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Liebevolle Betreuung: Im Hospiz werden die Menschen mit Würde und Respekt in ihren letzten Tagen begleitet. Das soll ab 2021 auch in Erding möglich sein.

2021 soll die Einrichtung öffnen

Das Hospiz am Sternweg soll ein würdiger Ort für die letzten Tage werden

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Im stationären Hospiz, das in Erding am Sternweg gebaut wird, sollen Patienten aus der ganzen Region auf ihrem letzten Weg begleitet werden. Für den Start braucht das Hospiz Schützenhilfe.

Erding– Bei der Betreuung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Patienten auf ihrem letzten Weg brauchen die Angehörigen nicht nur viel Kraft, sondern auch professionelle Unterstützung. Diese bietet das Palliativ Team Erding (PTE) im ambulanten Bereich – und bald soll es in seiner Arbeit durch ein stationäres Hospiz für die Region Erding und Freising unterstützt werden. Wie wichtig ein solches Angebot vor Ort ist, berichtet ein Angehöriger, der erst vor wenigen Wochen seine Frau verloren hat.

Freisinger Ehepaar Folger will mit Stiftung Hospiz bauen

So individuell, wie jeder Mensch sein Leben lebt, so individuell stirbt er auch. „Aber allen gemeinsam ist: Wir, die wir unsere Angehörigen in dieser Zeit begleiten, brauchen Hilfe“, sagt der 82-jährige Rentner aus Erding, der anonym bleiben möchte. Seine Frau ist in einem Münchner Hospiz verstorben – liebevoll betreut und umsorgt. „Aber es wäre noch schöner gewesen, wenn wir hier in der Heimat in Erding hätten bleiben können“, sagt er.

Das soll ab 2021 möglich sein. Am Sternweg auf dem Fuchsberg will die vom Freisinger Ehepaar Marianne und Werner Folger gegründete MWS-Stiftung ein Hospiz auf einem Grundstück bauen, das die Stadt Erding von Karl Käser geerbt hat und der Stiftung im Erbbaurecht überlässt. Die Leitung des Hospizes wird Rita Gabler, bislang Pflegerische Leiterin des PTE, übernehmen.

„Wir wollten selbst entscheiden, wann, wo und wie wir gehen“

Das Palliativ Team, das im Jahr etwa 450 Patienten versorgt, hat auch das Erdinger Ehepaar unterstützt – „dafür bin ich unglaublich dankbar“, sagt der Witwer. Er ist vor rund zwölf Jahren mit seiner Frau nach Erding gezogen. „Hier haben wir uns gleich zuhause gefühlt. Erding ist so eine liebenswürdige Stadt“, sagt der ehemalige Manager, der die Welt bereist und sein Leben immer sehr selbstbewusst gestaltet hat. Er und seine Frau seien grundsätzlich Anhänger des selbstbestimmten Sterbens gewesen und wären zur Not auch in die Schweiz gefahren: „Wenn es uns ereilt, wollten wir selbst entscheiden, wann, wo und wie wir gehen.“ Das Paar hat sich gut vorbereitet, sich über Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung informiert.

Eindrucksvolles Gebäude: So soll das stationäre Hospiz am Sternweg in Erding aussehen, das 2021 eröffnet werden könnte. Der Architekt wollte ein klinikartiges Gebäude bewusst vermeiden.

Doch dann bekommt seine Frau die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ein Jahr dauert die strapaziöse Chemotherapie, dann können die Ärzte nichts mehr für sie tun. „Plötzlich ist man ganz hilflos“, blickt der rüstige Witwer zurück. Das Ehepaar wendet sich an den Onkologen Dr. Peter Schmidkonz und ans Palliativ Team. „Wir haben außerordentliche Hilfe und Verständnis bekommen, man kann sich keine rücksichtsvollere, kompetentere und liebevollere Behandlung wünschen“, sagt er dankbar.

„Wenn man ins Hospiz geht, weiß man, dass man nicht wieder nach Hause kommt“

Doch irgendwann wird die Belastung zu groß, und die beiden entscheiden sich schweren Herzens für den Weg ins Hospiz. Ein furchtbare Situation, „denn wenn man ins Hospiz geht, weiß man, dass man nicht wieder nach Hause zurückkehren wird. Die Tür der eigenen vier Wände schließt sich für immer.“ Dabei hat das Ehepaar noch Glück: Innerhalb einer Woche bekommt die 72-Jährige ein Zimmer in München, meist beträgt die Wartezeit Wochen bis Monate. Schnell merken die beiden: „Zuhause sterben heißt nicht unbedingt, in den eigenen vier Wänden zu sterben. Es bedeutet, in einer angenehmen Umgebung, liebevoll umsorgt zu sterben. Und das Hospiz ist für den Sterbenden ein wunderbares letztes Zuhause.“

Die Gäste werden mit Würde und Respekt behandelt

Die Schmerzen würden mit Medikamenten gelindert, Ängste genommen, die Gäste mit Würde und Respekt behandelt. „Fünf Wochen lang wurde das Sterben meiner Frau in unglaublich liebevoller Art begleitet“, erzählt der Witwer, der auch bei seiner Frau ist, als sie für immer einschläft. Er ist dankbar, dass sie in derart guter Betreuung sterben durfte. „Aber es wäre noch schöner gewesen, wenn wir hier hätten bleiben können, in Erding.“ Die Nähe zum Wohnort wäre für seine Frau angenehmer gewesen, der kürzere Weg für ihn einfacher. „Ich hätte mehr präsent sein können“, statt abends nach Hause und am Morgen wieder nach München fahren zu müssen. „Ich bin deshalb froh, dass Erding ein eigenes Hospiz bekommt. Das ist ein großer Trost für alle, die betroffen sind.“

Immer mehr Menschen haben niemanden, der sich um sie kümmern kann

Das sieht auch Rita Gabler so und betont, wie wichtig eine solche Einrichtung vor Ort ist. „Die meisten Patienten, die wir ambulant versorgen, haben ihre Familie um sich.“ Aber es gebe immer mehr Menschen, die niemanden haben, der sich um sie kümmern kann. Hinzu kommen Erkrankungen, die zuhause im Kreis der Familie nicht handhabbar sind, weil man dies den Angehörigen nicht zumuten kann. Auch diese Menschen brauchen einen letzten Ort. Und der soll nicht in der anonymen Großstadt sein, sondern in der Heimat. Dabei soll das Sophien-Hospiz, wie es nach einer Angehörigen der Stifter-Familie genannt wird, Menschen aus der gesamten Region offen stehen.

Rund 200 000 Euro Defizit pro Jahr sind zu schultern

„Doch für den Start brauchen wir wieder Schützenhilfe“, erklärt Gabler – so wie damals das Palliativ Team. Dazu wird es auch einen Förderverein geben. Zu schultern sei etwa das Defizit, das entstehe, weil die Krankenkassen nur 95 Prozent der Kosten für die Versorgung der Patienten übernehmen – im Jahr rund 200 000 Euro. Außerdem soll ein schöner Garten angelegt werden, damit die Bewohner an der frischen Luft sein können.

Auch die Einrichtung der Zimmer kostet viel Geld

Und auch die Einrichtung der zwölf Zimmer gilt es zu stemmen. „Das müssen schöne und besondere Zimmer sein, die nicht aussehen wie im Krankenhaus“, erklärt Barbara Huber, stellvertretende pflegerische Leitung beim PTE. Wer ins Hospiz geht, der soll sich dort wohlfühlen.

„Ich wünsche mir, dass das Hospiz ein pochendes Herz der Hospiz- und Palliativbewegung für die ganze Region wird, eine Einrichtung, die uns alle verbindet. Dass sich die Menschen dort wohl fühlen und dass niemand, selbst wenn er alleine ist, Angst vor dem Sterben haben muss“, sagt Gabler.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Arbeit des Palliativ Teams Erding und das im Aufbau befindliche stationäre Hospiz in Erding. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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Auch architektonisch ein Segen: Die ersten Entwürfe für das stationäre Hospiz in Erding zeigen: Der Bau wird auch architektonisch eine Bereicherung

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Die Planungen schreiten voran: Das Freisinger Ehepaar Marianne und Werner Folger will in Erding ein Hospiz errichten. Derzeit wird händeringend ein Generalunternehmer gesucht.

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