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Startschuss fürs ambulante Frauenhaus in drei Wohnungen (v. l.): Mona Lisa Seeholzer, Heike Hopfinger, Landrat Martin Bayerstorfer, Nadine Plath, Stefanie Rösele und Benita Hingst. 

Ein Leben nach dem Frauenhaus

Ambulante Hilfe für Gewaltopfer

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Im Landkreis Erding werden weibliche Opfer häuslicher Gewalt jetzt noch umfassender betreut. Neben dem Frauenhaus gibt es seit Monatsbeginn auch ambulante Hilfen.

ERding - Damit wollen Landkreis und Bayerisches Rote Kreuz zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen wird das chronisch voll belegte Frauenhaus entlastet beziehungsweise ist Platz für neue Bewohnerinnen. Zum anderen werden die Frauen nach dem Auszug aus dem Frauenhaus niederschwellig weiterbetreut und auf ein selbstbestimmtes, möglichst angstfreies Leben vorbereitet, bis sie eine eigene Wohnung finden.

„Second Stage“ heißt diese Betreuungsform, die vom Sozialministerium gefördert wird. Vor wenigen Tagen ging der Förderbescheid ein. Die Bezuschussung gilt vorerst bis 30. Juni 2021. Der Kreis stellt drei Wohnungen zur Verfügung. Wo diese liegen, wird aus Sicherheitsgründen ebenso verschwiegen wie der Standort des Frauenhauses.

Die erste Frau ist eingezogen

Die erste Frau ist jetzt eingezogen, berichtet BRK-Pressesprecherin Danuta Pfanzelt. Die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen Nadine Plath, Mona Lisa Seeholzer, Benita Hingst, Heike Hopfinger und Stefanie Rösele halfen beim Umzug. Auch Landrat Martin Bayerstorfer schaute vorbei: „Mit dem Second-Stage-Angebot schaffen wir einen weitere Meilenstein im breit gefächerten Angebot für Frauen in Notfallsituationen.“ Dabei übernehme Erding eine Vorreiterrolle, denn die ambulante Hilfe gibt es erst seit kurzem und zunächst nur an 17 Standorten.

In Erding ist der Druck besonders hoch, weil der Wohnungsmarkt für alleinerziehende Frauen teils mit Kindern so gut wie nichts Erschwingliches hergibt. Deswegen konnten viele Opfer zwangsweise das Frauenhaus nicht verlassen. Dort ist aber nur Platz für bis zu fünf Frauen und sieben Kinder. „Mit dieser Übergangslösung haben Gewaltopfer die Möglichkeit, mit Unterstützung in Ruhe eine Wohnung zu finden“, so Bayerstorfer.

Die psychosoziale Beratung leistet eine Sozialpädagogin des BRK. Der Kreisverband hilft nach den Worten Pfanzelts auch bei der Wohnungssuche. „Das BRK betreut die Frauen ganzheitlich. Es wird mit einem ganzen Netzwerk auf eine materielle, physische und psychische Stabilisierung geachtet“, erklärt die BRK-Sprecherin.

Frauenhaus in Ebersberg? Erding freut isch auf Entlastung

Bayerstorfer verliert aber auch Männer als Opfer von Gewalt nicht aus dem Blick. In der Regel gehe es dann um seelische Brutalität. „Und auch dazu müssen wir Hilfen entwickeln.“ Ausdrücklich begrüßt er die Ebersberger Pläne für ein eigenes Frauenhaus. „Alles, was uns entlastet, ist richtig und wichtig.“

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