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Nichts geht mehr: Auf dem Erdinger Herbstfest darf das BRK keine Lose mehr an Minderjährige verkaufen. 

Minderjährige vor Suchtgefahr schützen – Auch BRK-Glückshafen betroffen

Kinder dürfen keine Lose kaufen

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Schluss, Aus, Ende. An Minderjährige dürfen bei Volksfesten keine Lose mehr verkauft werden. Begründung: Suchtgefahr. Davon betroffen ist auch der beliebte Glückshafen des Roten Kreuzes.

Erding/Dorfen - Es ist seit Generationen das Erlebnis schlechthin. Ein Kind kauft an einem Losstand auf dem Volksfest ein Los und zieht prompt einen Hauptgewinn. Glückselig wird ein riesiger Teddybär in Empfang genommen. Und der wird voller Stolz über das Volksfestgelände getragen. Was so harmlos und freudvoll anmutet, ist in Wirklichkeit gefährlich. Zumindest in den Augen des Gesetzgebers. Dem Kind droht demnach Suchtgefahr.

Das Gesetz gilt seit 2008

Was wie ein Aprilscherz anmutete, ist ein seit 2008 geltendes Gesetz. Seither gelten die Jugendschutzbestimmungen im Glücksspiel-Staatsvertrag. Bislang hat das nur niemand interessiert. Und wo kein Kläger, da kein Richter. Ab jetzt ist das anders. Denn seit diesem Jahr verschickt die Regierung von Oberbayern eine Kopie des Gesetzestextes mit den erteilten Genehmigungen – und verbietet den Losverkauf an Minderjährige. Öffentlich geworden ist das jetzt durch den Glückshafen auf dem Dachauer Volksfest, der von der Stadt Dachau betrieben wird. 124 Jahre lang haben dort Kinder Lose gekauft, geöffnet, sich über Nieten geärgert oder über Plüschtiere gefreut. Jetzt ist damit Schluss. Ab sofort dürfen Minderjährige zwar Lose ziehen – aber nur, wenn ihre Eltern sie für sie kaufen.

Verkaufsverbot: In Dorfen nein, in Erding ja

Und wie ist das auf dem Volksfest in Dorfen und dem Herbstfest in Erding? „Eindeutig ist, dass wir beim Erdinger Herbstfest dem unterliegen, dass wir an Minderjährige keine Lose verkaufen dürfen“, sagt Danuta Pfanzelt, beim BRK-Kreisverbband zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. „Beim Dorfener Volksfest ist das schon schwieriger“, schiebt die BRKlerin nach und verweist dann auf das Gücksspiel-Gesetz. Darin enthalten ist nämlich eine Umsatz-Grenze. Erst wenn der Erlös über 40 000 Euro liegt, gilt das Gesetz. Ergo nimmt das Rote Kreuz weniger wie 40 000 Euro ein, besteht für die Minderjährigen offenbar keine Suchtgefahr. Das muss man erst mal geistig verarbeiten – vielleicht zählt ja ein Kontrolleur in Dorfen mit . . .

Wie überhaupt sich die Frage stellt, warum einem 16-Jährigen beim Loskaufen Suchtgefahr droht. Wenn sich der gleiche Heranwachsende in der Festhalle ein paar Bier genehmigt, ist das rechtlich völlig in Ordnung.

Politiker schütteln den Kopf

Sowohl Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) als auch der Erdinger Oberbürgermeister Max Gotz können über das Gesetz nur den Kopf schütteln. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass von unserem Glückshafen schon mal ein Kind glücksspielsüchtig geworden ist“, sagt Hartmann. Und auch Gotz sieht keine Gefahr, dass Minderjährige durch den Glückshafen spielsüchtig werden. „Mit solchen Regelungen schießen wir übers Ziel hinaus“, so der OB in einem Interview.

Doch mit einem Verstoß gegen das Verbot ist nicht zu spaßen. Die Strafen liegen je nach Schwere des Verstoßes bei bis zu 500 000 Euro. Im Internet wird bereits heftig über das Verbot diskutiert: „Willkommen im Verbotszeitalter! Was sind das für Menschen, die scheinbar den ganzen Tag lang versuchen, die restlichen noch fröhlichen Mitbürger auch in ihre Griesgrämigkeit zu holen?“

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