeit, konnte er nicht sagen.

Isolierstation am Klinikum noch einmal erweitert

Die Isolierstation sei noch einmal um eine halbe Etage erweitert worden. „Damit stehen uns bis zu 100 Betten zur Verfügung.“ 22 Patienten könnten beatmet werden. „Die Geräte brauchen wir aber nicht nur für Corona-Fälle“, stellte er klar. Hinzu komme: Auch andere Patienten müssten etwa wegen Keimen isoliert werden. Was die Intensivkapazitäten betrifft, „sind wir Oberkante Unterlippe“, so der Chef des Kreiskrankenhauses.

Ist Covid-19 nur eine Krise oder auch eine Chance für uns? Der Chef des Münchner Klinikums Neuperlach redet Klartext

Covid 19-Notfallklinik: Landrat drängt Behörden zur Eile

Umso mehr Druck macht Bayerstorfer beim Ausbau der Notfallklinik im Warteraum Asyl mit bis zu 1000 Betten. Auf dem Fliegerhorstgelände stehen acht Leichtbauhallen zur Verfügung. In jeder könnten 160 Behandlungsplätze eingerichtet werden. „Für 160 000 Euro haben wir eine Anlage zur Herstellung von Sauerstoff angeschafft.“ Die meisten Kranken müssten nicht beatmet werden, es reiche, wenn sie Sauerstoff über die Nase verabreicht bekämen. Die Betten sind aus der Zeit von Camp Shelterschleife als Flüchtlingsdrehscheibe vorhanden.

Hilfe für Ebersberg und Freising

Der Landrat betonte: „Die hohe Kapazität brauchen wir, allerdings nicht ausschließlich für die eigene Bevölkerung.“ Er erwarte eine steigende Anzahl an Corona-Patienten vom Flughafen – 80 000 Deutsche warten darauf, aus dem Ausland heimgeholt zu werden. „Wir sind Sitz des Rettungszweckverbandes und wollen auch für Ebersberg und Freising da sein.“ In der Domstadt seien die Kapazitäten bereits erschöpft. „Wir haben von dort Patienten übernommen“, so Bayerstorfer. Den Personalbedarf schätzt Last auf etwa 25 Ärzte und 100 Pfleger. „Die kann das Klinikum definitiv nicht stellen“, betonte er. Bayerstorfer setzt auf Unterstützung seitens des BRK, des THW und der Bundeswehr. Er bedauert, dass er bislang noch keine Genehmigung des Bundesinnenministeriums und der Regierung von Oberbayern erhalten habe.

Keine Wartezeiten mehr an den drei Corona-Screeningstellen

Sichtlich erfreut berichtete er, dass es an den Screeningstellen keine Wartezeiten mehr gebe. „Der Betrieb hat sich eingespielt.“ Um die Wege weiter zu verkürzen, will er mit dem Ärztlichen Kreisverband an allen Testcentern Bereitschaftspraxen andocken. Um die Service-Hotline 116 117 weiter zu entlasten, wurde der Telefondienst in Erding nach nur einem Tag ausgeweitet. Unter Tel. (0 81 22) 59 67 73 werden Patienten mit Symptomen von nun an montags von 13 bis 17, dienstags von 9 bis 17, mittwochs und donnerstags von 8.30 bis 11.30 und von 13.30 bis 16.30, samstags von 10 bis 17 und sonntags von 9 bis 16.30 Uhr beraten.

Alle Informationen über Corona im Kreis Erding

lesen Sie in unserem Ticker unter www.erdinger-anzeiger.de.

ham

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