952 Rehe wurden seit April 2019 bei Unfällen getötet. Foto: dpa/gms

Jedes vierte getötete Reh kommt bei Wildunfällen ums Leben

Auto als tödliche Waffe

  • Hans Moritz
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Im Landkreis Erding sind die Wildabschusszahlen im zu Ende gehenden Jagdjahr fast punktgenau erfüllt worden. Doch längst nicht jedes Reh wurde von einem Jäger erlegt. Mehr als jedes vierte Wild kommt bei Zusammenstößen mit Autos ums Leben.

Erding – Eine viel zu hohe Zahl, meint die Jägerschaft. Doch bislang sind alle Versuche, die Zahl der Wildunfälle zu senken, gescheitert. Nun will der Jagdverband mit neuen Maßnahmen dafür sorgen, dass den Tieren langes Leid erspart und den Jägern die Suche nach verletzten Tieren erleichtert wird.

Es gibt blaue Reflektoren, Warnschilder und an der B 15 zwischen Taufkirchen und Landshut sogar eine Versuchsstrecke mit Baken, die zu blinken beginnen, wenn sich Wild der Fahrbahn nährt. In einem Pressegespräch musste der kommissarische BJV-Präsident und Vorsitzende des Kreisjagdverbands, Thomas Schreder, allerdings zugeben, „dass all das leider nicht viel bringt“.

Er berichtete, dass zwischen April 2019 und September dieses Jahres 3652 Rehe erlegt worden seien. „Die Abschusszahlen wurden sogar leicht übererfüllt“, bilanzierte Werner Pirschlinger von der Jagd- und Fischereiaufsicht im Landratsamt. Nur in einer der sechs Hegegemeinschaften, in Erding-Süd, sei zu wenig geschossen worden und der Verbiss der Bäume entsprechend zu hoch.

Er berichtete weiter, dass 952 Rehe bei Wildunfällen getötet worden seien, 26,6 Prozent der Gesamtstrecke. „Das ist uns zu hoch“, sagte Schreder. Nun gibt es eine neue Kampagne mit Warntafeln und Infoblättern, wie man solche auch für den Menschen gefährlichen Zusammenstöße vermeiden kann, und wie man sich nach der Kollision mit einem Wildtier verhalten soll. „Das größte Problem sind verwundete Tiere, die sich in den Wald schlagen“, berichtete Schreder. Denn sie müssten von den Jägern oft stundenlang mitten in der Nacht gesucht werden. Deshalb sollen bald Papierhütchen ausgegeben werden, die Polizei oder Unfallbeteiligte über einen Straßenleitpfosten streifen können, damit der Jäger weiß, wo er suchen muss.

In der Pressekonferenz zogen Kreisjagdverband und Landratsamt auch Bilanz über das Jagdjahr, nachdem die Pflicht-Hegeschau im April Corona zum Opfer gefallen war. Pirschlinger berichtete, dass gut 100 Stück Rotwild (vor allem Hirsche) erlegt worden seien. Die Schwarzwildstrecke (Wildschweine) habe mit 359 Stück deutlich zugenommen – ein wichtiger Beitrag zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (Bericht folgt). Zudem berichtete Pirschlinger von 272 erlegten Kormoranen. Hinzu kämen etliche Fasane und Hasen.

Schreder kündigte an, dass 2021 das Vegetationsgutachten fortgeschrieben werde. „Daran wirken wir gerne mit, denn auch uns ist an einem Waldumbau gelegen“, sagte Schreder. In diesem Zusammenhang kritisierte er die geplante Änderung des Bundesjagdgesetzes, in dem ein forstlicher Schwerpunkt verankert werden solle. Plan ist laut Schreder, dass Verjüngung ohne Schutzmaßnahmen erfolgen soll. „Das ist praxisfremd“, meinte er. Denn wenn hier neue Baumarten, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen, ohne Schutzzäune angepflanzt werden, würden sie sofort verbissen. Erfolg habe dieser Weg nur in einem Wald ohne Wild – für Schreder „eine Stigmatisierung des Wildes als Schädling“.

Corona hat sich laut Schreder und Landrat Martin Bayerstorfer auch massiv auf die Jagd ausgewirkt. Bewegungsjagden seien zwar nach Genehmigung durchs Landratsamt erlaubt, aber nur unter strengen Vorgaben und mit nicht mehr als 50 Teilnehmern. Dabei sei diese Form wichtig zur Eindämmung der Wildschweinbestände.

Der Gastronomie-Lockdown hat laut Schreder dazu geführt, dass der Wildbret-Absatz eingebrochen sei. Sein Tipp: „Diese Delikatesse gibt es auch bei vielen Metzgern.“

ham

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