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Nur eine windige Luftnummer waren die Pläne für ein Handballleistungszentrum in Erding. Seit Jahren beschäftigt der Betrug die Justiz - jetzt wieder.

Krankenkasse scheitert mangels Masse, Sozialbeiträge von verurteilten Investoren einzutreiben

Handballleistungszentrum: Der Schaden wächst

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Der Wirtschaftskrimi um die Luftnummer Handballleistungszentrum in Erding ist noch nicht vorbei. Jetzt versucht die AOK, Sozialabgaben bei dem wegen Betrugs verurteilten Ehepaar einzutreiben. Der erste Versuch? Fehlgeschlagen!

Erding – Der Traum von einem Handballleistungszentrum währte nur kurz: Ein Erdinger Ehepaar stellte 2018 hochfliegende Pläne für einen Sportpark mit Hotel und Internat neben der Herzog-Tassilo-Realschule vor, finanziert aus Mitteln einer nie näher bekannt gewordenen Stiftung in der Schweiz. Sofort machte sich die Stadt daran, einen Bebauungsplan zu zeichnen. Doch das Vorhaben entpuppte sich alsbald als völlige Luftnummer – mit einem handfesten Schaden. Der geht nach einer Entscheidung des Insolvenzgerichts am Amtsgericht Landshut nun noch weiter nach oben.

Denn das in Klettham lebende Ehepaar, das für das Leistungszentrum die Firma AMROC GmbH gegründet hatte, hatte an der Holzingerstraße neben dem Klinikum Flächen für ein Büro angemietet, diese kostspielig umbauen lassen und drei Verwaltungskräfte angestellt.

Im Mai 2019 mussten sich die damals 66 und 53 Jahre alten „Investoren“ wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Die Ermittlungen ergaben einen Gesamtschaden von 90 000 Euro, der vor allem den ausführenden Handwerksbetrieben entstanden war. Dass die Summe am Ende auf zehn Prozent gedrückt werden konnte, ist einem Rechtsanwalt zu verdanken, der die Geschäftsräume übernahm und die Geprellten weitgehend ausbezahlte.

Der Ehemann wurde zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 200 Sozialstunden verurteilt, die Ehefrau zu 1350 Euro Geldstrafe auf Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig.

Nun wurde bekannt, dass der Schaden um weitere rund 10 000 bis 12 000 Euro anwachsen dürfte. Denn die AMROC hatte für ihr Personal, das nie einen Cent Lohn sah, keinerlei Sozialabgaben für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgeführt. Die AOK Bayern beantragte daraufhin Insolvenz über die Firma. Nun entschied das Landshuter Insolvenzgericht unter dem Aktenzeichen IN 217/20, dass der Antrag abzuweisen sei – mangels Masse. Bei der AMROC ist nichts zu holen.

Eine, wenn auch wenig aussichtsreiche Möglichkeit bleibt den Kassen: Da sich die GmbH noch in Gründung befand und quasi wie ein Einzelunternehmen betrachtet wird, dürfte die AOK nun versuchen, sich das Geld bei dem Ehepaar selbst zu holen.

ham

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