1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Katastrophenschutz bereitet sich auf möglichen Blackout vor – Bürger sollen vorsorgen

Erstellt:

Von: Uta Künkler

Kommentare

erding-blackout-katastrophenschutz
Der schlimmste Fall: Die Menschen sitzen in der Kälte zu Hause, Licht spenden nur Kerzen und Taschenlampen. Dieses Risiko ist im Herbst und Winter nicht auszuschließen, vor allem nicht im Süden der Republik. © Mario De Fina/dpa/picture alliance

Aufgrund der Strom- und Gaskrise ist ein Blackout im Herbst und Winter nicht auszuschließen. Die Behörden bereiten sich darauf vor, die Bürger sollten es auch, rät der Landrat.

Erding - Ohne elektrischen Strom läuft in der modernen Welt des Landkreises Erding so gut wie nichts. Kein Wasser, keine Heizung, keine Zapfsäule, kein Telefon, kein Internet, kein Funkmast, kein Handy.

Für den Herbst aber warnen Experten: Das Stromnetz könnte im Winter an seine Grenzen geraten, weil viele Bürger aus Angst vor leeren Gastanks auf Elektroheizung umstellen. Und auch Cyberattacken, die die Infrastruktur lahmlegen würden, können im Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine als Vergeltungsschlag nicht ausgeschlossen werden. Zwar bleiben dies zum Glück unwahrscheinliche Szenarien. Aber der Landkreis prüft, was im Falle eines Strom-Blackouts zu tun ist.

Blackout-Angst im Kreis Erding: Niemand will Panik schüren

Niemand will Panik schüren. Dennoch ist die Thematik Blackout in der Prioritätenliste sehr weit nach oben gerutscht. Landrat Martin Bayerstorfer empfiehlt allen Bürgern, „sich persönlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um sich selbst und auch anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern helfen zu können“.

Konkret nennt Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Sprecherin des Landratsamts, die Bevorratung von Trinkwasser und Akkus: Der Landkreis bittet die Bürger, „wenn möglich einen ausreichenden Wasservorrat vorzuhalten“. Außerdem sollte für lebensnotwendige Geräte wie mobile Beatmungsaustomaten „eine eigene Vorsorge getroffen werden“ und entsprechend Batterien zu bevorraten. Dem Landkreis Erding sei es besonders wichtig, die Maßnahmen für einen eventuellen mehrtägigen Blackout zu optimieren, betont Fiebrandt-Kirmeyer.

Blackout-Gefahr: Im Landratsamt liegen die Notfallpläne schon in den Schubladen

Grundlage für die Vorbereitung auf einen möglichen Blackout ist die allgemeine Krisenplanung im Landratsamt. In deren Schubladen liegen nicht nur Pläne für einen mehrtägigen Stromausfall, sondern auch Notfall-Skripte für Herausforderungen aller Art – von der Pandemie über Hochwasser-Szenarien, Autobahnunfälle und Unglücke in verschiedenen Großbetrieben im Landkreis.

Die Führungsgruppe Katastrophenschutz führe laufend Gespräche mit den Landkreisfeuerwehren, Hilfsorganisationen, dem THW, den Gemeinden und benachbarten Kreisverwaltungsbehörden, so die Behördensprecherin.

Dass die Kreisbehörde die Bedrohung durch einen Blackout ernst nimmt, beweisen nicht nur engmaschige Treffen des Krisenstabs, sondern auch spezielle Übungen, die derzeit durchgeführt werden. Erst kürzlich fand am Klinikum Erding ein so genannter Black-Test statt, um die Auswirkungen eines Totalausfalls zu simulieren und mögliche Schwachstellen aufzudecken. Außerdem soll Ende September eine mehrtägige Stabsrahmenübung zum Thema Blackout stattfinden, kündigt Fiebrandt-Kirmeyer an.

Notstromaggregate sollen schlimmeres verhindern

Den doppelten Boden bei einem Blackout machen Notstromaggregate aus, über die zumindest für ein paar Tage die Grundversorgung sichergestellt werden könne. Darum sei für den Krisenstab eine ständig aktualisierte Übersicht der Anlagen im Landkreis unverzichtbar. Einrichtungen wie das Klinikum oder Rettungskräfte und Sanitätsbereitschaften verfügen über eigene Notstromaggregate.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Erding finden Sie auf Merkur.de/Erding.

Auch einzelne Kommunen unterhalten entsprechende Anlagen. Beispielsweise die Gemeinde Fraunberg besitzt ein sofort zur Einspeisung einsetzbares Zwölf-Zylinder-Notstromaggregat mit 175 Kilovoltampere, informiert Bürgermeister Johann Wiesmaier, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags.

Über diese Anlagen liefe im Falle des Falles unter anderem die Wasserversorgung. Falls es lediglich zu einem lokalen Blackout käme, könnten die Kommunen im Rahmen eines Stadtwerke-Notstromverbunds überdies auch auf weitere Aggregate von anderen Stadtwerken zurückgreifen, sagt Wiesmaier.

Anlage im Klinikum voll betankt - es reicht für 70 Stunden

Die Anlage am Klinikum wurde voll betankt, informiert Fiebrandt-Kirmeyer, und kann damit für rund 70 Stunden die Klinik mit Notstrom versorgen. Auch die Öltanks für die Heizungen seien für den bevorstehenden Winter voll befüllt worden. Sollte der Dieselvorrat für den Notstrom zur Neige gehen, sei vertraglich gesichert, dass das Haus bevorzugt mit Diesel nachbeliefert wird.

Auch der Digitalfunk, den Behörden, Rettungskräfte und Polizei nutzen, ist stromabhängig. Von der dafür zuständigen Bundesanstalt werde eine Versorgung von 72 Stunden gewährleistet, erklärt Fiebrandt-Kirmeyer. Die Integrierte Leitstelle, welche die Notrufe annimmt, verfüge über eine zweifache Notstromeinspeisung und sei somit autark. Darüber hinaus plane man die Beschaffung von Satellitentelefonen.

Doch auch wenn mal das Licht ausgeht, muss noch niemand in Sorge geraten. Die meisten Ausfälle sind in der Regel rasch behoben. Ein tagelanger Blackout bleibt also unwahrscheinlich. Dennoch rät das Landratsamt den Bürgern, zur Sicherheit vorzusorgen, und verweist auf die Homepage des Bundesamts für Katastrophenhilfe. Denn: Wenn man im Dunkeln sitzt und dann anfängt, sich Gedanken zu machen, ist es zu spät.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Erding-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare