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Im Fokus der Debatte des Stadtrats: das Stahl-Museum an der Landshuter Straße.

Nach geballter Kritik folgt Rolle rückwärts

FW rücken von Ausbau des Stahl-Museums ab

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Im Stadtrat ist ein Kulturstreit entbrannt. Zankapfel war die geplante Erweiterung des Museums Franz Xaver Stahl um ein Haus der Kunst und Begegnung.

Erding – Die Fraktion der Freien Wähler rückte von dem Vorhaben ab, legte dann aber eine 180-Grad-Wende ein, nachdem vor allem die CSU geballte Kritik geübt hatte.

Wohnhaus und Atelier des Künstlers hatte die Stadt nebst Nachlass geerbt. Für Letzteren ist in dem Anwesen an der Landshuter Straße kein Platz, die ausgelagerten Werke drohen Schaden zu nehmen.

Bereits 2016 hatte die Stadt einen städtebaulichen Ideenwettbewerb ausgelobt, der nun in eine „zweite Ideensuchrunde“ münden soll, wie es Stadtbaumeister Sebastian Henrich formulierte. Dafür winken der Stadt hohe Zuschüsse von Bund und Land – gut 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Aus der Städtebauförderung sollen allein nächstes Jahr 100 000 Euro abgerufen werden können.

Bestandteil des Wettbewerbs sind ein Anbau, der als Kunst- und Begegnungshaus genutzt werden soll, sowie die Neugestaltung des Gartens und des Vorplatzes einschließlich der Verbindung aller drei Elemente. „Wir wollen eine architektonisch-städtebaulich ansprechende und hochwertige Lösung“, sagte Henrich.

Hans Fehlberger kündigte an, seine FW-Fraktion werde nicht zustimmen. Es gebe genügend andere Räumlichkeiten in Erding, wo man sich treffen und sich über Kunst austauschen könne. Und das Depot könne ja auch „irgendwo in Oberbayern“ stehen.

OB Max Gotz (CSU) reagierte konsterniert. Er erinnerte daran, „dass wir hier ein Erbe angenommen haben und das Depot dringend brauchen“. Eine Kehrtwende gefährde die Förderung. Klassen könnten sich für Kunstprojekte wohl kaum in einem Wirtshaus treffen. Er meinte: „Wenn wir Kunst und Kultur so beantworten, sehe ich große Probleme.“ Der Vorstoß sei ein Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen um Museumsleiterin Heike Kronseder. Das gelte auch für ein Depot außerhalb der Stadt.

Burkhard Köppen (CSU) erinnerte daran, dass über Bewahrung und Ausbau des Erbes seit Jahren Einigkeit im Stadtrat bestehe. Er warf den FW Populismus vor. „Dabei lehrt Corona: Kunst gehört zum Leben.“ Walter Rauscher (CSU) verwies darauf, dass der Rechnungsprüfungsausschuss dringend eine Lösung für die beengten Verhältnisse angemahnt habe, um das Werk zu erhalten.

2. Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (FW) versuchte, die Wogen zu glätten. „Wir sind nicht grundsätzlich dagegen. Aber die Haushaltslage erlaubt es derzeit nicht.“ Dennoch vollzog Fehlberger die Kehrtwende, fügte aber an: „Wenn es um die Umsetzung nach dem Wettbewerb geht, wollen wir neu entscheiden.“ Der Beschluss erging einstimmig.  ham

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