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Traum vom Eigenheim platzt immer öfter

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Von: Hans Moritz

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Dicht auf dicht und doch für viele unbezahlbar: die soeben entstehende Neubausiedlung am Poststadl im Nordosten Erdings an der B 388. © Hans Seeholzer

Gute Nachrichten sind das nur für Grund- und Immobilienbesitzer sowie Anleger: Die Preise schießen immer weiter und immer hemmungsloser durch die Decke. 

Erding - Weil wegen der Inflation und galoppierender Energiepreisen vielen Menschen in nächster Zeit weniger Geld zur Verfügung stehen dürfte, wird der Kreis derer, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen können, immer kleiner. Das gilt im Landkreis insbesondere für die Stadt Erding, für die nun aktuelle Zahlen vorliegen.

Der Regional-Report des Immobilienverbands Deutschlands (IVD) für das Münchner Umland ist alles andere als eine vergnügungssteuerpflichtige Lektüre. Zwar könnte es mit dem starken Preisauftrieb bald vorbei sein, doch die große Masse wird davon nicht profitieren.

Die Zahlen, die der IVD für die Frühjahre 2012 und 2022 ermittelt hat, zeigen, wie sich die Preise in der Kreisstadt entwickelt haben. Einfamilienhäuser im Bestand kosteten hier vor zehn Jahren im Schnitt 530 000 Euro. Heute ist man schon bei 1,02 Millionen Euro.

Der Quadratmeter Eigentumswohnung im Bestand schlug 2012 mit rund 2100 Euro zu Buche, 5680 sind es heute. Auch die Mieten haben stark angezogen: von 8,70 Euro pro Quadratmeter im Bestand auf 14,20 Euro. Der IVD erklärt, dass für die Erhebung eher gute Lagen berücksichtigt worden seien.

Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts, kommt zu dem Schluss: „Der Wunsch nach einem Eigenheim wird aufgrund hoher Kaufpreise und Baukosten sowie aktuell stark steigender Bauzinsen immer schwerer zu realisieren.“ Die Region München erfreue sich auch im Frühjahr 2022 großer Beliebtheit. Die Nachfrage am Wohnimmobilienmarkt sei ungebrochen hoch, das Preisniveau zeige weiterhin nach oben, so Kippes. Im Landkreis Erding hätten die Preise allein seit Herbst 2021 um 2,3 Prozent angezogen.

Allerdings sieht er eine Trendwende heraufziehen: „Die Zeiten steil steigender Kaufpreise könnten bald für eine gewisse Zeit vorüber sein“, so Kippes’ Prophezeiung. In den aktuellen Krisenzeiten wirkten nämlich mehrere gegenteilige Faktoren zusammen. „Zwar könnten der Zinsanstieg und die Auswirkungen des Ukrainekrieges mit den verhängten und geplanten Sanktionen auf den Immobilienmarkt einen dämpfenden Effekt haben, aber auch angesichts dieser Unsicherheiten private wie auch institutionelle Investoren verstärkt dazu bewegen, Geld im sicheren Hafen einer Immobilienanlage unterzubringen“, so der Forscher.

Grotesk: Experten rechnen auch deswegen mit einer abflauenden Nachfrage, weil sich für immer mehr Menschen die Frage nach Wohneigentum gar nicht mehr stellt. Das heißt, selbst wenn es mit den Steigerungen vorbei sein sollte, hat das für die Mehrheit keinerlei Bedeutung (mehr).

Auch der Mietmarkt macht gesellschaftspolitisch betrachtet wenig Freude: Der IVD kommt zu dem Schluss, dass sich der Anstieg der Mieten zwar „etwas abgedämpft hat“. Die hohe Inflation sowie die massiv steigenden Energiepreise „werden insbesondere die Wohnnebenkosten weiter antreiben. Gerade Mietern mit geringerem, aber auch mittlerem Einkommen stehen hier finanziell schwierige Zeiten bevor.“

Preislich, das stellt nicht nur der IVD fest, hat sich Corona kaum auf den Immobilienmarkt ausgewirkt. Kippes stellt aber veränderte Anforderungen an die Wunschimmobilie fest. Neben Objekten mit eigenem Balkon, Terrasse beziehungsweise Garten seien auch solche gefragt, die ausreichend räumliche Kapazitäten für die Arbeit im Homeoffice bieten.

Vor dem Hintergrund, nicht mehr jeden Tag im Büro präsent sein zu müssen, würden weitere Entfernungen zum regulären Arbeitsplatz akzeptiert. Das wiederum befeuert die Preise auch in Regionen, die von den Metropolen weiter entfernt liegen. Bei Garagen und Parkplätzen werde immer stärker auf eine Ladeinfrastruktur geachtet.

„Angesichts der als zunehmend instabiler empfundenen Energieversorgung wird bei Häusern verstärkt auf das Thema Solaranlage geachtet und diese als entsprechender Vorteil empfunden – und auch honoriert“, heißt es im Regional-Report. Vor dem Hintergrund der steigenden Energiekosten rücke nicht zuletzt der energetische Zustand des Gebäudes stärker in den Fokus der Käufer und Mieter. Bislang sei das eher nebensächlich gewesen.

Im Freising stellt sich die Lage noch prekärer dar als in Erding. Laut IVD sind die Preise im vergangenen halben Jahr deutlich stärker gestiegen als in Erding. Als Grund mutmaßt der Verband die deutliche Erholung am Münchner Flughafen nach der Pandemie.

ham

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