1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Koks-Verfahren gegen Stadtrat eingestellt

Erstellt:

Von: Hans Moritz

Kommentare

erding-koks-stadtrat
Der Kokskonsum stand außer Frage. Allerdings sah das Gericht so gut wie kein strafbares Verhalten bei dem Stadtrat und Gastronom. © David Ebener/dpa

Der Erdinger Stadtrat und Gastronom David Ritter gilt juristisch wieder als unbescholten. In zweiter Instanz hat das Landgericht Landshut das Verfahren gegen den 36-Jährigen „wegen geringer Schuld“ eingestellt.

Erding/Landshut - Über die schriftlich ergangene Entscheidung berichtete zunächst die Erdinger SZ. Nach Informationen unserer Zeitung hielt die Landshuter Justiz ein neuerliches Verfahren für aussichtslos. Ritter selbst spricht von einem „bayerischen Freispruch“.

Wie berichtet, hatte sich Ritter gemeinsam mit einem Spezl im Herbst 2020 wegen Drogenkonsums vor dem Amtsgericht Erding verantworten müssen. Richterin Michaela Wawerla hatte gegen beide Männer Geldstrafen verhängt, Ritter hätte 12 000 Euro zahlen sollen. Beide waren in Berufung gegangen, beide mit Erfolg. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten, einem Erdinger Geschäftsmann, vor dem Landshuter Landgericht, endete bereits im Frühjahr 2021 mit einem Freispruch. Da war es nur folgerichtig, dass nun auch Ritter entlastet wurde.

Laut Anklage sollen die beiden in Ritters Diskothek Weekend Club Kokain geschnupft haben, das ihnen ein Dealer quasi als Geschenk überlassen hatte.

Die Ermittlungen ausgelöst hatte der Spezl eines Dealers, der bei der Polizei ausgesagt hatte, die beiden Männer hätten 2019 mehrmals geringe Mengen Kokain erworben. Beide wiesen dann auch – minimale – Spuren von Rauschgiftkonsum auf. Zudem entdeckten die Fahnder eindeutige Nachrichten in einem WhatsApp-Chat.

Die Kripo konnte besagten Dealer ausfindig machen, der erklärte, er habe Ritter und seinem Freund mehrmals Koks überlassen – gratis. Allerdings erwiesen sich vor Gericht beide Zeugen als nicht besonders glaubhaft. Anders als das Amtsgericht kam das Landgericht nun zu dem Schluss, der Hauptvorwurf des Rauschgifterwerbs könne nur nachgewiesen (und bestraft) werden, wenn das von Zeugen zuverlässig ausgesagt werde. Laut SZ war der Richter eher der Auffassung, „dass hier jeder seine Haut retten will“.

Folglich ging es nur noch um den Kokainkonsum, den das Landgericht anders als die erste Instanz als straffrei wertete. Sowohl Ritters Anwalt Nikolaus von Lucke als auch die Staatsanwaltschaft stimmten einer Einstellung ohne Verhandlung zu – auf Kosten der Staatskasse.

Im Gespräch mit unserer Zeitung freut sich Ritter über den Ausgang des Verfahrens. „Es war die beste Entscheidung, in Berufung zu gehen, auch wenn mir einige abgeraten hatten, weil der Fall dann wieder öffentlich breitgetreten wird.“ Ihm sei klar gewesen, dass er nicht wegen Drogengeschäften belangt werden könne. „Ich habe immer gesagt, dass ich unschuldig bin. Nun hätte ich jetzt natürlich versuchen können, einen Freispruch zu erwirken“, erklärt der Stadtrat von Erding Jetzt. „Aber der Fall soll endlich zur Ruhe kommen.“ Ritter meint: „Das ist ein bayerischer Freispruch.“

Was ihn ärgert: „Das Amtsgericht hat ein mords Verfahren draus gemacht, und das Landgericht stellt es dann einfach ein. Da frage ich mich schon, hätte es das alles überhaupt gebraucht. Das enttäuscht mich.“

Ritter erklärt, dass er nach diesem Verfahrensausgang keine Probleme als Gastronom wegen mangelnder Zuverlässigkeit bekommen werde. „Das Ordnungsamt hat erklärt, dass ich bei Freispruch oder Einstellung nichts zu befürchten habe.“ Sein Bekannter hatte nach dem Freispruch aus eigenen Stücken sein Ehrenamt als Handelsrichter zurückgegeben.

ham

Auch interessant

Kommentare