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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Die Innenstadt nach Corona

Kommentar: Lasst uns Erding neu aufbauen

  • Hans Moritz
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Jede Krise birgt auch Chancen. In der Erdinger Innenstadt besteht schon länger Handlungsbedarf.  Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kann der Stadtkern gestärkt aus der Pandemie hervorgehen. Was jetzt getan werden könnte, zeigt Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende auf.

Die Corona-Krise wird auch am Erdinger Einzelhandel nicht spurlos vorübergehen, sondern vermutlich den längst bestehenden Wandel beschleunigen. Bundesweit sind nach einer Studie des Handelsverbandes Deutschland in den vergangenen 20 Jahren 75 000 Einzelhändler verschwunden, laut HVD könnten 50 000 der 450 000 bundesweit bestehenden Geschäfte zum Aufgeben gezwungen sein. In Erding frei werdende Flächen werden schon länger vor allem mit den Sortimenten Brillen, Hörgeräte und Handys belegt. Attraktive Vielfalt geht anders.

Und für die könnte man die Krise nutzen. Die Chancen stehen gut. Nicht nur, weil es bereits heute beträchtliche Leerstände gibt und die Mieten aufgrund der Folgen der Pandemie sinken dürften, sondern auch, weil ohnehin größere Projekte anstehen.

Immobilienexperten machen Mut. Ihr Befund: Uniforme Shopping-Meilen mit den immer gleichen Filialisten sind out. Die Menschen zieht es in Innenstädte mit Erlebnischarakter. Shoppen, erleben, genießen – das macht sie attraktiv. Ansätze gibt es schon, etwa das Restaurant im Gewandhaus Gruber oder die Kaffeebar im Modehaus Kraus. Läden sollten nicht mehr reine Verkaufsflächen sein, sondern Orte, an denen der Kunde etwas erlebt und es sich gut gehen lassen kann. Das ist Mehrwert.

Klappen kann das, wenn alle an einem Strang ziehen: Vermieter, die nicht nur an der Rendite interessiert sind, Händler, die nicht nur auf möglichst viel Ware in ihren Geschäften setzen, und eine Kommunalpolitik, die Mischformen zulässt und aktiv dafür wirbt. Dem Stadtmarketing im Rathaus fällt hier eine zentrale Rolle zu, es muss alle Mitspieler (regelmäßig) an einen Tisch bringen. Es sollte deswegen ausgebaut werden, nicht nur wegen der enormen Herausforderung der Konversion des Fliegerhorstes, sondern auch wegen der notwendigen Revitalisierung des Tourismus.

Die Stadt selbst könnte mit gutem Beispiel vorangehen – indem sie beim Wiederaufbau des Mayr-Wirt auf moderne Konzepte setzt. Beispiele aus anderen Städten gibt es genügend. Stadtrat und Bauverwaltung sind auch beim früheren Möbelhaus Falterer gefordert. Es ist nach den gescheiterten Plänen überfällig, mit den Investoren über eine rasche Lösung zu beraten.

Der Handel wiederum sollte eine Erkenntnis aus der Corona-Zeit mitnehmen: ein zusätzliches Standbein aus lokalem Onlinehandel und Bringservice.

ham

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