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Auf was achten die Bürger beim Autokauf? Manfred Gramsamer (r.) weiß das ganz genau. 

Immer weniger Jugendliche sind scharf auf den Führerschein

Das Auto ist kein Statussymbol mehr

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Immer weniger Jugendliche machen gleich den Führerschein. Und: Die Geschlechterrollen in Sachen Auto haben sich verändert.

Landkreis – Das Auto hat als Statussymbol ausgedient. Das belegen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts für das vergangene Jahr. Von den 18- bis 20-jährigen Frauen haben nicht mal zwei Drittel, 63,1 Prozent, den Führerschein. Bei den Burschen in dieser Altersklasse sind es sogar nur 59,2 Prozent, womit auch mit einem Klischee aufgeräumt wäre: Männer sind scharf auf Autos, Frauen weniger. Die Geschlechterrollen haben sich ohnehin verändert.

Für Manfred Gramsamer, Geschäftsführer des Autohauses Gramsamer in Neufinsing, ist das alles kein Geheimnis. Er ist Bezirksmeister und Vorstandsmitglied der Kfz-Innung München-Oberbayern und verkauft Renault sowie Dacia. „Das Mama-Taxi spielt eine große Rolle“, sagt er in Bezug darauf, dass immer weniger Jugendliche gleich den Führerschein machen wollen. „Bei meiner Generation war es noch so: Wenn ich gefragt hätte, ,Papa, fährst du mich nach Ismaning?‘, hätte es geheißen: ,Host du koa Radl ned?‘“ Heutzutage seien die jungen Leute verwöhnt, das Mama-Taxi fahre sie überall hin.

„Das ist schon länger bekannt, und das merken wir auch im Verkauf“, sagt Gramsamer. Erst kürzlich habe er ein Mädchen – Führerschein-Neuling – fünfmal anrufen müssen. Ihr Auto stand schon zur Abholung bereit. „Dann hieß es: ,Ich brauche ja gar keins‘“, erzählt Gramsamer, der daraus schlussfolgert, dass auf ein Auto oft kein Wert mehr gelegt werde. Heutzutage sei es für junge Leute schlimmer, wenn man ihnen das Wlan abstelle.

„Man gibt das Geld lieber fürs Handy aus“, beobachtet auch Christoph Flittner, der in Erding, Dorfen, Isen und Wartenberg seine Fahrschule betreibt. „Das Auto hat nicht mehr den Stellenwert.“ Weniger Fahrschüler verzeichne er aber nicht. Den Führerschein machten eben viele erst mit 19 oder 20, etwa wenn sie wegen einer neuen Arbeitsstelle plötzlich aufs Auto angewiesen seien.

„Wir merken’s nicht“, sagt auch Alois Klauser, Geschäftsführer der Fahrschule Englberger, die es in Erding, Altenerding, Dorfen, Wartenberg, Moosinning und Taufkirchen gibt. Sein Unternehmen bildet alle Führerscheinklassen aus. In Großstädten hätten die Fahrschulen aber bereits Probleme: Viele seien mit der U-Bahn unterwegs, andere seien gar nicht scharf auf ein Auto, weil ihnen in der Stadt der Parkplatz fehle.

Die Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamts besagt für 2018 auch, dass 58,9 Prozent der Autos im Landkreis Erding auf Männer zugelassen sind, 33,5 Prozent auf Frauen. Auch hier holt die Weiblichkeit langsam auf, 2016 betrug das Verhältnis noch 59,6 zu 33,6 Prozent. Die restlichen paar Prozentpunkte entfallen übrigens auf Firmenwagen. Was die Zahl der angemeldeten Autos angeht, ist die Tendenz konstant steigend. 2018 waren auf Männer 50 390 Pkw zugelassen (2015: 47 624), auf Frauen 28 684 (2015: 26 372).

Dass sich die Geschlechterrollen langsam, aber sicher verschieben, zeigt sich auch daran, wer das Auto kauft. „Früher hat der Mann Automarke, Motor et cetera ausgesucht, und die Farbe haben die Frauen bestimmt“, weiß Gramsamer. Heute ist es aber anders: „Dass die Frau den Mann dabei hat, weil sie Angst hat, sie könnte was Falsches kaufen, das gibt’s nur noch in einem oder zwei von zehn Fällen. Auch Frauen wissen heute über den Motor bescheid“, so der Kfz-Experte, dem auch aufgefallen ist: „Das Kaufverhalten hat sich ins Internet verschoben.“ Die Menschen informieren sich vorab online und hätten dann oft schon genau im Kopf, was sie wollen.

Früher hatte Gramsamer Motorräder im Angebot. Auch hier hat sich einiges getan. Das „hinten Aufsitzen“ der Frau sei längst nicht mehr in. Seien früher noch locker 90 Prozent der Zweirad-Fahrer Männer gewesen, seien es „jetzt mit Sicherheit 30 Prozent Frauen“, schätzt Gramsamer.

Die Frau ist auf Kleinwagen aus: Auch dieses Klischee kann man zu den Akten legen. Die Aral-Studie „Trends beim Autokauf“ besagt, dass noch vor zwei Jahren 27 Prozent der potenziellen Käuferinnen einen solchen angestrebt hätten. Heute seien es nur noch sechs Prozent. Das war Gramsamer nicht bekannt. Vielleicht, vermutet er, hänge auch das mit dem Verwöhntsein zusammen. „Die Jüngeren wachsen jetzt auf und sagen: ,Ich brauche einen 3er BMW!‘“, sagt er.

Es gibt aber auch beim Autokauf Dinge, die sich nie ändern werden. Ein Twingo oder Smart in knalligen Farben oder Blümchenbestickung: In solchen Gefährten dürfte wohl zumeist eine Frau am Steuer sitzen. „Und die SUVs oder große aufgeblasene Karren mit viel PS: Das sind eher Männerautos.“

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