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Mit dem Sommer gehen die Gäste

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Gästemagnet Therme: Mit ihrer Wiedereröffnung am 24. Juni stieg auch die Auslastung der Hotels wieder. © Hans Moritz

Wie geht es eigentlich der Hotel-Branche im Kreis Erding? Der Sommer war einigermaßen erfolgreich - dank der Therme. Doch jetzt gehen die Buchungen wieder zurück. Kurzarbeit bleibt an der Tagesordnung. Eine Umfrage.

Erding Das Corona-Virus hat der Hotelbranche schwer zugesetzt. Knapp drei Monate lang durften nur Geschäftsreisende beherbergt werden, für Touristen wurden erst Ende Mai die Türen geöffnet. Zahlreiche Großevents wie das Erdinger Herbstfest, das Oktoberfest und sämtliche Messen finden heuer jedoch ebenfalls nicht statt, weshalb den Hotels auch weiterhin ein großer Teil der Gäste wegfällt.

Mit der Wiedereröffnung der Therme Erding zog das Geschäft im Hotel Apfelbaum in Erding zügig an. „Der Zuwachs an Gästen kam schnell und ziemlich überraschend für uns“, sagt Hotelmanagerin Margit Aschenbrenner. Das erforderte ein Umdenken bei der Hygienekonzeption, besonders beim Frühstück. „Nach dem Lockdown wurden die Gäste nur am Tisch bedient. Mit den vielen neuen Gästen sind wir dazu übergegangen, die Speisen nur noch abgepackt anzubieten. So konnten die Gäste sich erneut selbst bedienen“, so Aschenbrenner. Die 21 Mitarbeiter des Hotels waren von Mitte März bis einschließlich Juli in Kurzarbeit, mittlerweile sind sie aber alle wieder normal beschäftigt. Auch wenn das Hotel zur Zeit gut ausgelastet ist, sei das Niveau des Vorjahres noch lange nicht erreicht.

Gäste blieben länger als sonst

Auch im Best Western Plus Parkhotel am Erdinger Bahnhof lief der Sommer gut. „Wir hatten viele Touristen im Haus. Manche sind auch ein bis zwei Wochen dageblieben, was eigentlich untypisch ist“ erzählt Geschäftsführer Friedrich Staudinger. Er hat davon abgesehen, seine Gäste mit erhobenem Zeigefinger auf die Hygienevorschriften hinzuweisen und wählte stattdessen eine humorvolle Variante. Für die Gäste stehen rote Teppiche bereit und die Aufschrift „Hier ist Ihr nächster roter Teppich“ zeigt ihnen den Weg durchs Haus.

Da die Sommerferien nun vorbei sind, bleiben leider auch die Touristen weg. Hauptsächlich werden Geschäftsreisende beherbergt, wobei ein Großkunde viele Zimmer gebucht hat. Da aber jegliche Events nicht stattfinden, ist das Hotel nur zu 25 bis 30 Prozent ausgelastet. Von den ehemals 26 Mitarbeitern sind aufgrund der Krise nur noch 19 übrig. Besonders die 450-Euro-Jobber mussten entlassen werden, da für sie Kurzarbeit nicht möglich ist. Fünf der Mitarbeiter befinden sich noch in Kurzarbeit, der Rest ist wieder vollbeschäftigt.

Eine Corona-Wiese in Walpertskirchen

Im Zehmerhof in Walpertskirchen wurde die Zeit während des Lockdowns genutzt, um im Garten eine „Corona-Wiese“ anzulegen. Der Geschäftsführerin Ingrid Renner zufolge wurde eine Blühwiese angepflanzt und mit verschiedenen Sitzgelegenheiten ausgestattet, damit die Gäste es sich auch im Freien gemütlich machen konnten. „Im Sommer waren wir teilweise ausgebucht. Wegen der Hygienevorschriften konnten wir dennoch nicht alle Zimmer füllen. Wir mussten ja sicherstellen, dass sich die Gäste bei uns auch sicher fühlen“ erzählt Renner, „In der Corona-Krise haben viele etwas Kleines, Familiäres gesucht“, Renners Familienbetrieb war entsprechend eine beliebte Anlaufstelle, besonders bei vielen Stammgästen. Für den Herbst sehe es mit den Buchungen jedoch schlecht aus.

Stammgäste retteten Pension

In der Pension Kramerhof in Taufkirchen bietet Gabi Hofstetter für insgesamt acht Gäste einen Schlafplatz, aber auch separate Ferienwohnungen können gebucht werden. Während des Lockdowns waren diese von Dauergästen belegt, Hofstetter zufolge ein Glücksfall. „Durch unsere Dauergäste konnten wir uns über Wasser halten. Sie haben uns in dieser Zeit gerettet, da wir durch sie zumindest ein bisschen Einkommen hatten.“

Das Mercure Hotel München Airport in Aufkirchen hatte insgesamt 103 Tage geschlossen. „An dem Tag, an dem die Therme geschlossen wurde, haben wir auch unser Hotel geschlossen. Als sie wieder öffnen durfte, wurde auch das Hotel geöffnet“, erzählt Geschäftsführer Michael Weber. Momentan werden im Hotel fast ausschließlich Thermen-Touristen beherbergt, da der geschäftliche Reiseverkehr vom Flughafen mittlerweile fast vollständig zum Erliegen gekommen ist. Zehn Vollzeitkräfte könnte Weber derzeit wieder beschäftigen, die übrigen 20 Teilzeitkräfte sind weiterhin in Kurzarbeit. Dennoch ist er unsicher, ob dies bis Jahresende beibehalten werden könnte. „Zu dieser Zeit geht der Thermen-Tourismus für gewöhnlich zurück, da die Menschen wieder arbeiten müssen. Entsprechend wird auch die Belegung weiter zurückgehen“, so Weber. Aktuell sei das Hotel nur zu 40 bis 45 Prozent ausgelastet. „Ich habe zum Glück einen verständnisvollen Pächter, für den die Schulden okay sind. Aber ohne Staatshilfen wäre bei uns gar nichts gegangen“ sagt Weber.

Es wird noch Jahre bis zur Normalität dauern

In einer Sache sind sich die Hotelbetreiber einig: Um die Umsatzeinbußen während des Lockdowns wieder auszugleichen, wird es wahrscheinlich noch einige Jahre brauchen, besonders weil Großveranstaltungen abgesagt wurden und somit noch keine vollständige Rückkehr zum Normalbetrieb möglich ist.

Dennoch sieht die Branche der Zukunft allgemein positiv entgegen: „Wenn in der nächsten Zeit zumindest ein paar Gäste kommen, bin ich mir sicher, dass wir die Krise überstehen“, versichert Hofstetter.

Besonders die Tagungs-Hotellerie müsse sich Weber zufolge zukünftig jedoch umorientieren: „Die Videokonferenz hat sich etabliert. Man trifft sich immer weniger persönlich. Daher wird auch immer weniger geflogen – und somit braucht man auch weniger Hotels.“ Von Seiten der Thermen-Touristen sei der Zuspruch aber nach wie vor eindeutig vorhanden, versichern die Hoteliers.

Martyna Zagacka

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