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Protest gegen Mauern: Über 50 Betroffene des Hochwasserschutzes, vor allem aus Altenerding, demonstrierten vor der Sondersitzung des Stadtrats am Dienstagabend in der Stadthalle gegen die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes. Sie verlangen einen naturnahen Sempt-Ausbau.

Hochwasserschutz: Wasserwirtschaftsamt hält an Mauern fest, gibt sich aber kompromissbereit

„Pretzener Becken“ als letzter Anker

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Die Mauern und Deiche entlang der Sempt durch Altenerding und Langengeisling zum Schutz vor Hochwasser scheinen nicht mehr abzuwenden zu sein. Das Wasserwirschaftsamt München hält an seiner seit eineinhalb Jahren favorisierten Variante fest. 

Allerdings kündigte WWA-Chef Christian Leeb in einer Sondersitzung des Stadtrats am Dienstagabend an, den bereits 2007 diskutierten Vorschlag eines Rückhaltebeckens südlich von Pretzen zu prüfen. Im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers könnte das den Flusspegel um bis zu 30 Zentimeter senken. Die Mauern im Ortsgebiet könnten dann kleiner ausfallen.

Die Fronten zwischen den Sempt-Anliegern und dem WWA sind verhärtet. Vor der Sitzung stellten sich 50 Betroffene vor der Stadthalle zum friedlichen Protest auf, organisiert von der BI Naturnaher Hochwasserschutz. Im Saal berichtete Florian Barnerßoi vom Ingenieurbüro SKI, dass die Planungen ins Stocken geraten seien, „weil uns einige Anlieger das Betreten ihrer Grundstücke untersagen“. Schließlich habe das das Landratsamt durchsetzen müssen.

Bei der Vorstellung des aktuellen Standes wurde deutlich: Das WWA hält an Mauern und Deichen fest, der Bau eines 1,9 Millionen Kubikmeter fassenden Rückhaltebeckens bei Niederwörth ist endgültig vom Tisch. Allerdings will man den Betroffenen bei der Umsetzung so weit wie möglich entgegenkommen. Ab Herbst sind Runde Tische geplant, um individuelle Lösungen zu finden. Allerdings werden sich etliche Verbesserungsvorschläge seitens der Bürger nicht realisieren lassen.

Zu Bergham erklärte Barnerßoi, der Deichfuß südlich der Besiedlung könne voraussichtlich deutlich schmaler als die im Raum stehenden 22 Meter ausfallen. Der Moosgraben könne durch ein Sielbauwerk abgeschirmt, die Schutzwand unter einem Erdwall versteckt werden.

WWA-Projektleiter Thomas Atzenhofer erklärte zu Langengeisling, die Ringschluss-Trasse werde nun mit berücksichtigt. Allerdings könnten dann nur die Mauern nördlich der geplanten Gleise niedriger ausfallen.

Eine Absage erteilte er dem Vorschlag, das westliche Ufer des Saubachs auf Höhe Geisling abzuflachen, damit das Wasser dorthin abfließt. Das habe „kaum Wirkung“, meinte Leeb und wies darauf hin, dass die Schaffung neuer Betroffener rechtlich gar nicht zulässig sei.

Besonders groß ist der Widerstand nach den Worten von Abteilungsleiterin Constanze Hecker in Altenerding, wo man mit der Planung deshalb im Rückstand liege. Sie deutete aber an, dass man die Mauern so anlegen könne, dass zwischen ihnen und der Sempt hochwertige Aufenthaltsbereiche geschaffen werden könnten – mit Wegen, begehbaren Ufern und Sitzsteinen. Sie gab zu: „Städtebaulich ist das ein sensibler Bereich.“

Immerhin: Das von Burkhard Köppen (CSU) wieder ins Gespräch gebrachte „Pretzener Becken“, ein Rückhalt mit Damm zwischen Pretzen und Singlding, wird nun nach den Worten Barnerßois „vertieft“ geprüft. Die Einstaufläche würde um 182 000 auf 300 000 Quadratmeter wachsen. Das Fassungsvermögen bezifferte er mit 350 000 Kubikmetern. „Das würde den Scheitel einer Hochwasserwelle reduzieren“, sagte der Ingenieur, die Abflussmenge von 90 auf 75 Kubikmeter pro Sekunde sinken. Den in etwas gleichen Effekt hätten die vorgeschlagenen und verworfenen neun kleinen Rückhaltebecken im Sempt-Oberlauf. Er betonte aber auch, dass das ebenso ein massiver Eingriff in die Natur sei und Widerstand wegen neuer Betroffenheiten erwartbar sei.

Das Hochwasserschutzkonzept sieht den Neubau des Petersbergbrückerls vor, allerdings mit langen Rampen, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Barnerßoi zerstreute Bedenken, die Ardeobrücke könnte zu einem gefährlichen Hindernis werden. Sie müsse nicht abgerissen, aber so ertüchtigt werden, dass sie keinen Damm bildet, selbst wenn die Fahrbahn überspült wird. An der Reißermühle wolle man den Vorschlag von Anliegern aufgreifen, einen Rechen gegen Verklausung zu installieren.

Atzenhofer versprach, man werde sich noch einmal Gedanken machen, damit im Katastrophenfall nicht weite Teile der Kleingartenanlage am Volksfestplatz überflutet werden. „Vorrangig ist deren Schutz aber nicht.“

Zum Wehrmanagament erklärte er, alle Tore müssten im Gefahrfall geöffnet sein. Das sei auch gesetzlich vorgeschrieben.

Gute Nachrichten hatte Hecker für die Unterlieger. Die Bürgermeister von Berglern, Anton Scherer, und Eitting, Reinhard Huber, waren als Gäste anwesend. „Eine Schlechterstellung ist gesetzlich gar nicht zulässig.“ Die Abteilungsleiterin versicherte, trotz der Durchleitung der Sempt durch Erding werde in den nördlichen Gemeinden nicht deutlich mehr Wasser ankommen als bei einer anderen Ausbauvariante. Die Überflutung der Straße Eitting–Eichenkofen sei hinnehmbar, „auch weil es Ausweichstrecken gibt“.

Hochwasserreferent Alois Flötzinger (CSU) monierte, die geplante Nordumfahrung werde nicht berücksichtigt. „Weil sie keinen Einfluss hat“, erwiderte Atzenhofer. Auch die nach wie vor fehlende Bachauskehr monierte Flötzinger. Die Antwort: Anlandungen gebe es nur partiell, „und die wollen wir mit den Wehrbetreibern auch angehen“. Tiefer legen könne man die Sohle aber nicht.

Hans Fehlberger (FW) erkundigte sich, was in Altenerding mit dem Oberflächenwasser hinter den Mauern geschehe. Dies werde wieder in die Sempt geleitet oder gepumpt beziehungsweise von Drainagen aufgefangen, erklärte Leeb.Allerdings kündigte WWA-Chef Christian Leeb in einer Sondersitzung des Stadtrats am Dienstagabend an, den bereits 2007 diskutierten Vorschlag eines Rückhaltebeckens südlich von Pretzen zu prüfen. Im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers könnte das den Flusspegel um bis zu 30 Zentimeter senken. Die Mauern im Ortsgebiet könnten dann kleiner ausfallen.

Die Fronten zwischen den Sempt-Anliegern und dem WWA sind verhärtet. Vor der Sitzung stellten sich 50 Betroffene vor der Stadthalle zum friedlichen Protest auf, organisiert von der BI Naturnaher Hochwasserschutz. Im Saal berichtete Florian Barnerßoi vom Ingenieurbüro SKI, dass die Planungen ins Stocken geraten seien, „weil uns einige Anlieger das Betreten ihrer Grundstücke untersagen“. Schließlich habe das das Landratsamt durchsetzen müssen.

Bei der Vorstellung des aktuellen Standes wurde deutlich: Das WWA hält an Mauern und Deichen fest, der Bau eines 1,9 Millionen Kubikmeter fassenden Rückhaltebeckens bei Niederwörth ist endgültig vom Tisch. Allerdings will man den Betroffenen bei der Umsetzung so weit wie möglich entgegenkommen. Ab Herbst sind Runde Tische geplant, um individuelle Lösungen zu finden. Allerdings werden sich etliche Verbesserungsvorschläge seitens der Bürger nicht realisieren lassen.

Zu Bergham erklärte Barnerßoi, der Deichfuß südlich der Besiedlung könne voraussichtlich deutlich schmaler als die im Raum stehenden 22 Meter ausfallen. Der Moosgraben könne durch ein Sielbauwerk abgeschirmt, die Schutzwand unter einem Erdwall versteckt werden.

WWA-Projektleiter Thomas Atzenhofer erklärte zu Langengeisling, die Ringschluss-Trasse werde nun mit berücksichtigt. Allerdings könnten dann nur die Mauern nördlich der geplanten Gleise niedriger ausfallen.

Eine Absage erteilte er dem Vorschlag, das westliche Ufer des Saubachs auf Höhe Geisling abzuflachen, damit das Wasser dorthin abfließt. Das habe „kaum Wirkung“, meinte Leeb und wies darauf hin, dass die Schaffung neuer Betroffener rechtlich gar nicht zulässig sei.

Besonders groß ist der Widerstand nach den Worten von Abteilungsleiterin Constanze Hecker in Altenerding, wo man mit der Planung deshalb im Rückstand liege. Sie deutete aber an, dass man die Mauern so anlegen könne, dass zwischen ihnen und der Sempt hochwertige Aufenthaltsbereiche geschaffen werden könnten – mit Wegen, begehbaren Ufern und Sitzsteinen. Sie gab zu: „Städtebaulich ist das ein sensibler Bereich.“

Immerhin: Das von Burkhard Köppen (CSU) wieder ins Gespräch gebrachte „Pretzener Becken“, ein Rückhalt mit Damm zwischen Pretzen und Singlding, wird nun nach den Worten Barnerßois „vertieft“ geprüft. Die Einstaufläche würde um 182 000 auf 300 000 Quadratmeter wachsen. Das Fassungsvermögen bezifferte er mit 350 000 Kubikmetern. „Das würde den Scheitel einer Hochwasserwelle reduzieren“, sagte der Ingenieur, die Abflussmenge von 90 auf 75 Kubikmeter pro Sekunde sinken. Den in etwas gleichen Effekt hätten die vorgeschlagenen und verworfenen neun kleinen Rückhaltebecken im Sempt-Oberlauf. Er betonte aber auch, dass das ebenso ein massiver Eingriff in die Natur sei und Widerstand wegen neuer Betroffenheiten erwartbar sei.

Das Hochwasserschutzkonzept sieht den Neubau des Petersbergbrückerls vor, allerdings mit langen Rampen, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Barnerßoi zerstreute Bedenken, die Ardeobrücke könnte zu einem gefährlichen Hindernis werden. Sie müsse nicht abgerissen, aber so ertüchtigt werden, dass sie keinen Damm bildet, selbst wenn die Fahrbahn überspült wird. An der Reißermühle wolle man den Vorschlag von Anliegern aufgreifen, einen Rechen gegen Verklausung zu installieren.

Atzenhofer versprach, man werde sich noch einmal Gedanken machen, damit im Katastrophenfall nicht weite Teile der Kleingartenanlage am Volksfestplatz überflutet werden. „Vorrangig ist deren Schutz aber nicht.“

Zum Wehrmanagament erklärte er, alle Tore müssten im Gefahrfall geöffnet sein. Das sei auch gesetzlich vorgeschrieben.

Gute Nachrichten hatte Hecker für die Unterlieger. Die Bürgermeister von Berglern, Anton Scherer, und Eitting, Reinhard Huber, waren als Gäste anwesend. „Eine Schlechterstellung ist gesetzlich gar nicht zulässig.“ Die Abteilungsleiterin versicherte, trotz der Durchleitung der Sempt durch Erding werde in den nördlichen Gemeinden nicht deutlich mehr Wasser ankommen als bei einer anderen Ausbauvariante. Die Überflutung der Straße Eitting–Eichenkofen sei hinnehmbar, „auch weil es Ausweichstrecken gibt“.

Hochwasserreferent Alois Flötzinger (CSU) monierte, die geplante Nordumfahrung werde nicht berücksichtigt. „Weil sie keinen Einfluss hat“, erwiderte Atzenhofer. Auch die nach wie vor fehlende Bachauskehr monierte Flötzinger. Die Antwort: Anlandungen gebe es nur partiell, „und die wollen wir mit den Wehrbetreibern auch angehen“. Tiefer legen könne man die Sohle aber nicht.

Hans Fehlberger (FW) erkundigte sich, was in Altenerding mit dem Oberflächenwasser hinter den Mauern geschehe. Dies werde wieder in die Sempt geleitet oder gepumpt beziehungsweise von Drainagen aufgefangen, erklärte Leeb.

ham

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