Warnung für München: KATWARN löst wieder aus - Heftige Gewitter mit extremem Starkregen kommen

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Im Hochwasserfall strömt das Wasser aus Sempt und Neuhauser Graben in die Flutmulde im Baugebiet Haager Straße Ost. In der Bildmitte sind die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger und das BRK-Kinderhaus Wolperdinger zu sehen. Damit kann der nördliche Teil bebaut werden. Zudem wird die Siedlung dahinter geschützt.

Neubaugebiet Haager Straße Ost in Erding

Bauen trotz Hochwassergefahr - so klappt‘s

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Für etliche Baugebiete in Erding gilt ein Notstopp, weil die Hochwassergefahr noch nicht gebannt ist. Doch es gibt Wege, um dennoch ans Ziel zu gelangen - etwa am Ludwig-Simmet-Anger.

Erding – Not macht erfinderisch: Große Baugebiete liegen in Erding auf Eis, weil die Hochwassergefahr noch nicht gebannt ist. Im Bereich Haager Straße Ost, rund um Schule und Kita am Ludwig-Simmet-Anger, will der Investor aber jetzt endlich anfangen. Immerhin geht es um eine Fläche von neun Hektar, auf denen als Fernziel 2000 Wohnungen im Geschosswohnungsbau errichtet werden sollen. Dahinter steht das Immobilienbüro Brandhuber aus Erding.

Dessen Inhaber Florian Brandhuber hat nun einen Weg gefunden, dass er vor Realisierung eines Hochwasserschutzes für Erding – das Projekt wird sich noch viele Jahre hinziehen – mit dem Wohnungsbau beginnen kann. Er will im Süden des Areals zwischen B 388 und Haager Straße einen temporären Hochwasserschutz umsetzen. Dafür hat er sich einen ausgewiesenen Experten ins Boot geholt: Prof. Dr. Markus Disse, Inhaber des Lehrstuhls für Hydrologie und Flussgebietsmanagements an der Technischen Universität München. Eine große Flutmulde, bis zu 2,50 Meter tief, soll es richten.

Fläche ist gleich doppelt hochwassergefährdet

Im Stadtentwicklungsausschuss stellte Disse die Retentionsmaßnahme vor. „Die geplante Bebauung befindet sich gleich in zwei Überschwemmungsgebieten – von Sempt und Neuhauser Graben. Für beide habe er hundertjährliche Hochwasser (HQ100) simuliert. Vor allem die Flut der Sempt würde nicht nur das Areal weitgehend unter Wasser setzen, sondern auch Teile der nördlich angrenzenden Siedlung. Aber auch der Neuhauser Graben bedrohe vor allem das nördlichere Baufeld und die Siedlung. Für die Sempt errechnete der Wissenschaftler im Falle eines HQ 100 ein nötiges Stauvolumen von rund 18 000 Kubikmetern, für den Neuhauser Graben rund 14 000 Kubikmeter.

Für den temporären Schutz hat Disse hohe Hürden aufgestellt. Der Ausgleich muss auf eigenen Grundstücken erfolgen. Kein Dritter darf betroffen sein. Deiche und Dämme sind tabu. Die Fläche muss sich in die Landschaft integrieren und für Freizeit und Erholung nutzbar sein. Auch arbeitet er mit dem Wasserwirtschaftsamt zusammen.

Nach drei Tagen ist das Becken wieder leer

Er berichtete, dass die Flutmulde etwa zwei Fußballfelder groß sein werde und in nördliche Richtung geneigt sei. Disse will den Oberboden bis zur Kiesschicht abtragen, damit Ablauf und Versickerung möglichst schnell erfolgen. Er rechnet mit drei Tagen Entleerungszeit. Negative Auswirkung auf das Grundwasser schloss er aus.

Erst bei einem Hochwasser über HQ 100 rechnet Disse damit, dass die Straße geflutet werde. Dass zwei hundertjährliche Hochwasser aus Sempt und Graben zeitgleich eintreten, hält Disse für ausgeschlossen, dafür seien die Gewässer zu unterschiedlich. Christian Famira-Parcsetich vom Stadtplanungsamt erklärte, das sei nicht mal bei der Flut 2013 der Fall gewesen, auch wenn Sempt und Graben sehr viel Wasser geführt hätten.

OB Max Gotz sieht die Kritiker gescheitert

Für OB Max Gotz (CSU) war Disse wie ein Kronzeuge. Er erinnerte an eine Anschuldigung aus der Bürgerversammlung in Altenerding, beim Hochwasserschutz sei die Stadt die Marionette bauwilliger Investoren. Dass ein Investor nun eigene Maßnahmen ergreifen wolle, beweise das Gegenteil, so Gotz.

Hans Balbach (Erding Jetzt) erkundigte sich, ob bei dem Retentionsbecken die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes berücksichtigt worden seien. Das verneinte der Professor, es gehe ja um einen Schutz, bis die Maßnahmen des Freistaats umgesetzt seien.

Helga Stieglmeier (Grüne) hielt eine Kombination dieses temporären Schutzes mit dem des Wasserwirtschaftsamtes für sinnvoll. „Kann das Becken nicht bleiben?“ Das verneinte Disse energisch. Er erinnerte an das Fernziel, auch diese Fläche zu bebauen. Famira-Parcsetich erinnerte daran, dass das Areal im Flächennutzungsplan für den Wohnungsbau ausgewiesen sei.

Der Bahntunnel ist nicht in Gefahr

Walter Rauscher (CSU) sprach die Grundwasserproblematik in Bezug auf den Bahntunnel an. Gotz erwiderte, der Grundwasserstrom verlaufe in Süd-Nord-Richtung. Ringschluss und Flutmulde beeinträchtigten sich nicht gegenseitig.

Die Stadt signalisierte, das Bebauungsplanverfahren wieder aufleben zu lassen, wenn der Hochwasserschutz vorläufig gesichert ist.

Mit dem Wohngebiet hat auch die soziale Infrastruktur mitzuwachsen. Nach Informationen unserer Zeitung müsste dann die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger erweitert und ein zweites Kinderhaus gebaut werden. Das im Baugebiet Poststadl kann nun doch nicht realisiert werden. Der Platz reicht nicht. Das bestätigte Gotz.

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