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Jutta Kistner: Die Geschäftsführerin derStadthalle Erding zieht trotz allerUnbillen eine positive Bilanz.

Erding: Kein Problem mit Stadthallen-Minus

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Erding - Kunst ist ein Zuschussgeschäft: Bestes Beispiel ist die Stadthalle Erding, in die die Stadt Jahr für Jahr 650 000 Euro steckt  - nur für den laufenden Betrieb.

„Kunst kostet Geld.“ Auf diesen einfachen Nenner brachte SPD-Fraktionschef Horst Schmidt den Beteiligungsbericht der Stadthalle, den Geschäftsführerin Jutta Kistner im Stadtrat vorstellte. Einmal im Jahr blickt sie dort auf die Entwicklung von Erdings größtem Kultur- und Veranstaltungszentrum zurück – und voraus. Sie betonte: „Es ist wichtig, dass in einer fast 40 000-Einwohner-Stadt was lost ist.“

Kistners Fazit: Trotz der zweieinhalbmonatigen Schließung der Stadthalle im Sommer 2018 sei das operative Geschäft durchaus als erfolgreich zu bezeichnen, die Auslastung des Großen Saals war über Branchendurchschnitt. Insgesamt fanden 185 Veranstaltungen (2017: 212) statt, die Belegungstage lagen bei 229 (271). Gut 62 000 Besucher wurden gezählt. Einem schwächeren Tagungs- und Kongressjahr standen im ersten Halbjahr umsatzstarke und gut verkaufte Kulturevents gegenüber – ein Highlight waren für Kistner die vier ausverkauften Auftritte der Erdinger Kabarettistin Monika Gruber.

Das Minus von 713 000 Euro überschreitet den Wirtschaftsplan, der einen jährlichen Gesellschafterzuschuss der Stadt in Höhe von 650 000 Euro enthält, um 63 000 Euro. Eine Deckungslücke gibt es schon seit 2016. Die 2018 fehlenden 63 000 Euro könne die Stadthallen GmbH „noch aus eigener Kraft tragen“, sagte Kistner. Der in der Vergangenheit aufgebaute solide Kapitalpuffer sei aber irgendwann aufgebraucht.

„Wir wollen eine lebendige und facettenreiche Stadthalle“, betonte OB Max Gotz (CSU). Sein Vize, Kulturreferent Ludwig Kirmair, regte an, „eventuell eine prozentuale Erhöhung des Zuschusses anzudenken“. Die letzte hatte es 2012 gegeben. Er lobte Kistner, „wie sie die vielen Bälle in der Luft hält“. Dies sei eine Herausforderung.

Die größte Herausforderung für die Stadthalle waren laut Kistners Bericht 2018 die zweieinhalbmonatige Schließung wegen Brandschutzmaßnahmen, der heiße Sommer und die benachbarte Großbaustelle der Sparkasse Erding. Nicht nur, dass diese den Alois-Schießl-Platz wenig einladend mache („Das Erscheinungsbild ist nicht sehr attraktiv derzeit“), ein Seminarraum der Stadthalle konnte wegen der Lärmentwicklung und der Vibrationen 2018 überhaupt nicht genutzt werden.

Und: „Der heiße Sommer hat uns in die Knie gezwungen“, erklärte sie weiter. „Da blieben die Besucher aus.“ Auch der Vorverkauf für die Veranstaltungen im Herbst und Winter sei fast zum Erliegen gekommen. „Das holen Sie nicht mehr auf.“

Neben der Sparkassen-Baustelle nannte Kistner auch die schlechte Erreichbarkeit der Stadthalle durch die Sperrung der Freisinger Brücke als erschwerendes Element. Dennoch sei der Umsatz 2018 nur zwei Prozent unter dem Vorjahr gelegen, während der Materialaufwand konstant geblieben und die Personalkosten nur ganz leicht gestiegen seien. Trotzdem gehe „die defizitäre Schere immer weiter auf“. Vor allem die Rechts- und Beratungskosten, auch für die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung, seien 2018 regelrecht explodiert.

Der Fachkräftemangel machte der Stadthalle ebenfalls zu schaffen. Qualifizierte Veranstaltungstechniker seien kurzfristig kaum buchbar gewesen. So sei nach vielen Jahren des Outsourcings keine andere Wahl mehr geblieben, „als wieder eigenes veranstaltungstechnisches Fachpersonal in Festanstellung an das Haus zu binden“, heißt es in Kistners Bericht. Schließlich müsse man Planungssicherheit haben.

Für das gerade abgelaufene Jahr rechnet die Geschäftsführerin mit einer Deckungslücke von 684 000 Euro. Auch Kistner legte den Stadträten nahe, zu überlegen, „ob man mit 650 000 Euro auf Dauer klar kommt“. Die Gretchenfrage sei: „Wie wichtig sind dem Stadtrat und der Bürgerschaft die Halle und ihr Angebot, die die Einrichtung mit ihren Steuergeldern finanzieren?“

2018 lag der Pro-Kopf-Zuschuss für jeden Stadthallen-Besucher bei 11,40 Euro. An der Preisschraube will Kistner aber nicht drehen.

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