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Herz der Integrierten Leitstelle sind die Disponenten-Plätze. Hier nimmt Hubert Maier, fünf Bildschirme im Blick, einen Notruf entgegen. 

Integrierte Leitstelle Erding ist 2009 in Betrieb gegangen

600 000 Notrufe in zehn Jahren

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Das Rettungswesen in den Landkreisen Erding, Ebersberg und Freising ist vor zehn Jahren auf komplett neue Beine gestellt worden. Jetzt feiert die Integrierte Leitstelle (ILS), die der Landkreis Erding betreibt, ihr erstes Jubiläum. Am 31. Januar 2009 hatte sie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Betrieb genommen.

Erding - 600 000 Notrufe sind seither unter der Nummer 112 bei der ILS eingegangen, berichtete Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) im Zweckverband für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung (ZRF).

Eine der größten Umstellungen war damals, dass nicht mehr die Polizei die Feuerwehr-Notrufe koordinierte. Die bisherige Rettungsleitstelle für medizinische Notfälle hatte bis dahin der BRK-Kreisverband Erding abgewickelt – mit Personal der Landesgeschäftsstelle.

Auslöser für die neue ILS war die Polizeireform 2009

Auslöser für diese Neustrukturierung war die grundlegende Reform der bayerischen Polizei. Dabei wurden die Direktionen aufgelöst und in neu zugeschnittene Präsidien integriert. Das betraf auch die für Erding, Ebersberg und Freising zuständige Erdinger Direktion, deren Aufgaben das neu geschaffene Polizeipräsidium Oberbayern Nord übernahm. In Ingolstadt wurde eine neue, große Einsatzzentrale aufgebaut, die aber nur für 110-Anrufe zuständig ist.

In Erding wurde die Umstellung 2006 eingeleitet. Um den Betrieb der neuen ILS hatten sich das BRK, die Berufsfeuerwehr am Flughafen München sowie der Landkreis Erding beworben – mit der Zusage, unter dem Dach des ZRF Ebersberg und Freising weiter mitzubetreuen.

Über drei Millionen Euro investiert

Nachdem Erding den Zuschlag erhalten hatte, „mussten wir mit dem Bau der neuen Leitstelle in Vorleistung gehen“, berichtet Bayerstorfer. Er entstand in direkter Nachbarschaft zum Rotkreuz-Haus an der Wilhelm-Bachmair-Straße – in Sichtweite zur Polizei. 1,4 Millionen Euro investierte der Landkreis ins Gebäude, weitere 1,6 Millionen Euro allein in die aufwändige Funktechnik.

Doch nicht nur baulich waren große Hürden zu überwinden. Denn die Disponenten vom BRK, die übernommen wurden, verfügten nach den Worten des Landrats nicht über die feuerwehrtechnische Ausbildung. „An der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried gab es diese Lehrgänge noch gar nicht, deswegen haben wir es selbst organisiert“, erinnert sich Bayerstorfer.

Feuerwehr leistet Pionierarbeit

Bei der Entwicklung der beiden Feuerwehr-Ausbildungsmodule hätten sich die Feuerwehren in den drei Landkreisen sowie die Kreisbrandinspektionen unter der Führung des Erdinger Kreisbrandrats Willi Vogl intensiv eingebracht, lobte der CSU-Politiker. „Das war eine hervorragende Pionierleistung.“ Als besondere Herausforderung nannte er die Zuständigkeit der ILS für den Flughafen München mit eigener Feuerwehr und Rettungswache, die die Malteser betreiben.

Das Notrufaufkommen sei seit 2009 enorm gestiegen. Bayerstorfer berichtete von 47 000 Alarmierungen im Jahr 2010. Heuer rechnet er mit 80 000. Seit der Gründung sei die ILS beachtliche 600 000 Mal angerufen worden.

Alexander Funke ist neuer Chef der ILS

Im Jubiläumsjahr gab es an der Spitze der ILS einen Wechsel. Nach dem Rücktritt von Siegfried Aigner und der kommissarischen Leitung durch Stellvertreter Thomas Würmseer hat zum 1. Oktober Alexander Funke die Leitung übernommen. Der Erdinger ist nicht nur Einsatzleiter Rettungsdienst, sondern auch ILS-Disponent und stellvertretender Schichtleiter.

In den vergangenen Jahren hatte die ILS immer wieder mit Personalproblemen zu kämpfen, ausgelöst durch Wechsel von Disponenten zu anderen Leitstellen. Berge von Überstunden türmten sich auf. Mittlerweile konnten jedoch einige neue Disponenten angestellt und ausgebildet werden.

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