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Mit Spaß bei der Sache: Die ehrenamtlichen Müllsammler (v. l.) Stephanie Turner, Michael Rogler, Sarah Friedrich, Birgit Mühlbauer, Martin Thorwirth, Anja Koch und Sophie Zwingmann-Gocht. 

Ehrenamtliche Müllsammler seit einem Jahr unterwegs – Aktion mit Schülern geplant

Ihr Hobby ist ein sauberes Erding

Wo andere wegsehen, schauen sie genau hin: Die Müllsammlergruppe aus Erding ist seit etwa einem Jahr unter dem Motto „Überall Müll – wegschauen ist einfach, aufheben auch“ im Stadtgebiet unterwegs. Was treibt sie an?

Erding – Von Wodkaflaschen über Coffee-to-go-Becher und Plastikverpackungen bis hin zu Unmengen von Zigarettenstummeln: Hat man einmal den Blick auf den Boden gerichtet, wird klar, wie ernst die Lage ist. „Bei einer Strecke von zwei Kilometern kommen drei Säcke zusammen. Und wenn wir die hinter uns haben, liegt der Müll nach zwei Wochen wieder da“, stellt Sarah Friedrich (32), Einzelhandelskauffrau aus Eichenried und Initiatorin der Gruppe, fest.

Sie hat sich dieser Sisyphusarbeit angenommen, „weil ich es beim Spazierengehen einfach nicht mehr mit ansehen konnte, was alles in der Natur liegen gelassen wird“. Bewaffnet mit einer kleinen Tüte hat sie der Müllverschmutzung den Kampf angesagt und im nächsten Schritt eine Facebook-Gruppe gegründet, die inzwischen circa 730 Mitglieder deutschlandweit hat.

„Ich wollte das Problem an den Mann bringen und erreichen, dass mehr Menschen aktiv werden und zupacken“, erzählt Friedrich. Und das gelingt ihr auch sehr gut: Aus der Facebook-Gruppe ist die Erdinger Truppe mit etwa 20 Mitgliedern entstanden, von denen sich drei bis sieben Aktive ungefähr einmal pro Monat treffen, um gemeinsam für die Säuberung der Natur zu sorgen.

Stephanie Turner (28), Verkäuferin aus Zustorf, ist vor etwa einem Dreivierteljahr dazugestoßen. „Ich will einfach nicht, dass die Welt erstickt“, sagt sie bestimmt. „Mein Anreiz ist, durch die Aktionen auf uns aufmerksam zu machen und zum Mitmachen aufzurufen.“ In ihren grünen Westen, den Blick auf den Boden gerichtet und mit Säcken sowie Müll-Pickern „bewaffnet“, ziehen sie auch wirklich die Blicke auf sich. Die Leute fühlen sich angesprochen – auch wenn ihre Reaktionen unterschiedlich ausfallen.

„Manche loben uns, sagen aber, sie selbst würden es nie im Leben tun“, berichtet Friedrich. „Andere sind wirklich interessiert und wollen sich uns anschließen.“ Tatsächlich konnte die 32-Jährige nach Bildern der Aktion, die sie auf Facebook gepostet hatte, drei neue Mitglieder in der Erdinger Gruppe begrüßen.

So soll es auch weitergehen, denn der größte Wunsch von Friedrich und ihrer Müllsammlertruppe ist es, noch mehr Leute für ihre Sache zu gewinnen und regelmäßige Treffen zu organisieren. „Auch wenn wir über den kleinsten Beitrag – sei es, jemandem überzeugt zu haben, wie einfach es ist, Müllsammeln in den Alltag zu integrieren – schon glücklich sind, wollen wir natürlich am liebsten effektiv etwas bewirken.“ Wenn sich zum Beispiel in jedem Stadtteil die Anwohner gruppenweise zusammenschließen würden und ihre Straße sauber hielten, „wäre damit schon viel getan“.

Das nächste Ziel hat Friedrich bereits vor Augen: Gemeinsam mit Birgit Mühlbauer (37), seit zweieinhalb Jahren Lehrerin an der Mittelschule Altenerding und ebenfalls Mitglied der Gruppe, will sie gegen Ende des Schuljahres mit einigen Jugendlichen ein Müllsammelprojekt starten. Mühlbauer hat das im Unterricht bereits thematisiert und ist der Meinung: „Wenn am Schuljahresende sowieso nur noch Filme geschaut werden, kann man die Zeit ja auch sinnvoll nutzen.“

Wer sich für die Projekte der Gruppe interessiert, kann sich auf Facebook informieren. Sie heißt wie die das Motto der Gruppe. Über die Seite kann man auch mit Friedrich Kontakt aufnehmen. Jeder ist willkommen.

Pauline Dücker

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