Asylunterkünfte darf sie aktuell nicht mehr betreten. Deshalb näht die Flüchtlingshilfe nun Mund-Nase-Masken und verteilt sie an Seniorenheime und Förderzentren
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Fleißig waren die ehrenamtlichen Näherinnen der Flüchtlingshilfe Erding: Vorsitzende Sabrina Tarantik vor hunderten von Masken, die bereits an Seniorenheime und Förderzentren verteilt worden sind.

Erdinger Verein fertigt Masken für verschiedene Einrichtungen

Flüchtlingshilfe als ehrenamtliche Nähstube

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Asylunterkünfte darf sie aktuell nicht mehr betreten. Deshalb näht die Flüchtlingshilfe nun Mund-Nase-Masken und verteilt sie an Seniorenheime und Förderzentren

ErdingImmer mehr Menschen im Landkreis nähen Mund-Nase-Masken – sei es für ihre Familien und Freunde, für Mitarbeiter oder gemeinnützige Organisationen. Ende März hat auch die Flüchtlingshilfe Erding eine Aktion gestartet und NäherInnen gesucht, die für Altenheime und Behindertenwerkstätten solche Masken herstellen. Mit großem Erfolg.

Die Idee dazu hatte Vorsitzende Sabrina Tarantik. Über das soziale Netzwerk Facebook rief sie zur Mithilfe auf. So fanden sich 80 Helfer, die binnen einer Woche rund 800 Masken nähten. Die ersten wurden bereits an das Fischer’s Seniorenzentrum in Erding und das Münchner Förderzentrum in Freimann und Giesing geliefert. Die nächste Lieferung ging ans Pichlmayr-Seniorenzentrum in Erding. „Die Liste der Einrichtungen, die auf Masken warten, ist lang“, berichtet die Flüchtlingshilfe. In den Einrichtungen seien die Masken vor allem für die Bewohner gedacht, „die ja keine Möglichkeit haben, sich selbst eine zu nähen“.

DIY-Masken keine Medizinprodukte

Der Verein möchte dadurch nicht die Politik aus der Verantwortung nehmen, für das Personal zertifizierte Schutzmasken in ausreichender Stückzahl zur Verfügung zu stellen – vor allem, weil die in Heimarbeit hergestellten Masken keine Medizinprodukte sind und auch keine CE-Zertifizierung haben.

Hinter dem Facebook-Aufruf steht inzwischen eine sehr gut funktionierende Logistik. „Das Team setzt sich zusammen aus Näherinnen, Zuschneiderinnen und Helfern, die Auslieferdienste übernehmen, das Material beschaffen oder in Paketen zusammenstellen“, erklären Susanne Wastl und Patricia Schuster. Besonders schön zu beobachten sei, dass ganze Familien an der Herstellung der Masken beteiligt seien: Männer, die Draht zuschneiden und biegen, Kinder, die sortieren und in entsprechender Anzahl Pakete zusammenstellen und den Gummi in die richtige Länge kürzen. Auch ein Schneider aus Somalia, der als Flüchtling nach Bayern gekommen ist, sei beteiligt. „So entsteht ein gemeinsames Werk eines großen Teams.“ Jeder habe so die Möglichkeit, von Zuhause aus etwas Gutes für andere zu tun – und gleichzeitig eine sinnvolle Beschäftigung.

Warum sich die Flüchtlingshilfe dazu entschieden hat, hier tätig zu werden, hat mehrere Gründe. Zum einen müsse der Kernbereich des Vereins wegen der Corona-Pandemie eine Zwangspause einlegen. „So musste die Spendenannahme aussetzen und der Kleiderladen am Bahnhof schließen“, erklärt Schuster. Auch dürften die Flüchtlingsunterkünfte von den Helfern im Moment nicht betreten werden. Neben der Nähaktion unterstützt der Verein derzeit auch die Tafel Erding bei der Lebensmittelausgabe jeden Mittwoch.

Flüchtlingshilfe finanziert Masken aus Spendengeldern

Das Material für die Masken finanziert die Flüchtlingshilfe aus Spenden. Draht und Gummi müssen zugekauft werden. „Inzwischen ist hier bereits ein Betrag von 2000 Euro zusammengekommen“, so Schuster. Für die Masken verwenden die Näherinnen gespendete kochfeste Stoffe und Baumwollbettwäsche aus dem Lager der Flüchtlingshilfe.

Der Verein benötigt weiter Näherinnen, Material, aber auch Geldspenden, um Gummi und Draht kaufen zu können. Wer sich also an dieser Aktion beteiligen will, kann sich auf der Homepage der Flüchtlingshilfe Erding – www.fluechtlingshilfe-erding.org – informieren oder sich direkt bei Sabrina Tarantik per E-Mail an info@fluechtlingshilfe-erding.org oder unter Tel. (0174) 164 41 36 melden.

Gabi Zierz

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