Tofu aus der Heimat: Bio-Bäuerin Christine Angermaier baut in Walpertskirchen Soja an und vermarktet ihren selbst hergestellten Tofu über Tagwerk. 
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Tofu aus der Heimat: Bio-Bäuerin Christine Angermaier baut in Walpertskirchen Soja an und vermarktet ihren selbst hergestellten Tofu über Tagwerk. 

Landwirtschaft

Kleiner Bio-Boom wegen Corona

Bio-Erzeuger und die Tagwerk-Genossenschaft berichten von mehr Kunden in ihren Läden. Dennoch ist im Landkreis Erding der Öko-Anteil in der Landwirtschaft relativ niedrig.

Landkreis – Die Nachfrage nach ökologischen und gleichermaßen regionalen Lebensmitteln ist gestiegen. Das liegt auch an Corona. Denn vielen Käufern wurde in der Krise bewusst, was lange Lieferketten bedeuten, aber auch, welche Auswirkungen Massenschlachtungen haben. Im Landkreis gibt es indes nur wenige Bauern mit Bio-Zertifikat. 2000 landwirtschaftliche Betriebe zählt der Landkreis – davon setzen in der Region Erding lediglich 80 Bauern auf ökologischen Anbau.

Im Erdinger Land gebe es überwiegend Milchviehhaltung, erklärt Otto Roski, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Erding. Der Preis für Biomilch lag in den vergangenen Jahren deutlich über dem, den die konventionellen Milchbauern bekamen. Viele Bauern wechselten deshalb in die Ökoschiene. „Der Markt ist aber nicht da, es herrscht ein Überangebot“, erklärt Roski. Und weiter: „Deshalb vergeben die Molkereien Abnahmeverträge.“

Im Klartext: Wer keine festen Abnehmer hat, wird seine Öko-Milch nicht los. „Es liegt also nicht nur an den Landwirten, dass so wenige Bauern in der Region auf Bio umstellen.“ Landwirte, die Gemüsebau betreiben, hätten stark mit der Verunkrautung im Bio-Anbau zu kämpfen – auch wenn langfristig eine Umstellung im Bereich Gemüseerzeugung eine wichtige Komponente in der Landwirtschaft sei, so Roski.

Die Verbraucher müssten dabei bereit sein, mehr für regionale Öko-Produkte zu bezahlen. Corona lasse derzeit die Bauern zusätzlich zaudern: „Viele Landwirte haben die Befürchtung, dass die Leute künftig sparen müssen, und wagen derzeit den Schritt zur Umstellung nicht“, sagt der Erdinger Landwirtschaftschef.

Christian Empl, Geschäftsführer des Dorfener Tagwerk-Ladens, stellt allerdings fest, dass momentan mehr Käufer ins Bio-Geschäft kommen. Die Corona-Krise habe den Trend zu ökologisch und regional erzeugten Lebensmitteln zusätzlich beflügelt. „Die Leute wollen wieder wissen, woher die Lebensmittel kommen.“ Außerdem stehen gesunde Ernährung und kurze Lieferketten im Vordergrund. „Ein Aspekt, der für die Kunden aktueller ist denn je.“

Die vor 36 Jahren in Erding gegründete Tagwerk-Genossenschaft gehört zu den Öko-Pionieren in Deutschland. Rund 100 Produzenten im Radius von 100 Kilometer um Erding herum stellen ökologische und fair gehandelte Lebensmittel her, die dann im Tagwerk als eigene Marke vermarktet werden.

Seit vergangenem Jahr findet sich auch bayerischer Bio-Tofu im Kühlregal der Tagwerk-Läden, hergestellt in Walpertskirchen. Christine und Hugo Angermaier haben 2015 von der konventionellen Ferkelzucht auf ökologischen Soja-Anbau umgestellt. Schon lange liebäugelten sie damit, nachhaltig und umweltbewusst zu wirtschaften. „Man braucht viel Überzeugung und Leidenschaft. Der Profit darf in der Anfangszeit der Umstellung nicht an erster Stelle stehen“, sagt Christine Angermaier. Doch die nachfolgenden Generationen werden es danken, meint die 48-jährige Bio-Bäuerin.

Johanna Mehringer hat auf ihrem Bio-Hof in Aufhausen Haselnüsse angepflanzt, die sie über Tagwerk vermarktet. Hier leben Wollschweine, eine seltene Rasse, sowie Hühner und Lämmer. Die 25-jährige Erdingerin ärgert sich, wenn Verbraucher zu Bio-Äpfeln aus Südafrika oder in Folie verpackten Bio-Tomaten aus Spanien statt zu regionalem Obst und Gemüse greifen. Auch sie hat beobachtet, dass seit der Corona-Krise mehr Leute in ihren Hofladen kommen: „Der globale Markt zeigt gerade seine Grenzen.“

Bio-Produkte seien gesünder, dafür sei der Aufwand größer – man könne weniger Tiere halten, da Tierwohl im Vordergrund stehe. Das hat freilich seinen Preis: „Doch Bio ist eine Investition in die Zukunft“, meint die studierte Landwirtin, die gerade ihre Masterarbeit schreibt.

Michaele Heske

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