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Stiller Protest der Landwirte

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Von: Hans Moritz

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Protest-Hingucker: die Grünen Kreuze, hier an der B 388 bei Altenerding. Foto: Günter Herkner

An Feldrändern werden bald verstärkt grüne Kreuze zu sehen sein. Sie erinnern aber nicht an Tote, sondern sind als stiller Protest gedacht. Vielen Landwirten stößt das Agrarpaket des Bundesumwelt- und des Bundeslandwirtschaftsministeriums sauer auf.

Erding - Selten hat der Begriff der Graswurzelbewegung so gepasst wie bei der Aktion Grünes Kreuz, die Anfang September gestartet ist. Der Aufruf verbreitet sich vor allem über das Internet. Derzeit steht noch keine Institution dahinter. Vielmehr sind es einzelne Landwirte, die so ihren Protest formulieren.

Landwirt Stefan Schmid fordert Respekt für seine Arbeit 

Einer davon ist Stefan Schmid aus Altenerding. Seine Äcker an der B 388 fallen nicht nur durch die frische Raps-Aussaat auf, sondern durch zwei kleine grüne Holzkreuze, die Schmid aus einfachen, grün angemalten Latten zusammengezimmert hat. Daran hängen Infoblätter und ein Logo mit der Aufschrift „Respektiere die Arbeit der Landwirte“.

„Ich bin seit 40 Jahren Landwirt, und es ärgert mich, wie mit unserem Berufsstand umgesprungen wird“, sagt er im Gespräch mit der Heimatzeitung. Bauern würden immer wieder mit allen möglichen Umweltsündern in einen Topf geworfen. Beim Bienen-Volksbegehren im Frühjahr sei vor allem sein Berufsstand in die Pflicht genommen worden. „Ich fühle mich zwar nicht angegriffen, aber ich meine, dass wir jetzt auch mal ein Zeichen setzen müssen.“

Der BBV ist offiziell nicht Teil der Initiative

Das Volksbegehren war auf Bayern beschränkt und ist nun in ein eigenes Gesetz gemündet. Der Grüne-Kreuz-Aufruf erstreckt sich indes über ganz Deutschland, weitergegeben wird er in Flüsterpost-Manier. Im Zentrum der Kritik steht vor allem das Agrarpaket der Bundesregierung. Das beinhaltet viele Maßnahmen, „die in letzter Konsequenz dazu führen werden, dass die bisherige praktizierte Form der traditionellen Landwirtschaft massiv erschwert und in Einzelfällen unmöglich gemacht wird“, heißt es in einem der Aufrufe. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll um 75 Prozent reduziert werden. „Die Umweltministerin sagt aber leider nicht, wie die Alternativen aussehen.“ Auch die fünf Meter breiten Gewässerschutzstreifen sind darin genannt. Die Grüne-Kreuz-Bewegung kritisiert, dass es dafür keine Entschädigung geben solle.

CSU-Bauern wollen keine Jammerei

Die Aktion, die sich an das Raiffeisen-Motto „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ anlehnt, ist bewusst als stiller Protest konzipiert. Denn hierzulande gehen die Landwirte davon aus, dass das öffentliche Abfackeln alter Reifen und das Bespritzen von Supermärkten mit Gülle wie in Frankreich bei der breiten Bevölkerung nicht gut ankommen würde.

Jakob Maier, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), hat von den Grünen Kreuzen bereits gelesen. „Grundsätzlich finde ich alles gut, was auf die Situation der Landwirte aufmerksam macht und zum Nachdenken anregt“, erklärt der Niederdinger. Der BBV sei aber nicht mit eingebunden. „Ob ich selbst solche Kreuze aufstellen würde, kann ich noch nicht sagen. Im Moment sind wir ohnehin mit der Mais-Ernte beschäftigt.“

Josef Lohmaier, Kreisvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft, hält von den Grünen Kreuzen nicht allzu viel. „Das geht mir zu sehr in die Ecke des Jammerns. Und genau das hält man unserem Berufsstand ja immer wieder vor.“ Besser sei es, Verbesserungen auf dem politischen Weg zu erreichen. „Genau das ist die Aufgabe unserer AG“, so der Landwirt aus St. Wolfgang.

Landwirt im Landkreis Erding ist auch Michael Eberl. Er will die Milchviehhaltung aufgeben. Und das längst nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen.

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