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40 Demonstranten versammelten sich am Montagmittag vor dem Amtsgericht und demonstrierten gegen die Bedingungen vor allem von Frauen in Abschiebehaftanstalten. Die in Erding (Eingang am linken Bildrand) ist seit März belegt, mit bis zu einem Drittel Frauen. 

Flüchtlings-Kundgebung vor Abschiebehaftanstalt 

Afrikanerinnen klagen über Rassismus

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40 Frauen, vor allem Schwarzafrikanerinnen, haben am Montag vor dem Erdinger Abschiebegefängnis gegen die Haftbedingungen sowie allgemeine Diskriminierung von Frauen demonstriert. Die Kundgebung, die von zahlreichen Polizisten gesichert wurde, verlief friedlich.

Erding – Die Bedingungen waren nicht optimal: Vom fast wolkenlosen Himmel brannte erbarmungslos die Sonne, vor dem Amtsgericht ist nicht wirklich viel Platz zum Demonstrieren, Geh- und Radweg wurden gesperrt, laut rollte der Verkehr. Und dennoch haben am Montag 40 Frauen, vor allem Afrikanerinnen, gegen die Abschiebehaft und ihre Bedingungen, Rassismus und allgemein die Behandlung von Geflüchteten demonstriert.

Die Kulisse war überschaubar, allenfalls Passanten blieben kurz stehen. Größer war das Aufgebot von Polizei und Staatsschutz, das aber nicht eingreifen musste. Ein Polizist berichtet: „Wir haben ihnen den Schrannenplatz angeboten, aber sie wollten die Nähe zur JVA.“

Initiiert hatte die Kundgebung der Verein Women in Exile (Frauen im Exil) mit Sitz in Potsdam. Erding war nur eine Station einer Sommertournee vom 23. Juli bis Ende dieser Woche mit Aktionen in Magdeburg, Nürnberg, Regensburg, München, Basel, Frankfurt und Potsdam.

Am Zaun vor dem Amtsgericht – auf das Gelände der JVA durften sie nicht – hatten die Frauen Transparente angebracht: „Women breaking borders“ (Frauen überwinden Grenzen), „United we stand – Divides we fall“ (Gemeinam stehen wir, getrennt fallen wir) oder „Flüchtlingsfrauen werden laut Lager abschaffen“.

Laut war die Kundgebung nur am Anfang und am Ende, als zunächst ein afrikanisches Lied aus der Musikbox dröhnte und zum Abschluss eine Kundgebung über den Dr.-Ulrich- und Kreuzweg sowie Münchner Straße zurück zum Gericht stattfand.

Eine Sprecherin der Initiative kritisierte, „dass in Erding ein Viertel bis ein Drittel der 25 Gefangenen Frauen seien. „Sie sitzen hier, obwohl sie keine Straftaten begangen haben.“ Es könne nur ein „so genannter Rechtsstaat“ sein, denn in den Abschiebeanstalten würden viele Geflüchtete zu Unrecht sitzen. „Wer es sich leisten kann, oder das Glück hat, anwaltlich beraten zu werden, kommt oft schnell wieder frei“, so die Sprecherin.

Nach ihr ergriffen vier Frauen aus Uganda und Sierra Leone das Wort. Sie beklagten die Zustände in den Haftanstalten. „Es gibt keinerlei Privatsphäre. Die Türen sind immer offen, obwohl viele Frauen und Kinder schwer traumatisiert sind.“

Eine andere berichtete, dass in deutschen Abschiebegefängnissen Rassismus anzutreffen sei. Es sei empörend, „dass es nur ein Thema ist, wenn Europäer ertrinken, nicht aber, wenn Afrikaner auf der Flucht ums Leben kommen“. In einer globalisierten Welt müssten Menschen wählen können, in welchem Land sie leben wollen.

Plötzlich skandierten viele Teilnehmer „Stopp, stopp, stopp, Abschiebungen stopp!“. Eine Afrikanerin appellierte an die Behörden: „Gebt uns etwas zu tun, und sei es ehrenamtliche Arbeit.“ Flüchtlinge müssten den ganzen Tag in Zimmern sitzen, die ihre gesamte Wohnung darstellten. Sie selbst lebe seit zwei Jahren in Deutschland, sei aber fast gar nicht integriert. „Aber nur, weil man uns nicht lässt“, sagte sie.

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