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Die Übungsleiter müssen alles im Blick behalten: Sie entscheiden, welche Probleme der Katastrophenschutzstab zu bewältigen hat.

Hoher Schnee, kein Strom und ausgefallene Kläranlage

Erdinger Katastrophenschutzstab probt den Ernstfall

Viel zu viel Schnee, Zugausfälle, Kläranlagenprobleme, Stromausfall. Die Erdinger FüGK absolvierte mit diesem Übungsszenario die Nachhaltige Stabsausbildung.

Erding –Eineinhalb Meter Schnee liegen auf dem Boden, und es schneit weiter, ohne Sicht auf Besserung. Unweit von Hörlkofen steht ein Dieselzug, der nicht weiterfahren kann. Die Passagiere müssen befreit werden. Südlich der B388 gibt es keinen Strom. Auch die Kläranlage in Dorfen ist ausgefallen, sie kann kein Abwasser mehr aufnehmen. Im Keller der Dorfener Klinik sammeln sich Fäkalien. Die Patienten müssen dringend verlegt werden.

Was sich liest, wie eine Katastrophenmeldung, war das Szenario einer Übung der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) im Landkreis. Im Rahmen der Nachhaltigen Stabsausbildung durch die bundesdeutsche Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) absolvierte die FüGK auf zwei Jahre verteilt insgesamt 120 Ausbildungsstunden. Zum Abschluss gab es die oben beschriebene, speziell auf den Landkreis zugeschnittene Übung.

Auftretende Probleme müssen realistisch sein

Diese erstreckte sich über zwei Tage mit je acht Arbeitsstunden – inklusive Schichtwechsel. Die Planung dauerte allerdings wesentlich länger. Dazu holten Landratsamt und AKNZ auch die Expertise von Feuerwehr, Polizei oder Rotem Kreuz ein, damit die auftretenden Probleme auch realistisch sind. Die Deutsche Bahn stellte für die beiden Übungstage gar ihren Notfallmanager zur Verfügung.

Ausgangslage war der hohe Schnee, alle anderen Komplikationen kamen mit der Zeit dazu. Die FüGK musste Prioritäten setzen und Lösungen finden. So konnte man sich etwa mit der Evakuierung des Zuges bei Hörlkofen vorerst ein bisschen Zeit lassen, da er weiter beheizt werden konnte. Die Verlegung der Krankenhauspatienten war aufgrund der katastrophalen Hygienebedingungen dringender. Deshalb überlegten sich die Verantwortlichen auch Lösungen für das Kläranlagenproblem.

Social Media sehr wichtig bei Katastrophenfällen

„Das Szenario muss der Realität entsprechen, deshalb war die Planung auch aufwendig“, erklärte Wolfgang Jape von der AKNZ. Und allein mit der Vorplanung war die Sache noch nicht zu Ende. Denn parallel zur FüGK, die im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes stationiert war, saß in einem anderen Büro die Übungsleitung. „Wenn zum Beispiel für die Krankenhaus-Evakuierung ein Bus angefordert wird, entscheiden die Übungsleiter, wie lange es dauert, bis er ankommt“, sagte Jape. „Sie haben also genauso viel Arbeit, wie die FüGK.“

Im Stab sitzen Verbindungsleute und Fachberater. Die Sitzordnung wurde im Laufe der Ausbildungszeit bei der AKNZ getestet und optimiert. Die einzelnen Abteilungen der Gruppe sammeln die Infos zusammen, entscheiden über Einsätze und verwalten sogar die Social-Media-Kanäle des Landratsamts, „da die Bevölkerung schnell über die Sachlage und Maßnahmen informiert werden muss“, erklärte Joel Hollaender, Abteilungsleiter für Sicherheit und Ordnung im Landratsamt.

Am Ende der Übung übergab Jape Landrat Martin Bayerstorfer ein Zertifikat über die erfolgreiche Ausbildung. „Das Team in Erding ist sehr gut“, lobte er. Bayerstorfer erklärte, dass nichts so gut sei, dass man es nicht verbessern könnte – und: „Wenn’s mal ernst wird, ist man froh, eine gute Mannschaft zu haben.“ Und die hat der Landkreis Erding. Denn hier hat der erste bayerische Katastrophenschutzstab, der diese aufwendige Ausbildung abgeschlossen hat.  

Mayls Majurani

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