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Einen Deich nördlich der Fehlbachstraße und eine höher gelegte Erdinger Straße an der Kapelle schlägt das Wasserwirtschaftsamt als Hochwasserschutz für Langengeisling vor. Die Anlieger halten es indes für sinnvoller, den Fehlbach in Richtung Westen über die Ufer treten zu lassen.

Deiche an der Fehlbachstraße oder Ableitung zum Kronthaler Weiher?

Hochwasserschutz: Richtungsstreit in Langengeisling

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Bürger von Langengeisling wehren sich keineswegs gegen einen Hochwasserschutz für ihren Ortsteil. Allerdings wollen sie einen anderen Weg gehen als das Wasserwirtschaftsamt.

Langengeisling – Im Streit um den Hochwasserschutz für Langengeisling, 2013 ebenfalls stark von der Flut betroffen, ist es bislang recht ruhig geblieben. Und die baulichen Maßnahmen, die das Wasserwirtschaftsamt München (WWA) für den nördlichen Stadtteil vorsieht, sind auch nicht sonderlich monumental. Dennoch sind vor allem die Anlieger der ringförmigen Fehlbachstraße mit der Planung nicht glücklich. Beim Ortstermin mit dem WWA brachten sie eine Alternative ein, die logisch klingt – und von der Behörde deswegen nun auch geprüft wird.

Der Hochwasserschutz für Langengeisling besteht aus zwei Projekten: die Höherlegung der Erdinger Straße beziehungsweise des Kieswegs in Richtung Volksfestplatz inklusive einiger Geländemodellierungen sowie zwei Deiche. Einer soll nördlich der Fehlbachstraße verlaufen, ein zweiter in Nord-Süd-Richtung an der Bebauungsgrenze. Die Deichhöhe bewegt sich zwischen 30 Zentimetern und 1,60 Metern. Auf Höhe des Ortsschilds sieht das WWA einen mobilen Verschluss quer über die Fehlbachstraße vor.

Fehlbach war bei der Katastrophe 2013 durch die Siedlung gelaufen

Thomas Atzenhofer vom WWA und Florian Barnerßoi vom Ingenieurbüro SKI wollen so den Fehlbach im Zaum halten, der beim Hochwasser vor sieben Jahren Siedlung, Straße sowie die Felder zur Sempt im Norden hin überflutet hattet, ehe es in nordwestlicher Richtung abfloss.

Beim Ortstermin am Montagnachmittag, an dem sechs Stadträte teilnahmen, lehnten die Bürger diese Lösung ab, auch wegen der Gefahr, dass dann wieder Grundwasser in die Keller dringen könnte. Unter anderem Sepp Biller, Sepp Kaiser sowie Bernd und Rosalinde Hinsche lenkten den Blick in die Geschichte. Denn in früheren Jahren trat nach ihrer Erinnerung der Fehlbach regelmäßig über das westliche Ufer und floss in Richtung des Kronthaler Weihers beziehungsweise der Felder nördlich des Kieswerks ab. Sie machten auch deutlich, dass dem Wasser der Weg abgeschnitten worden sei. Denn die Straße sei immer wieder aufgeschüttet, verfestigt und schließlich asphaltiert worden. Nun ist das westliche Ufer höher als das östliche.

Straße zum Kronthaler Weiher absenken, dann fließt das Wasser nur in die Felder

Die Forderung der Geislinger: Die Straße Richtung Erholungsgebiet müsste abgesenkt beziehungsweise durchlässig gemacht werden. Dann würde der Fehlbach weit weg von der Bebauung abfließen, die Deiche könnte man sich sparen.

Atzenhofer gab zu bedenken, „dass es auch dort Betroffenheiten gibt“. Die Vertreter des WWA und Barnerßoi mussten aber auch zugeben, dass mit dieser Variante die Bebauung effektiver geschützt werden könnte. Sie sagten zu, diese Lösung zu prüfen. Denn eingangs hatten Atzenhofer und Barnerßoi betont, „dass wir uns in einem sehr frühen Planungsstadium befinden“. Constanze Hecker vom WWA musste aber auch in Langengeisling darauf hinweisen, „dass wir das Wassergesetz einhalten müssen, weil unsere Pläne sonst von der Regierung von Oberbayern nicht genehmigt oder von den Gerichten kassiert werden“.

Komisch: Ringschluss und Nordumfahrung tauchen in Plänen gar nicht auf

Allseits für Verwunderung sorgte die Tatsache, dass in den WWA-Plänen bislang weder der S-Bahn-Ringschluss, der nördlich des Volksfestplatzes in Richtung Flughafen über die Felder verlaufen soll, noch die Nordumfahrung im nordöstlichen Bereich des gefährdeten Bereichs in den Plänen berücksichtigt ist. Deren Damm soll bis zu sechs Meter hoch werden. Beide Wälle könnten Hochwasser eine ganz andere Abflussrichtung geben. Atzenhofer berichtete, dass man bisher trotz Nachfrage an keinerlei Unterlagen gekommen sei. „Wir können nur das berücksichtigen, was vorhanden ist“, erklärte er.

Aus der Bürgerschaft kam die Forderung, es müsse eine Stelle geben, die alle Planungen in dem Bereich bündele. Dabei sahen sie vor allem die Stadt in der Pflicht. ham

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