Stellten den Klimaschutz-Atlas vor (v. l.): Landrat Martin Bayerstorfer, Klimaschutzbeauftragter Michael Perzl und Stefan Munding von der Energievision Erding. F.: ham

Kreis legt Klimaschutz-Atlas vor – Stromerzeugung über Bedarf – Preis für Bürger und Schulen

CO2-Ausstoß bis 2050 halbieren

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Der Landkreis Erding verfügt nun über einen Klimaschutz-Atlas. Da steht drin, wie viel Energie wir verbrauchen und was alles nötig ist, um den Kohlendioxid-Ausstoß bis 2050 zu halbieren. Da ist jeder einzelne gefordert.

Erding – 5,8 Tonnen Kohlendioxid (CO2) verbraucht jeder Landkreisbürger pro Jahr. Rechnet man den über Bedarf erzeugten Ökostrom heraus, sind es 4,4 Tonnen. 2030 sollen es nur noch drei, nach 2050 zwei Tonnen sein. Dieses Ziel ist im Klimaschutz-Atlas des Landkreises festgeschrieben. Den stellten Klimaschutzbeauftragter Michael Perzl, Landrat Martin Bayerstorfer und Stefan Munding von der Energievision Erding am Montag vor. Schon das Titelbild vermittelt die Dimension der Herausforderung: Die Kulturlandschaft vor einem großen Eisberg – dazwischen Schmelzwasser.

Das Motto: „5 x 20 Prozent = 100 Prozent Klimaschutz“

Der Atlas analysiert, welche Sektoren wie viel Energie verbrauchen, wo sie herkommt und wo es Einsparpotenziale gibt. Vor allem enthält die Studie einen Fahrplan zu mehr Klimaschutz und CO2-Einsparung. Das Motto: „5 x 20 Prozent = 100 Prozent Klimaschutz“.

Bis 2030 sollen die stromverbrauchsbedingten CO2-Emissionen ebenso um 20 Prozent gesenkt werden wie die im Bereich Wärme. Gleichzeitig könne der Anteil erneuerbarer Strom- und Wärmeerzeugung um 20 Prozent steigen. 20 Prozent Absenkung sind im Bereich Emissionen durch Mobilität und Verkehr angesetzt.

Auch Nebenziele enthält der Atlas, was laut Perzl der Tatsache geschuldet ist, „dass der Klimawandel stattfindet“. Der Hochwasserschutz müsse verbessert und weiterentwickelt werden. Die natürlichen Wasservorräte müssten als Vorsorge gegen Trockenheit und Dürre besonders geschützt werden. Auch eine nachhaltige Forstwirtschaft wirkt sich laut Perzl positiv aufs Klima aus, nämlich Wälder als CO2-Speicher..

Bayerstorfer kündigte an, der Landkreis werde mit Schulprojekten, Konzepten zur Verkehrs- und Plastikvermeidung sowie als Fairtrade-Region seinen Beitrag leisten. An Gemeinden und Landkreis liege es, Bauherren zu beraten, Verkehrs-, Mobilitäts- und Abfallkonzepte zu erarbeiten sowie erneuerbare Energien zu fördern.

Jeder muss zu Einschränkungen bereit sein

Perzl macht aber auch klar: „Selbst wenn schon viel erreicht worden ist: Das ehrgeizige Zwei-Tonnen-Ziel erreichen wir nur, wenn auch jeder Bürger mitmacht.“ Als Beispiele nannte er unter anderem Stromsparen im Haushalt, energetische Sanierung sowie Klimaschutz bei Mobilität, Reisen, Ernährung und Konsum – durch Verzicht.

Im Landkreis werden laut Atlas 513 000 Megawattstunden Strom verbraucht – der Eigenverbrauch durch Photovoltaikanlagen ist dabei nicht berücksichtigt. 40 Prozent entfallen auf die Haushalte, 53 auf die Wirtschaft und fünf auf die Landwirtschaft. Das entspricht 150 000 Tonnen CO2, 1,1 Tonnen pro Einwohner. Perzl berichtete, dass im Landkreis mehr als 650 000 Megawattstunden Strom erzeugt würden, 127 Prozent des Bedarfs. Die Wasserkraft speist das Bahn-Netz. Was CO2 betrifft, ist der Landkreis laut Perzl schon „mehr als klimaneutral“.

Im Landkreis wird schon mehr grüner Strom erzeugt, als insgesamt verbraucht wird

Den Wärmeverbrauch bezifferte er mit 1475 Gigawattstunden. 67 Prozent entfallen auf die Haushalte, 31 Prozent auf die Wirtschaft. Das bedeutet jährlich 311 000 Tonnen CO2 – pro Einwohner 2,26 Tonnen. Diese Emissionen resultieren zu 58 Prozent aus Öl- und zu 28 Prozent aus Gasheizungen. Hier hofft Perzl auf einen Modernisierungsschub.

Hinzu kommen die Abgase von 115 00 Autos. Laut Perzl werden 65 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt, nur sechs Prozent im ÖPNV. Mit 1330 E-Fahrzeugen liegt Erding über dem Bundesdurchschnitt von einem Prozent. Es gibt 38 öffentliche Ladesäulen.

Im Umweltausschuss des Kreistags gab es viel Lob zu dem Atlas. Franz Hofstetter (CSU) regte an, Maßnahmen zu benennen, die schnellen Erfolg bringen. Horst Schmidt (SPD) schlug vor, den Klimaschutzpreis öffentlich auszuloben.

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