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Peter Stadick, Leiter des Jugendamts.

Um Familien zu entlasten

Auszeit für Pflegeeltern: Jugendamt reserviert Heimplätze für Kinder

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Das Erdinger Jugendamt führt eine Entlastungspflege ein, um gestressten und zeitweise überforderten Pflegeeltern eine Auszeit zu gönnen.

Erding – Es ist ein oberbayernweit einzigartiges Projekt: Das Erdinger Jugendamt führt eine Entlastungspflege ein, um gestressten und zeitweise überforderten Pflegeeltern eine Auszeit zu gönnen. Davon profitieren auch die Kinder. Ihnen soll so ein neuerlicher Bruch familiärer Beziehungen erspart bleiben. Der Wunsch kam von Pflegeeltern selbst. Im Jugendhilfeausschuss des Kreistages stellte Jugendamtsleiter Peter Stadick die Entlastungspflege vor.

Er berichtete, dass Pflegeeltern „oft eine besonders hohe Motivation und ein großes Verantwortungsbewusstsein“ an den Tag legten. „Sie sind in der Regel bereit, schwierige Situationen und Krisen durchzustehen, weil sie glauben, mit genügend Liebe und Engagement den aufgenommenen Kindern helfen zu können“, sagte Stadick. Dabei stießen sie aber immer wieder an ihre Grenzen.

Dauerhafte Überlastung kann zum Bruch führen

Eine dauerhafte Überlastung berge die Gefahr, dass Eltern das Pflegeverhältnis abbrechen. Stadick berichtete von mehreren Fällen in den vergangenen Monaten. Die Kinder mussten dann in andere Pflegefamilien gegeben werden – für alle Beteiligten eine frustrierende Situation.

„Dem möchten wir ab sofort frühzeitig entgegenwirken“, kündigte der Jugendamtsleiter an. „Wir wollen vorbeugend eine so genannte Entlastungspflege anbieten.“ Im Josefsheim in Wartenberg sollen in einer Jugendhilfe-Wohngruppe einzelne Plätze vorgehalten werden, welche für einige Tage – vor allem an Wochenenden und in den Ferien – mit Pflegekindern belegt werden.

Krankenkassen finanzieren Mutter-Kind-Kuren

In dieser Zeit können sich die Pflegeeltern nur um sich oder um plötzlich erkrankte Verwandte kümmern. „Das Ziel ist, die Pflegefamilien möglichst lange zusammenzuhalten, um den Kindern Entwicklungschancen im familiären Kontext zu ermöglichen und gleichzeitig eine dauerhafte Heimunterbringung zu vermeiden“, sagte Stadick. Einen Platz will der Landkreis fest buchen. Insgesamt sollen zunächst einmal zwei Plätze vorgehalten werden – zu einem Tagessatz von 170 bis 200 Euro. Diese Plätze könnten überdies für akute Inobhutnahmen verwendet werden.

Auf Anfrage von Stephan Glaubitz (Grüne) erklärte Stadick, Pflegeeltern könnten auch von den Krankenkassen finanzierte Mutter-Kind-Kuren in Anspruch nehmen.

Eltern werden entlastet, ohne Kinder auszugrenzen

Ulla Dieckmann (SPD) lobte die Entlastungspflege, denn das könnte zudem die schwierige Suche nach neuen Pflegeeltern erleichtern.

Verschnaufpausen verschafft das Jugendamt Pflegeeltern auch während der Schulferien: Es gebe regelmäßig Ferienfahrten und Freizeiten von Heim- und Pflegekindern. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) begrüßte diese, „weil die Eltern entlastet werden, ohne die Kinder erneut auszugrenzen.

Hans Moritz

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