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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger

Verkehrswende vor hohen Hürden. Straßen wird es immer brauchen

Kommentar: MVV bis Dorfen ist nur der erste Schritt

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Mit der Integration der Bahn bis Dorfen in den MVV hat Landrat Martin Bayerstorfer einen wichtigen Erfolg erzielt. Doch für einen attraktiven ÖPNV auf dem Land braucht es noch mehr, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Zwischen den Nachrichten über das Hochwasser in Dorfen und das Anschwellen der vierten Corona-Welle ist diese Meldung fast ein wenig untergegangen: Die Bahnstrecke zwischen Markt Schwaben und Dorfen wird ins MVV-Tarifgebiet integriert. Das heißt: Wer etwa von Dorfen nach München will, braucht keine zwei Fahrkarten mehr, eine für den MVV und eine für die Bahn. Auch wenn die Änderung erst Ende 2024 im Zuge der Neuausschreibung kommt, ist es ein wichtiger Schritt, um den ÖPNV auf dem (Erdinger) Land zu stärken.

Viele weitere sind nötig, um mehr Menschen zum Umsteigen zu bewegen.

. Ideal wäre ein MVV-Tarifgebiet, das bis Landshut reicht, die Pendlerströme tun es längst. Aus dem gleichen Grund muss das MVV-Gebiet dereinst zwingend auch die geplanten Neubaustrecken Erdinger Ringschluss und Walpertskirchener Spange umfassen.

. Das 365-Euro-Jahresticket sollte für alle erhältlich sein, die in Aus- und Weiterbildung stehen, also auch für Meisterschüler im Handwerk. Das wäre ein Signal, dass es der Staat wirklich ernst meint mit der Gleichwertigkeit der (Berufs-)Ausbildungen.

. Die S2 München–Erding braucht einen verlässlichen 20-Minuten-Takt, auch in Tagesrandzeiten.

. Diese Taktung ist auch für die Bahnstrecke München–Mühldorf wünschenswert und muss beim Ausbau mitgedacht werden.

. Das Busliniennetz in der Stadt Erding muss vereinfacht werden. Ideal wäre eine Art Stammstrecke in Nord-Süd-Richtung im 30 Minuten- oder Stundentakt. So nimmt man auch die Ad-hoc-Nutzer mit.

. Der Stundentakt ist das Maß der Dinge auf allen Überlandverbindungen – mit Kostenbeteiligung von Kreis UND Gemeinden.

Selbst bei einem idealen ÖPNV wird das Auto auf dem Land unverzichtbar bleiben – und damit auch eine vernünftige Straßeninfrastruktur. Der Wocheneinkauf einer mehrköpfigen Familie etwa aus Lengdorf mit Bus und Bahn bleibt Utopie. Hier sollte sich die Politik eher Gedanken machen, wie sie einer flächendeckenden E-Mobilität besser und schneller den Boden bereiten kann.

Die Grünen liegen daneben, wenn sie einen Stopp aller neuen Straßen fordern, zumal es im Moment etwa auf der B 388 und der Flughafentangente darum geht, Versäumnisse aus früheren Jahrzehnten aufzuholen.

Die MVV-Erweiterung bis Dorfen darf sich Landrat Martin Bayerstorfer ans Revers heften. Er kämpft seit Beginn seiner Amtszeit 2002 darum, zuletzt wieder mit erhöhter Schlagzahl. Den Landkreis kostet das 80 000 Euro im Jahr. Viel Geld. Allerdings gleichzeitig auch wenig Geld. Was viele nicht (mehr) wissen: Vor gar nicht so langer Zeit kursierte noch ein sechsstelliger Betrag, mit dem sich Erding die Ausweitung des Tarifgebiets auf den gesamten Landkreis hätte erkaufen sollen. Das hat Bayerstorfer verhindert – mit der Mobilitätswende im Rücken. Zum politischen Geschick gehört es auch, sich plötzlich bietende Gelegenheiten zu nutzen.

ham

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