+
Mehr Barrierefreiheit in der Innenstadt: Viele Maßnahmen würden bis zu zehn Jahre in der Realisierung dauern, doch es gibt auch rasche Verbesserungsmöglichkeiten

Erste Maßnahmen werden 2020 umgesetzt

Rauscher will bei Barrierefreiheit rasch vorankommen

  • schließen

Eine barrierefreie Innenstadt – bis alle Maßnahmen realisiert sind, würden bis zu zehn Jahre vergehen. Doch im Stadtrat wurden auch einfache Verbessungsmöglichkeiten aufgegriffen.

Erding – Im Januar hat der Stadtrat beschlossen, die Erdinger Altstadt barrierefreier zu machen. Im Spätsommer nahm er das Gutachten eines Fachbüros an. Walter Rauscher (CSU), Inklusionsreferent im Stadtrat, erklärte am Sonntag am Stammtisch der CSU-Rathausfraktion, er wolle möglichst schnell in die Umsetzung einsteigen. 2020 sollen die ersten Vorhaben umgesetzt werden. Bis nennenswerte Erfolge für Geh- und Sehbehinderte sowie Gehörlose realisiert sind, werden nach seiner Auffassung allerdings fünf bis zehn Jahre vergehen.

Klaus Stanzel-Deffner und Arnold Kronseder wiesen auf das Großsteinkopfpflaster hin, das für Mobilitätseingeschränkte das größte Hindernis darstelle. Rauscher gab in diesem Zusammenhang zu, „dass wir bei der Altstadtsanierung die Behinderten leider vergessen haben“. Kronseder regte diesbezüglich an: „Es gibt die Möglichkeit, die Steine abzuschleifen. Das ist einfacher und kostengünstiger als ein kompletter Austausch.“ Auch Rauscher meinte, er halte es für nicht erforderlich, ganze Straßen wieder aufzureißen.

Blinde und Sehbehinderte orientieren sich an Mauerkanten

Darüber hinaus sprach der Inklusionsreferent etliche kleinere Maßnahmen an, die sich recht schnell, unkompliziert und kostengünstig umsetzen ließen. Eine habe der Stadtrat gerade erst beschlossen: Tempo 20 in der Innenstadt. „Das macht es Gehandicapten leichter, über die Straße zu kommen.“ Erfreulicherweise seien fast alle Gehsteige an Mündungsbereichen abgesenkt. Er appellierte an Handel und Gastronomie, an Fassaden keine Schilder, Tische oder Stühle aufzustellen. „Denn Blinde orientieren sich an den Mauerkanten.“ Auch Fahrräder würden oft mitten in den Weg gestellt. Sehbehinderte seien auf große und gut lesbare Hinweisschilder angewiesen.

Weiter forderte er zusätzliche Sitzgelegenheiten. „Sie sind für Menschen, die Schmerzen beim Gehen haben, ungemein wichtig“, so Rauscher. Sie sollten aber nicht zu tief sein sowie über Seiten- und Rückenlehnen verfügen, um das Aufstehen zu erleichtern.

Bessere Lesbarkeit der Buspläne

Rauscher sprach sich für mehr Behindertenparkplätze aus. „Gerne zulasten regulärer Stellplätze, denn das mindert den Suchverkehr.“ In diesem Zusammenhang regte Stanzel-Deffner an, die Behindertenparkplätze auch Menschen mit eingeschränkter Gehfähigkeit zur Verfügung zu stellen – mit einer Sonderbescheinigung der Stadt. „Die Regeln für diese Parkplätze sind sehr restriktiv, deswegen stehen sie meistens leer“, sagte der Arzt.

Ebenfalls rasch umsetzen ließe sich eine Anregung von Hermann Schießl: die bessere Lesbarkeit der Buspläne.

Zu einem barrierefreien Zugang zum Kronthaler Weiher erklärte Rauscher: „Eine technische Lösung scheidet aus, weil wir keinen Anbieter finden.“ Denkbar wäre, einen Serpentinenweg zum Ufer anzulegen. Erfreut zeigte er sich, dass die mit Geländern versehene Rampe für Geheingeschränkte gut angenommen werde.

Rege diskutiert wurden die Radl-Rambos. Mehr Rücksicht sei nötig.

Hans Moritz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neues Kinderhaus in Karlsdorf: Arbeiten fürs Dach fast 70 Prozent teurer
Die Gemeinde Forstern hat die Ausschreibung für Spenglerarbeiten und Dach-Abdichtung aufgehoben. Nur eine Firma hatte ein Angebot abgegeben - und das lag auch noch fast …
Neues Kinderhaus in Karlsdorf: Arbeiten fürs Dach fast 70 Prozent teurer
„Nichts mehr vom Paradies übrig“ - Anwohner der neuen A94 wehren sich weiter 
Das neue Teilstück der A94 im Münchner Osten bringt die Anwohner zur Verzweiflung. Von „paradiesischen“ Zuständen wie vormals ist nichts mehr zu spüren. Wurden vorher …
„Nichts mehr vom Paradies übrig“ - Anwohner der neuen A94 wehren sich weiter 
Tag des Kinderturnens – Die Kleinen toben durch die Halle
Der Bayerische Turnverband schickte dem TSV Dorfen 20 Urkunden. 20? Da mussten noch einige her, denn es waren 70 nötig.
Tag des Kinderturnens – Die Kleinen toben durch die Halle
Münchner Flughafen eröffnet Wintermarkt - „Wirklich sehr rückständig“
Weihnachten auf dem Airport: Am Münchner Flughafen ist es bereits Mitte November festlich. Doch es gibt auch Kritik.
Münchner Flughafen eröffnet Wintermarkt - „Wirklich sehr rückständig“

Kommentare