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Kritisch unter die Lupe nahmen die Bürger aus Bergham die Hochwasserschutzpläne des Wasserwirtschaftsamts, vertreten durch Ingenieur Florian Barnerßoi sowie Constanze Hecker und Thomas Atzenhofer. Auch Christian Famira-Parcsetich von der Stadtverwaltung (in gelben Jacken, v. l.) machte sich ein Bild. 

Erding-Tournee zum Hochwasserschutz - Behörde für Anregungen offen

Wasserwirtschaftsamt wirbt für Deiche und Mauern

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das Wasserwirtschaftsamt München (WWA) ist auf Tournee durch Erding. Bei mehreren Ortsterminen im ganzen Stadtgebiet informieren sie über ihre Hochwasserschutzpläne. Sie wollen erklären, aber auch Anregungen aufgreifen. Am Donnerstag ging es in Bergham los, am Freitag folgten zwei Ortstermine in Altenerding.

Erding – Das WWA will mittels Deichen und Mauern Erding vor Hochwasser schützen – und nicht mehr mit einem großen Rückhaltebecken bei Niederwörth. Um diesen Schwenk zu erklären, geht die Behörde nun mit den Bürgern an die neuralgischen Punkte. Der Klärungsbedarf ist hoch. Constanze Hecker und Thomas Atzenhofer vom WWA sowie Florian Barnerßoi vom Planungsbüro SKI erklärten, warum es ein sogenannter linearer Ausbau werden soll.

Beide betonten, die Abkehr vom Niederwörther Becken habe nicht auf einem Rechenfehler beruht, sondern auf einem 2017 neu erstellten hydraulischen Modell. „Das hat eine neue, größere Hochwasserwelle ergeben“, so Atzenhofer. Das Becken hätte nicht mehr vertretbare Ausmaße angenommen. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser müsse man von 90 Kubikmetern Wasser pro Sekunde in der Sempt ausgehen, derzeit könne sie 45 Kubikmeter aufnehmen.

Renaturieren vor allem dort, wo Platz ist

Zu dem Vorwurf, das WWA München plane Mauern und Dämme, während andernorts Flüsse renaturiert würden, erklärte Hecker: „Das geht da, wo Platz ist, aber nicht in dicht besiedeltem Gebiet.“ Selbst wenn eine andere Variante zum Zug komme, „wird es diese Bauwerke in Erding geben“, meinte Atzenhofer. Bei der Gestaltung habe man nicht einfach freie Wahl. Hecker erläuterte: „Staatlich finanzierte Vorhaben müssen wirtschaftlich vertretbar sein. Zu teure werden von der Regierung nicht genehmigt.“ Sie sprach auch das Erdinger Dilemma an: So gebe es einerseits eine Bürgerinitiative gegen das Rückhaltebecken, andererseits eine gegen Schutzwände. Ihre Schlussfolgerung: „Alle wollen Hochwasserschutz, aber keiner vor seiner Haustür.“

Sie und Atzenhofer nannten noch einmal die Vorzüge der Variante mit Deichen und Mauern. Sie weise die geringsten Bau- und Unterhaltungskosten sowie den kleinsten Flächenverbrauch auf. Die Eingriffe fänden überwiegend in dem Bereich statt, der geschützt werden soll. Und, so Atzenhofer: „Wir verlagern keine Nachteile auf die Oberlieger.“ Gleiches gelte für die Unterlieger: „Durch den linearen Ausbau kommt nördlich von Erding nicht mehr Wasser an. Die Menge, die 2013 in Altenerding aus dem Flussbett getreten und nicht abgelaufen war, ist vernachlässigbar.“

Vor allem Erding muss die Lasten tragen, nicht die Oberlieger

Das werde immer als Erstes geprüft, so Barnerßoi. Bei einem Rückhalt im Oberlauf sei die Genehmigungsfähigkeit in Gefahr – „weil die Eingriffe nicht verhältnismäßig sind“. Bei der naturnahen Lösung mit neun Rückhaltebecken wäre der gesamte Oberlauf beeinträchtigt, ohne selbst Nutzen zu haben, so Hecker. Manfred Drobny vom Bund Naturschutz wies indes darauf hin, dass sehr wohl weitere Bereiche in den Schutz mit einbezogen werden könnten: „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Die WWA-Vertreter nannten die Wirtschaftlichkeit als wichtiges Kriterium. Der lineare Ausbau sei mit 14,2 Millionen Euro veranschlagt, das Becken bei Niederwörth mit 15,4, die Hybridvariante mit 14,8 und der dezentrale Ausbau sogar mit 27 Millionen Euro. „Nur die wirtschaftlichste Lösung kann genehmigt werden“, machte Hecker deutlich.

Bachauskehr: Macht man heute so nicht mehr

Zur Bachauskehr teilt das Amt mit, dass diese „nicht mehr den heutigen Grundsätzen der Gewässerbewirtschaftung entspricht, naturschutzfachlich problematisch ist und keine wesentliche Verbesserung des Abflusses bringt“.

Beim Auftakttermin in Bergham ging es um einen zwischen 30 Zentimeter und 1,50 Meter hohen Deich südlich des Semptparks vom Bahndamm bis zum Wiesengraben und an dessen Ufer entlang bis zur Pretzener Straße. Er soll das Gewerbegebiet bei Hochwasserschützen, wenn die Sempt über die Ufer tritt und den Moosgraben flutet. Die Anlieger äußerten Kritik an dem Bauwerk, das das Tal durchschneide und wertvollen Ackerboden nehme. Denn der Deich werde an der Sohle trotz geringer Höhe bis zu elf Meter breit sein. Peter Badmann schlug eine (weniger wuchtige) Mauer vor, Markus Auerweck hielt eine Aufweitung des Grabens für sinnvoller. Letzteren Vorschlag will das Wasserwirtschaftsamt prüfen.

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