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„Das ist einfach ungerecht“

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Von: Hans Moritz

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Corona hat die Kliniken und ihr Personal vor die härtesten Herausforderungen seit Jahren gestellt. © Marijan Murat/dpa

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht. So empfinden es zumindest zahlreiche Pflegekräfte, wenn es um die Corona-Prämien des Bundes für das überlastete Personal im Gesundheitswesen geht.

Erding – Von einer verstörenden Ungerechtigkeit ist die Rede. Eine, die namens vieler Kollegen die Stimme dagegen erhebt, ist Lena Brenninger. Die 22-Jährige arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der internistischen Station 2b (Kardiologie/Pneumonologie) am Klinikum Erding.

Drei Boni schüttet das Bundesgesundheitsministerium an die Pflegekräfte aus. Im Oktober, berichtet Brenninger, habe jeder Klinikbeschäftigte 157 Euro erhalten. Derzeit werden allen „normalen“ Pflegern 2200 Euro überwiesen, Intensivkräften 3300 Euro. Letztere sollen eine weitere Zusatzzahlung erhalten, sodass sie auf rund 5000 Euro brutto kommen.

Brenninger stellt klar: „Ich gönne das den Kollegen.“ Die Ungerechtigkeit: „Alle anderen Pfleger haben genauso mit Covid-Patienten zu tun. Schließlich kommen die Intensivpatienten anschließend auf Normalstation.“

Sie selbst hat zwei Jahre auf der Covid-Station gearbeitet, direkt nach dem Examen. Denn die 2b wurde in eben diese umgewandelt. Wie hoch das Risiko auch außerhalb der Intensivstation ist, hat die Erdingerin selbst erlebt: „Ich habe mich zweimal mit SarsCoV2 infiziert, beide Male bei der Arbeit.“

Und deshalb kommen sie und viele ihrer Kollegen zu dem Schluss: „Alle haben alle drei Boni verdient.“ Und damit meint Brenninger nicht nur das Pflegepersonal, „sondern alle, die während der Pandemie im Gesundheitsbereich gearbeitet haben. Für mich gehören die Reinigungskräfte da genauso dazu wie der Rettungsdienst“.

Was sie überhaupt nicht versteht: „Wie kommt die Politik darauf, zu entscheiden, wer wie viel Boni bekommt?“ Und sie weist darauf hin: „Zuletzt waren eher die Normalstationen mit Corona-Patienten belegt und überlastet als die Intensivstationen.“ In Erding waren es in den vergangenen Wochen in der Tat immer nur sehr wenige.

Sie befürchtet, dass die Boni-Verteilung die Belegschaften spaltet, zumal etwa Krankenpflegehelfer überhaupt keinen Anspruch hätten. „Dabei haben auch die in der Pandemie alles gegeben.“ Ihre Schlussfolgerung: Obwohl Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach selbst Arzt ist, „hat die Politik offensichtlich wenig Ahnung von der Realität“.

Deswegen hat sie sich nach Rücksprache mit ihrer Stationsleiterin und der Pflegedirektorin entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn: „Es ist einfach ungerecht.“  ham

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