Eine Wirtsfamilie, die das Beste aus der Situation macht: Christine Haberthaler (l.) und ihre Mutter Elfriede Wenninger (2. v. r.) betreiben die Alte Tenne in Eder am Holz. Unterstützt werden sie von (v. l.) Sebastian Wenninger, Verena Wenninger und Martin Wenninger mit dem zweijährigen Sohn Valentin. 
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Eine Wirtsfamilie, die das Beste aus der Situation macht: Christine Haberthaler (l.) und ihre Mutter Elfriede Wenninger (2. v. r.) betreiben die Alte Tenne in Eder am Holz. Unterstützt werden sie von (v. l.) Sebastian Wenninger, Verena Wenninger und Martin Wenninger mit dem zweijährigen Sohn Valentin. 

Schwieriges Geschäft in Corona-Zeiten

Hochzeitswirte im Landkreis Erding setzen auf 2021

Ohne neue Lockerungen sind aktuell nur kleine Feiern erlaubt. Deswegen ist das meiste abgesagt. Viele Gastronomen sind aber flexibel - wenn neue  Corona-Regeln gelten.

Landkreis – Ihr Jawort planen Hochzeitspaare als einmaliges Erlebnis. In der Corona-Zeit findet Heiraten unter „einmaligen“ Bedingungen statt.

Normalerweise boomt das Hochzeitsgeschäft von Ostern bis Allerheiligen. Doch Feiern mit Maske und abgespeckter Gästezahl und nur bis 23 Uhr: Viele Trauungen sind bereits auf das kommende Jahr verschoben worden. „Größere Veranstaltungen sind bis 31. August verboten. Hochzeiten sind in diesem Zeitraum bei uns alle abgesagt. Teilweise sind auch die Feste für September und Oktober schon gecancelt worden“, berichtet Josef Stulberger, der das Gasthaus Stulberger in Fraunberg betreibt. Er hofft wie die weiteren Wirte im Landkreis auf weitere Lockerung der Auflagen.

„Wir haben schon einige Buchungen für 2021, aber es sind auch noch einige Termine frei“, so Stulberger. Mit der derzeitigen Situation müsse man sich arrangieren. „Da hilft alles nichts. Das muss man irgendwie überbrücken. Man ist halt machtlos“, sagt der Gastwirt. Auf das Angebot, Essen zum Mitnehmen anzubieten, hat er verzichtet. „Darauf sind wir nicht ausgerichtet. Unser Plan ist jetzt das Aussitzen. Wir schauen erst einmal, bis sich die Lage beruhigt.“

Auch der beliebte Eventstadl und das Gasthaus Neuwirt von Lorenz-Josef Burgmair aus Oberneuching stehen derzeit leer. „Ich habe zwar lange alles rausgezögert, doch von Mitte März bis Ende Juli hatte ich nur eine Veranstaltung“, sagt Burgmair. Und das war sogar eine Hochzeit. „Die war zwar nur im kleinem Rahmen, aber sie war super. Es gab Hintergrundmusik, um 22 Uhr war Schluss. Trotzdem war es sehr schön“, berichtet er.

Die Lage für die Wirte sei zwar brenzlig, so Burgmair. „Doch bei uns auf dem Land geht es eher noch. Mir tun die Wirte leid, denen die Räumlichkeiten selbst nicht gehören und die noch einen Haufen Pacht zahlen müssen“, sagt der Jungunternehmer. „Wir selbst könnten den Mindestabstand einhalten und haben alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Mein Vorschlag bei Hochzeiten wäre: keine Weinstube, fertig, aus. Ansonsten lässt es sich arrangieren“, so Burgmair, der ebenfalls viele Hochzeiten auf 2021 und sogar schon 2022 verlegt hat.

Bei Geburtstagsfeiern sehe die Lage anders aus. „Da sind noch einige offen. Vielleicht finden sie ja statt. Ab September haben wir auch noch einige größere Hochzeiten, die noch nicht storniert sind“, erzählt Burgmair.

„Es ist aber auch eine Katastrophe für die Bedienungen, denn viele arbeiten in der Gastronomie auf 450-Euro-Basis und machen das als Nebenjob. Denen brechen hier die Einnahmen weg“, sagt Burgmair, der die Zeit zum Renovieren nutzte. Essen to go gab es beim Neuwirt in Oberneuching nicht. „Das hätte ich gemacht, wenn jeder Abholer seinen eigenen Topf hätte mitbringen dürfen“, sagt er.

Im Gasthaus Strasser in Oberbierbach wurde sogar der Betriebsurlaub im August zugunsten potenzieller Hochzeiten abgesagt. „Wir haben Brautpaaren, die im April heiraten wollten, August-Termine angeboten“, sagt Inhaber Sebastian Strasser. Ob diese stattfinden können, ist noch unsicher. Generell seien etliche Feste ins neue Jahr oder sogar schon bis 2022 verschoben worden. „Aber es gibt auch einige, die noch sehr spontan sind und hoffen, doch heiraten zu können“, schildert Strasser die Lage in Oberbierbach.

An seinem Gasthaus solle es nicht scheitern. „Wir brauchen den wenigsten Vorlauf. Eine Woche reicht“, sagt er. Stornogebühren verlangt er nicht. „Das könnte ich mit meinem Gewissen gar nicht vereinbaren. Ich würde so eine Situation nicht ausnutzen“, sagt er. Vielmehr versuche er, Brautpaaren individuelle Lösungen anzubieten. So seien die Samstage während der Hochzeitssaison 2021 zwar schon so gut wie ausgebucht, „aber bei uns kann man auch am Freitag oder Sonntag seine Hochzeit feiern“. Und dieses Angebot komme gut an.

Beliebt bei Brautpaaren, die eine besondere Feierstätte suchen, ist die urige Alte Tenne in Eder am Holz (Gemeinde Moosinning). Doch auch hier haben 40 Brautpaare ihre Hochzeit ins kommende Jahr verschoben oder ganz abgesagt. Bis zu 100 Personen können in der Alten Tenne ihr Jawort feiern. Und auf diese Lockerung auch im Innenbereich hofft Elfriede Wenninger, die mit ihrer Tochter Christine Haberthaler die Alte Tenne betreibt.

Die aktuelle Lockerung auf 50 Personen im Inneren und 100 Gäste im Freien bringt bei vielen Hochzeiten noch nichts, befürchtet sie. Paare seien aber flexibel und würden auch im Winter heiraten. Vielleicht werde die Alte Tenne im kommenden Jahr auch schon im Februar aufmachen, so Wenninger. Kleinere Hochzeitsgesellschaften aber zeigen sich flexibel und haben so freie Juli-Termine ergattern können.

Das Hofcafé hat seit 24. Mai geöffnet – in abgespeckter Version, aber immerhin. Und es gibt noch mehr Positives: „Ein Paar hat nach der Pressekonferenz von Ministerpräsident Söder gleich angerufen und gesagt: ,Dann können wir wenigstens mit 50 Gästen feiern‘“, erzählt Wenninger. Sie hofft auf eine Verdoppelung der möglichen Gästezahl: „Drinnen 100 Leute, draußen 200 – dann kann man viele Hochzeiten bewältigen. Und dann macht es auch Sinn für Caterer.“

Gänzlich anders gestaltet sich die Situation hingegen bei Buchungen von Unternehmen. „Firmen haben so ziemlich alles abgesagt und auf das nächste Jahr verschoben. Und ob es heuer viele Weihnachtsfeiern gibt, glaube ich persönlich nicht. Die Firmen geben dafür nicht das Geld aus“, glaubt Wenninger.

Daniela Oldach

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