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Zieht ein Gewitter über die Region, müssen einige Piloten über Erding an- und abfliegen. Aber es gibt noch mehr Gründe für den Flugverkehr über der Kreisstadt.

Flugsicherung erklärt Phänomen – Es liegt nicht nur am Wetter

Immer mehr Flieger direkt über Erding

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Normalerweise liegt das Erdinger Stadtgebiet unter keiner Flugroute. Und dennoch hören die Bürger zuletzt häufiger das Dröhnen der Triebwerke über ihren Köpfen. Dahinter stecken nicht nur Gewitterzellen.

Erding OB Max Gotz (CSU) brummte es derart in den Ohren, dass er sich im Stadtrat beim Besuch von Josef Schwendner, Generalbevollmächtigter der Flughafen München Gesellschaft (FMG), über den neuerdings ungewöhnlich regelmäßigen Fluglärm über seiner Stadt beschwerte. Gotz erklärte, nicht nur bei Gewitter werde die Stadt überflogen. „Ich habe die Maschinen auch schon bei bestem Wetter gesehen. Die Piloten sollen sich gefälligst an ihre Routen halten, alles andere ist nicht in Ordnung.“

Unsere Zeitung hakte bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) nach. Ihre Lotsen koordinieren den Luftverkehr. Sprecherin Sandra Teleki versichert zunächst: „Es gibt keine neuen Flugrouten, die über Erding führen. Da hat sich in den vergangenen Jahren nichts verändert.“ Sie bestätigt, dass es Wetterlagen gebe, bei denen Maschinen über Erding geführt würden – immer nur vorübergehend. „Zurzeit kommt das häufiger vor, weil bei der Hitze die Gewitterneigung zunimmt“, berichtet die Sprecherin.

„Es gibt aber auch andere Situationen, vor allem Fehlanflüge“, erklärt Teleki. „Wenn die Flugsicherung einen Piloten im Landeanflug anweist, noch einmal durchzustarten, weil zum Beispiel die Landebahn noch nicht frei oder die Crew nicht fertig für die Landung ist, müssen die Maschinen eine Kurve fliegen.“ Erding werde überflogen, wenn die Flieger von Osten kommen und auf der Südbahn aufsetzen wollen. „Dann können sie wegen der Nordbahn nur nach links in Richtung Erding abdrehen. Je nachdem, an welchem Punkt sie den Landevorgang unterbrechen, überfliegen sie das Stadtgebiet.“ In einer weiteren Kurve, so Teleki weiter, würden sie sich dann wieder in die Kette anfliegender Maschinen einreihen.

Aber auch bei Starts in Richtung Osten, also Erdinger Land, kann es laut der DFS-Sprecherin zu Überflügen kommen. „Wenn die Maschinen sehr schnell in einen starken Steilflug kommen, drehen sie noch in Airportnähe ab, etwa nach Südosten. „Auch dann bekommen die Erdinger das mit, auch wenn die Flugzeuge schon eine erhebliche Höhe erreicht haben.“

Gotz’ Vorwurf, die Piloten würden eigenmächtig vom Kurs abweichen, weist Teleki zurück. „Das geht nicht, denn unsere Lotsen dirigieren die Maschinen.“ Man müsse sich das so vorstellen, als würde man als Autofahrer von Start bis Ziel von der Polizei verfolgt, die einem sagt, wo man zu fahren hat.

Teleki sagt auch, dass die Piloten wüssten, dass selbst kleine grundlose Abweichungen von der Flugroute angezeigt und sanktioniert würden. „Dafür ist dann aber nicht die DFS zuständig, sondern das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung.“

Noch im Stadtrat hatte sich Schwendner mit dem Hinweis beeilt, die FMG sei der falsche Ansprechpartner. Am 25. Juli tagt bei ihr die Fluglärmkommission. Sie dürfte sich dieses Phänomens annehmen.

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