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Noch zu grün und zu kurz: Dieses Urteil fällt BBV-Kreisobmann Jakob Maier über den Weizen.

Vegetation im Verzug – Wäldern tut viel Regen gut – Geduld bei Erdbeeren

Kalter Frühling lässt Bauern frösteln

  • vonMayls Majurani
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Das Frühjahr war lange sehr kalt. Was heißt das für die Landwirtschaft? Wir haben mit Experten gesprochen.

Erding „Das schaut ganz gut aus“, sagt Jakob Maier, BBV-Kreisobmann, und zeigt auf ein lebendig grünes Weizenfeld bei Niederding. „Die Getreidebestände sind gut, da war der Niederschlag hilfreich.“ In den nächsten vier Wochen würden die Pflanzen noch 10 bis 20 Zentimeter wachsen und langsam ihre goldene Farbe annehmen.

Im Vergleich zu den Vorjahren waren April und Mai heuer ungewohnt kühl und nass. Prinzipiell ist das nervig für die meisten Menschen, aber erfreulich für die Landwirte. Doch vor einigen Monaten lagen die Temperaturen auch zeitweise im zweistelligen Minusbereich. Kann das gut sein?

„Wenn Schnee auf dem Boden liegt, dient er als eine Art Isolation“, sagt Maier. Die Erde sei dann nicht so kalt. Aber wenn doch, sei das auch nicht weiter schlimm. „Wenn der Boden gefriert und auftaut, lockert es verdichtete Stellen auf“, weiß der Niederdinger. Die kühle, nasse Zeit habe aber auch Nachteile, etwa beim Mais. Denn die Vegetation verlief bei diesen Temperaturen wesentlich langsamer, erklärt der BBV-Kreisobmann.

„Wir sind mindestens drei Wochen hinter der normalen Entwicklung“, ärgert sich Stephan Bachmayer. Der 43-jährigen Bogenstorfer (Gemeinde Taufkirchen) hat auf 150 von 250 Hektar Fläche, die er bewirtschaftet, Mais angebaut. Der Rückstand kann noch aufgeholt werden, es muss aber zügig warm und gleichzeitig nicht zu trocken werden. Bachmayer sagt: „Der Regen war kein Problem. Aber um zu wachsen, braucht der Mais mindestens acht Grad Bodentemperatur.“ Bei niedrigeren Temperaturen, die lange herrschten, drohen geringere Erträge. Aktuell ist es warm genug, doch Bachmayer ist trotzdem besorgt: „Wenn wir jetzt eine längere Trockenperiode haben, wird der Mais sein Wachstum nicht mehr schaffen.“

Diese trockenen Tage braucht dagegen das Grünland, wie Kreisobmann Maier erzählt: „Der erste Schnitt hat sich verspätet, weil die Witterung zu unbeständig war.“ Das führt zu Problemen, denn je älter das Gras sei, desto weniger Nährstoffe habe es. Um gemäht zu werden, muss es aber trocken sein. „Manche Bauern hatten Glück, es blieb zwei, drei Tage trocken“, sagt Maier, der auch selbst Grünland bewirtschaftet. Auch die Heuernte, die bald anstehe, habe sich verzögert, „weil es dafür auch eine heiße Periode braucht“.

Optimal ist viel Regen dagegen für die Wälder. „Die Wasserversorgung ist sehr gut“, sagt Stefan Warsönke, Forstdirektor am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Erding. Aber: „Das kann sich alles schnell wieder ändern.“ Schotterböden etwa könnten nicht so viel Wasser speichern und seien irgendwann voll. „Wenn’s jetzt heiß und trocken wird, sind das die ersten Böden, wo wieder Wasserstress entsteht“, erklärt der Forstexperte.

Noch sieht es aber gut aus. Die Bäume haben genug Wasser und sind gesund. 12 000 Hektar Waldfläche gibt es im Landkreis. Mit 75 Prozent sind die Fichten die häufigste Baumart, gefolgt von Ahorn, Esche und Buch. Durch den langen, kühlen Winter und den reichen Niederschlag hat auch der Borkenkäfer seine Probleme. Die Bäume sind viel widerstandsfähiger gegen den Schädling.

Doch das Wetter macht auch nützlichen Insekten das Leben schwer. Der Bienensachverständige des Imkerkreisverbands Erding, Andreas Schierling, erklärt auf Nachfrage: „Honigbienen benötigen Temperaturen über zwölf Grad, um Sammelflüge ausführen zu können.“ Bei den kühlen Temperaturen würden auch die Blumen kaum Nektar produzieren. „Tatsächlich haben die Bienen im März und April so wenig Nahrung gefunden, dass Völker sogar gefüttert werden mussten.“

Zur Honigernte ergänzt Thomas Weichenberger, ebenfalls Sachverständiger des Kreisverbands: „Aktuell kann man nicht sagen, wie der Ertrag sein wird.“ Zwar habe es schon bessere Jahre gegeben, doch die Lage könne sich auch schnell wieder erholen: „Natur ist Natur.“

Das regnerisch-kalte Wetter bedeutet für Erdbeerbauern Tom Hupfer eine Zeitverschiebung nach hinten. „Im 20-Jahres-Schnitt sind wir dieses Jahr mit der Ernte um fünf bis sechs Tage später dran“, erklärt der Taufkirchener. Insgesamt sei er aber mit dem Wetter zurechtgekommen. Die Pflanzen hätten viele Blüten und sähen gesund und kräftig aus.

Am kommenden Freitag werde er mit dem Verkauf auf seinen Erdbeerfeldern beginnen. Die Süße der Früchte sei rein sortenbedingt, betont er. Es gebe aber auch sehr empfindliche Arten, die auf witterungsbedingten Stress, also auf Regen, Wind und Kälte reagierten. Der Ertrag hänge auch mit dem Alter der Bestände zusammen. Deshalb pflanzt Hupfer regelmäßig neue Erdbeerpflanzen auf seinen Feldern in Taufkirchen und Erding.

ma/mel

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