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Ein Barockjuwel ist die Wallfahrtskirche Heilig Blut nahe des Stadtparks. Doch dieses Juwel hat buchstäblich Risse bekommen. Das Gotteshaus von 1675 ist ein Sanierungsfall. Deswegen wollen Kirchenpfleger Günther Adelsberger, OB Max Gotz, Pfarrer Martin Garmaier und Architekt Markus Heilmaier (v. l.) einen Förderverein gründen.

Stadt und Kirche gründen Förderverein

Heilig Blut darf nicht sterben

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Zum Erhalt der Wallfahrtskirche Heilig Blut wird ein Förderverein gegründet. Denn es gilt eine Mammut-Leistung zu vollbringen.

Erding– Hier haben viele Erdinger geheiratet, ganze Generationen von Schülern haben hier Gottesdienste gefeiert, so mancher hat sich zum stillen Gebet zurückgezogen. Die Wallfahrtskirche Heilig Blut gehört seit dem 17. Jahrhundert zu Erding, einst war sie beliebter Wallfahrtsort. Doch die über 300 Jahre sind an dem Barockjuwel, das zwischen dem Anne-Frank-Gymnasium und der Realschule Heilig Blut liegt, nicht spurlos vorübergegangen. Vor drei Jahren musste das Gotteshaus ganz geschlossen werden, seit September sind auch die Wege drumherum gesperrt. Denn jederzeit könnten sich Steine aus der Decke oder Ziegel aus dem Dach lösen – Lebensgefahr!

Keine Frage, Heilig Blut droht zu verfallen. Und genau das wollen kirchliche wie politische Gemeinde verhindern. Mindestens 15 Millionen Euro wird die grundlegende Sanierung kosten, die etwa acht bis zehn Jahre dauern wird. 15 Millionen, das wäre etwa ein Drittel des gesamten Bauhaushalts des Bistums München-Freising.

7000 Liegenschaften betreut die Diözese München-Freising

Dort hat man die Dringlichkeit zwar erkannt, doch bei rund 7000 Liegenschaften kann die Diözese nicht einfach einen zweistelligen Millionenbetrag auf den Tisch legen.

Genau deswegen haben sich Stadtpfarrer Martin Garmaier, Kirchenpfleger Günther Adelsberger und Oberbürgermeister Max Gotz zusammengetan, um einen Förderverein zu gründen. Die Versammlung dazu wird am 15. Dezember stattfinden. Neben dem Vorstand wird es nach den Worten von Andreas Erhard, Leiter des Rechtsamts im Rathaus, ein Kuratorium mit namhaften Persönlichkeiten geben, die den Förderzweck in die Öffentlichkeit tragen.

OB will „klares Signal“ an die Kirche senden

Für Gotz ist der Verein mehr als nur ein Instrument, um Fördergelder für die Sanierung zu gewinnen. „Ich möchte auch das klare Signal an die Kirche senden, dass die Erdinger hinter ihrer Kirche stehen.“ Vorbild sei der Förderverein der Wallfahrtskirche Maria Thalheim.

Gotz verspricht, auch die Stadt werde sich finanziell engagieren. „Das haben wir auch bei der Erlöserkirche in Klettham und bei der Auferstehungskirche in Altenerding so gemacht.“

Aber warum ist Heilig Blut überhaupt ein derart gravierender Sanierungsfall? Die Antwort kennen Adelsberger und Architekt Markus Heilmaier. Das größte Problem sei der Untergrund. „Heilig Blut steht auf dem typischen Erdinger Almboden“, sagt Adelsberger. Gerade bei schwankender Feuchtigkeit gebe dieser Untergrund nach, die Kirche sinke also zunehmend ein. Eine tragfähige Kiesschicht folge erst in vier bis sechs Metern Tiefe.

Teile der Kirche haben sich bereits gesenkt

Teile der Kirche haben sich bereits abgesenkt, überall sind Risse und Abplatzungen zu sehen. Netze sollen herabfallende Teile auffangen. „Wir müssen die Kirche nachgründen“, erklärt Heilmaier. „Von innen und durch den Kirchenboden muss eine Betonemulsion unter das Kirchenfundament injiziert werden, die nach etwa zwei Jahren die Kirche stabil trägt.“

Zuvor müsse die Kirche quasi leer geräumt werden. Und der Stuck, die Kunstwerke sowie die gesamte Innenschale könnten erst nach dieser Wartezeit renoviert werden. Garmaier schätzt die Gesamtdauer daher auf acht bis zehn Jahren.

Und dennoch ist er kompromisslos: „Heilig Blut ist ein Barockjuwel, das seinesgleichen sucht und selten ist. Das können und dürfen wir keinesfalls dem Verfall preisgeben.“ Er kann sich nach erfolgreichem Abschluss außerdem vorstellen, die Tradition der Wallfahrt wiederzubeleben.

Die Versammlung zur Gründung des Fördervereins Wallfahrtskirche Heilig Blut findet am dritten Adventssonntag, 15. Dezember, um 11.30 Uhr im Johanneshaus an der Kirchgasse statt.

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