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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Drohungen und Verbote bringen bei Corona keinen Fortschritt

Kommentar: Neuer Weg in der Impfkampagne

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Der Zorn über Ungeimpfte wächst in Gesellschaft und Politik. Doch Vorwürfe werden Erding in der schleppenden Impfkampagne gegen Corona nicht weiterbringen. Redaktionsleiter Hans Moritz schlägt in seinem Kommentar einen anderen Weg vor.

Die Impfkampagne im Kreis Erding ist ins Stocken geraten, nicht mal 60 Prozent Durchimpfung sind bislang erreicht. Der Ärger in der Bevölkerung über die, die sich nicht schützen lassen wollen, wächst. Die Politik lässt sich allerhand Unannehmlichkeiten einfallen, um die Ungeschützten zu ihrem Glück zu zwingen. Dazu gehört, dass Schnelltests, die Eintrittskarte zum öffentlichen Leben, ab Oktober kostenpflichtig werden. Das ist riskant. Die Testbereitschaft wird sinken, auch bei den Geimpften, die SARS-CoV-2 aber ebenso verbreiten können. Die nicht Geimpften werden Schlupflöcher suchen. Beides wird die vierte Welle weiter anfachen.

Die vergangenen Wochen, seit denen genug Vakzine für alle vorhanden sind, zeigen, dass gut ein Drittel der Bevölkerung (derzeit) für den rettenden Pieks nicht zu erreichen ist. Und das trotz sich wieder mit vor allem ungeimpften Covid-19-Patienten füllenden Intensivstationen. Ob mehr Druck das zu ändern vermag, muss inzwischen bezweifelt werden.

Es ist Zeit, einen neuen Weg zumindest zu versuchen. Nicht alle Ungeimpften sind Querdenker, es gibt auch viele Skeptiker, die schlicht Angst haben. Impfen ist grundsätzlich mit reichlich Emotionen verbunden. Vielleicht klappt es mit mehr Aufklärung, mehr Information in mehr Sprachen, mehr Ansprache etwa vor Supermärkten oder in Fußgängerzonen. „Bitte recht freundlich“ statt drohen sollte das Motto lauten.

Auffällig ist, warum so gut wie kein Promi etwa in den sozialen Netzwerken für die Spritze wirbt. Sänger, Comedians oder Fußballstars könnten der Kampagne neuen Schub geben. Es sollte auch in ihrem Interesse liegen.

Die Drohung, bei Quarantäne den Lohn einzubehalten, ist der völlig falsche Weg. Er ist sogar gefährlich. Viele werden dann Symptome verschweigen und trotz offensichtlicher Infektion zur Arbeit gehen. Die nächsten Superspreader-Ereignisse wären programmiert.

Der Vorwurf, die Gesellschaft zu spalten, trifft auch die, die das Impfen nun mit Gewalt durchsetzen wollen.

ham

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