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Erding: Keine Mehrheit für Videoüberwachung

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Big Brother in Erding? Experten betrachten eine Videoüberwachung in der Altstadt kritisch. Straftäter könnten sich neue Nischen suchen. Zudem wäre es ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Menschen. Fotos: dpa/Seeholzer/Montage: Hermsdorf
Big Brother in Erding? Experten betrachten eine Videoüberwachung in der Altstadt kritisch. Straftäter könnten sich neue Nischen suchen. Zudem wäre es ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Menschen. Fotos: dpa/Seeholzer/Montage: Hermsdorf

Erding - Nach dem Raubüberfall auf eine junge Frau Ende November hat in Erding die Diskussion um eine Videoüberwachung der Innenstadt eingesetzt. Experten sind skeptisch.

Mitten in der Innenstadt ist in der Nacht auf 22. November eine Bedienung (22) von einem Unbekannten attackiert worden. Nur weil ein Zeuge hinzukam und sich die junge Frau wehrte, gelang es dem Verbrecher nicht, seinem Opfer die Handtasche zu rauben (wir berichteten).

Diesen Vorfall rollte Inge Sporrer (REP) am Dienstag im Stadtrat auf. Sie regte eine Videoüberwachung des Stadtkerns an, unter anderem das Areal zwischen Sparkasse und Kirche. Bürgermeister Max Gotz (CSU) gab Sporrer recht, „dass es sich hier um ein abscheuliches Verbrechen handelt, das sich nicht wiederholen darf“. In Sachen Kameraeinsatz war er aber zurückhaltend. „Meines Erachtens ist das Aufgabe der Polizei. Zudem habe ich datenschutzrechtliche Bedenken.“

Die hegt auch Verwaltungsleiter Reinhard Böhm. Er erklärte: „Webcams, die Bilder ins Internet übertragen, sind so lange nicht zu beanstanden, wie gesamte Plätze abgebildet würden , aber keine einzelnen Personen identifiziert werden können.“ Der Einsatz hochauflösender Kameras sei ein sehr sensibles Thema.

Anton Altmann, Chef der Erdinger Polizei, glaubt nicht, dass sich durch das Anschrauben einzelner Kameras die Sicherheitslage drastisch verbessern würde. „Ich sehe nämlich in Erding keine Stellen, an denen wir ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem haben.“ Brennpunkte gebe es nicht, Straftaten würden immer wieder verübt, „aber nicht gehäuft und schon gar nicht an bestimmten Plätzen“, so der Hauptkommissar. Der Schrannenplatz sei aus Polizei-Sicht kein gefährliches Pflaster.

Ein klares Nein kommt auch vom Weißen Ring. Deren Kreisvorsitzende Magdalena Koschek ist der Auffassung: „Man kann die Innenstadt doch gar nicht flächendeckend überwachen.“ Es gebe immer Winkel, die Straftäter nutzten. „Wir sind ja auch nicht in München, da mag das Sinn machen“, so Koschek. Eine Kamera gaukle zudem Sicherheit vor. „Man sollte auch auf den eigenen Instinkt setzen.“ Erding sei nicht gefährlich. „Alle größeren Straßen sind beleuchtet.“ Natürlich gebe es Übergriffe. „Das kann aber keine Technik der Welt von heute auf morgen abstellen.“

Von einem Spagat spricht Ardeo-Vorsitzender Dieter Gerlspeck. „Einerseits ist die Überwachung ein tiefer Eingriff in die Privatsphäre. Andererseits sei es wünschenswert, Verbrechen schon im Ansatz zu verhindern. „In Erding sehe ich dafür aber derzeit keinen Anlass.“

(Hans Moritz)

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