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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Vier Wochen vor der Kommunalwahl

Kommentar: Bei der CSU flattern die Nerven

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Die CSU ist vier Wochen vor der Kommunalwahl hoch nervös. Ihr Aktionismus kennt keine Grenzen, schon gar nicht der von Landrat Martin Bayerstorfer. Doch das birgt Risiken, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Martin Bayerstorfer kann eine beachtliche Leistungsbilanz seiner dritten Amtsperiode vorlegen. Das Gros der Anträge kommt von „seiner“ CSU. Der Landkreis ist top aufgestellt. Jetzt tritt mit Hans Schreiner ein ebenso höflicher wie zurückhaltender Gegenkandidat von Freien Wählern, Grünen und SPD an. Dies scheint die CSU dennoch in größtmögliche Aufregung zu versetzen. Sie und Bayerstorfer hyperventilieren regelrecht. Es ist ein nicht ganz ungefährliches Spiel – wenn die Wähler anfangen, von diesem Aktionismus genervt zu sein.

Vor allem der Landrat tut so, als gäbe es nach dem 15. März kein Morgen mehr. Der Klimaschutzatlas musste natürlich vor dem Wahltag vorgestellt werden. Am Mittwoch galt es, brandeilig verdiente Feuerwehrleute auszuzeichnen. Gestern nahm er neue Feuerwehrfahrzeuge in Betrieb, die Landkreis-Sportlerwahl findet heuer ungewöhnlich früh statt. Die Landwirtschaftsschule wird am Montag eingeweiht. Tags drauf stellt er Neubaupläne für die Lebenshilfe vor, ein paar Stunden später heißt er eingebürgerte Migranten willkommen. Auch die Regionalmarke musste unbedingt auf der letzten Grünen Woche vor dem Wahltag vorgestellt werden.

Das alles ist legitim, legal – und auch irgendwie nachvollziehbar, aber Bayerstorfer weiß hoffentlich, dass das Amt des Landrats ein überparteiliches ist.

Zum 50. Geburtstag hat er Spenden statt Geschenke erbeten. Drei Jahre später, kurz vor der Kommunalwahl, reiht er einen Übergabetermin an den nächsten. Zufall?

Im Moment spielt Schreiner das eher in die Hände. Inhaltlich ist der nach wie vor blass. Man kann ihm vorhalten, dass es zu wenig sei, nur anzutreten, um einen anderen zu verhindern. Doch diese auffällige Unauffälligkeit und Zurückhaltung dürfte viele Wähler ansprechen.

Etwas mehr Gelassenheit täte Bayerstorfer und der CSU gut. Eines können sie ohnehin erst nach der Wahl unter Beweis stellen: dass ihr Führungsstil auf Dauer kooperativer, der Ton versöhnlicher und der Machtanspruch nicht mehr ganz so dominant ist – und das nicht nur kurz vor der Wahl.

Hektische Nervosität auch bei der Erdinger CSU. Da sichert man sich schon ein paar nächtliche Stunden vor Beginn der Plakatierfrist die besten Plätze. Hat man das wirklich nötig?

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