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Angefressen: Der Buchdrucker hat die Fichte befallen, der Baum musste gefällt werden.

Die Fichte im Dauerstress

Heimischer Wald durch Klimawandel in Gefahr

Wälder sind überlebenswichtig. Sie speichern CO2 und stoßen Sauerstoff aus. Doch der Klimawandel bedroht die Bäume.

LandkreisDer Wald hat bei der globalen Erderwärmung eine Doppelrolle. Einerseits sei er als CO2-Speicher und Kühlelement so wichtig wie nie, erklärt Rainer Mehringer, Vorsitzender und Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Erding. „Andererseits ist er Opfer des Klimawandels.“

Im Landkreis dominiere die Fichte. „Sie leidet besonders stark unter den extremen Wetterbedingungen, die der Klimawandel mit sich bringt.“ Bei den heißen Temperaturen breiten sich Borkenkäfer und anderes Ungeziefer in Rekordzeit aus, von der Dürre sind die Nadelbäume ohnehin gestresst.

Bald Temperaturen wie in der Toskana

Heuer war es zwar längst nicht so heiß und trocken wie im Dürresommer 2018. Dennoch gab es lange Hitzeperioden. Der Grundwasserspiegel im Landkreis ist auf niedrigem Level. Regengüsse prasselten lokal begrenzt und mitunter heftig nieder, konnten den Grundwasserstand aber nicht anheben.

Mehringer zeigt auf einen ausgetrockneten Bachlauf im Waldgebiet hinter Aufkirchen: „Die Neubildung des Grundwassers ist gestört, die Hitze- und Dürreperioden folgen zu schnell aufeinander. Vor wenigen Jahren floss hier noch Wasser.“ Heute sieht man nur noch Geröll. Das Wetter verlaufe nicht linear, es lasse sich aber ein Trend beobachten: „Es dauert nicht mehr lange, dann haben wir in Erding ein Klima wie in der Toskana.“

Erding waldärmster Landkreis Bayerns

Erding ist mit 12 000 Hektar Wald der waldärmste Landkreis in ganz Bayern. „In der Region um den Flughafen gibt es beispielsweise überhaupt keinen Wald, das ist geologisch bedingt, liegt an den Moorböden. Im östlichen Landkreis hingegen, etwa in Buch am Buchrain, liegt der Waldanteil aber bei 50 Prozent“, erläutert Stefan Warsönke, der im Erdinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zuständig ist. Davon seien lediglich 1600 Hektar Staatswald, die überwiegenden Waldbestände lägen in privater Hand, so der Forstexperte. 90 Prozent davon seien Fichtenforste. Diese wurden nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg aufgeforstet. Die Fichte sei ein schnell wachsender und pflegeleichter Baum, dachten damals die Waldbauern und Forstwirte allerorts.

Damals wusste man allerdings noch nichts von globaler Erderwärmung. Denn die Fichte ist heuer unter Dauerstress: „Die Fichte ist ein Flachwurzler, sie findet keinen Halt mehr. Außerdem mag sie die Hitze nicht, auch hat sich die Vegetationsperiode verlängert“, bilanziert Mehringer, der für die Freien Wähler im Kreistag und Erdinger Stadtrat sitzt.

Borkenkäfer zerstören Nadelbäume

Durch die derzeitigen Klimabedingungen sei der Nadelbaum stark geschwächt. Der Borkenkäfer, der wiederum das warme Klima liebt und sich dadurch immer schneller vermehren kann, habe somit leichtes Spiel. Auch in diesem Jahr mussten wieder viele befallene Fichten gefällt werden. Das Holz hat mindere Qualität, die Einbußen sind groß.

Auf die richtige Mischung kommt es an – darin sieht Mehringer die Lösung des Problems. Der Waldbesitzer setzt auf die Tanne. „Die Tanne hat tiefe Wurzeln und hält Wärme aus.“ Sie sei dem Klima im Landkreis gewachsen, das Holz sei gut. In Kombination mit Mischwald, beispielsweise Walnussbäumen, könne der Wald fit für den Klimawandel gemacht werden. Auch Warsönke plädiert für die Aufforstung mit Laubbäumen und Tannen.

Bäume speichern Kohlendioxid

„Wir fördern Waldbauern, die sich für Mischbestände entscheiden, mit staatlichen Zuschüssen“, sagt er. „Wir können es den Waldbesitzern indes nicht anschaffen, sie müssen selbst dahinterstehen.“ Doch umdenken falle manchmal noch schwer. Denn jahrzehntelang seien Waldbauern im Landkreis mit dem Fichtenanbau gut gefahren, weiß Warsönke.

Schnelles Umdenken tut allerdings Not: „Jeder weiß, dass es den Klimawandel gibt und dieser auch fatale Folgen haben wird“, so Mehringer. Zum einen brauche man den Wald als Helfer gegen die CO2-Emissionen: „Jeder Baum nimmt während des Wachstums CO2 auf, bunkert es in Form von Kohlenstoff im Holz.“ Denn Bäume sind in der Lage, aus Kohlendioxid und Sonnenlicht Biomasse und Sauerstoff zu produzieren und das CO2 dauerhaft zu binden. Wälder sind also bedeutende Speicher für dieses Treibhausgas.

Verrottet oder verbrennt die Fichte, wird das Kohlendioxid, das sie während des Wachstums aufgenommen hat, wieder freigesetzt. Mehringer: „Wenn Holz zum Bauen verwendet wird, verlängert sich die Speicherwirkung über die Lebensdauer der Bäume hinaus.“

Michaele Heske

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