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Volle Konzentration: Dominique Klatte baut seine Bandmaschine und Mikros in unterschiedlichen Sälen auf. Nach dem Kopfhörer-Soundcheck muss alles stimmen. Nachbearbeitung erlaubt sich Klatte nicht.

Tonmeister Dominique Klatte und sein  gewagtes Herzensprojekt

Jazz On Vinyl: Risiko auf jeder Rille 

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Ein Kopfsprung ins kalte Wasser, ein Wagnis, aber ungeheuer belebend – so fühlt sich für Dominique Klatte die Arbeit an seinem Herzensprojekt an: „Jazz On Vinyl“. In diesen Tagen wird das zweite Album der von Klatte initiierten Reihe fertig. Der Klang-Perfektionist hat für die acht Stücke auf „Volume 2 – Duets“ den Saxophonisten Michael Außerbauer mit wechselnden Partnern aufgenommen. Das Album wird am Freitag, 15. Februar, in der Gruberei in Erding präsentiert – Live-Musik inklusive.

Erding – Wie bei der Ende 2017 erschienen ersten Schallplatte sind es ausnahmslos Live-Aufnahmen ohne jede Nachbearbeitung. Für den professionellen Tonmeister, der sonst bei Filmproduktionen und beim Musik-Mastering im eigenen Studio digitale Technik einsetzt, ist das ein Wagnis. An wechselnden Aufnahmeorten bannt der 54-Jährige Erdinger für „Jazz On Vinyl“ die Musik fertig gemischt auf Tonband. Eine Arbeitsweise wie zu Zeiten von Elvis Presley – nur, dass der King in kontrollierter Studio-Atmosphäre vors Mikro trat.

Musikalischer Dreh- und Angelpunkt ist Außerbauer. Mit acht verschiedenen Duett-Partnern lotet der 57-Jährige alle Möglichkeiten musikalischer Spontanität aus. Die Bandbreite reicht von Standards wie „Summertime“ über funky Groove bis hin zu vollkommen freier Improvisation mit dem afghanischen Tabla-Spieler Monir Aziz. Das klanggewaltige Finale der Platte ist das Duett mit dem Erdinger Organisten Georg Rothenaicher. Er zeigt, dass John Coltranes Stück „Lonnie’s Lament“ und der sakrale Sound der Rieger-Orgel in der Stadtpfarrkirche kein Gegensatz sind.

Außerbauer lebt in Landau, wuchs in Markt Schwaben auf und besuchte in Erding das Gymnasium. In den vergangenen Jahren arbeitete er in seiner Band Tenor Steps mit den Erdinger Jazz-Größen Dieter Knirsch und Stephan Glaubitz zusammen. Der Saxophonist sagt: „Das Duo-Format ist die ehrlichste Art, Musik zu machen. Da heißt es: Hosen runter!“ Wie groß die Herausforderung für ihn als Tonmeister war, verrät Klatte im Interview.

Herr Klatte, sind Sie ein Mensch, der Risiko liebt?

Ja, definitiv. Ich möchte aber so weit schauen können wie möglich und versuche, mich nicht zu überschätzen – zum Beispiel beim Motorradfahren. Riskant überholen gibt es bei mir nicht. Das war auch bei den Aufnahmen zu „Jazz On Vinyl“ so. Da gehe ich mit den Musikern in einen Raum, den ich vielleicht gar nicht gut kenne. Das wäre in einem Studio wesentlich einfacher zu machen. Zum Beispiel die Stadtpfarrkirche: Mit den langen Nachhallzeiten war das echt eine Herausforderung. Tontechnisch ist das, wie wenn du mit verbundenen Augen über eine Autobahn gehst. Ich habe aber meinen Werkzeugkasten dabei – beste Mikros, ein hochwertiges Mischpult und eine feine Bandmaschine.

Risiko gehört hier also zum Aufnahmeprozess. Widerspricht das nicht Ihrem Qualitätsanspruch?

Ich glaube, dass sich perfekte Qualität erst entwickelt, wenn man auch risikobereit ist. Wenn ich springe, muss ich schwimmen. Das war auch für die Musiker so, die alle improvisiert haben – meist vollkommen frei, ohne sich vorher auf ein Stück geeinigt zu haben.

Ihre Arbeit ist doch oft das pure Gegenteil: die akribische Suche nach dem perfekten Sound.

Da halte ich mich an Alfred Lion, den aus Deutschland stammenden Gründer des Jazz-Labels Blue Note Records. „It must schwing“, hat der immer gesagt. Wenn ich eine Gänsehaut bekomme, dann ist es für mich gut – und abgehakt.

Warum Jazz und nicht Schlager?

Mit Jazz bin ich aufgewachsen. Meine Mutter, die Sängerin und Schauspielerin Nina Goede-Wertz, hat Brecht gesungen, mein Stiefvater ist ein großer Klassik- und Jazz-Kenner. Diese musikalische Sprache gefällt mir einfach.

Gibt es schon neue Pläne?

Klar. Volume 3 ist in Arbeit. Hier will ich Modern Jazz und Electro miteinander vereinen. Ich hatte schon eine Besprechung mit dem Leo Betzl Trio aus München. Auch „Diphtong“ mit Philipp und Simon Kummer aus Pretzen sowie „Cheraleen & Die Goldstücke“ rund um die Isenerin Geraldine Frisch sind dabei. Sogar die vierte Platte habe ich im Kopf. Da will ich etwas Südamerikanisches machen.

Album-Präsentation

Die ersten Schallplatten wird Dominiqe Klatte bei einer kleinen Präsentations-Party am Freitag, 15. Februar, in der Gruberei in Erding verkaufen. Michael Außerbauer und weitere auf dem Album vertretene Musiker treten auf. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. Die Schallplatte ist zu einem Preis von 23,99 Euro auch im Erdinger Lesezeichen und über www.jazz-on-vinyl.de zu haben.

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