Rainer Forster will im nächsten Jahr als Landrat kandidieren.
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Rainer Forster will im nächsten Jahr als Landrat kandidieren.

Kandidatur angekündigt

Parteiloser Kandidat: Rainer Forster will 2020 Landrat in Erding werden

  • Anton Renner
    vonAnton Renner
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Sein Vorhaben erinnert irgendwie an Don Quichotes Kampf gegen Windmühlen: Der parteilose Kreisrat Rainer Forster will 2020 als Landrat kandidieren. Und das als „Kandidat der Bürgerinnen und Bürger“.

Erding/Kirchberg Doch erst einmal muss der nicht unumstrittene ehemalige ÖDP-Mann eine hohe Hürde meistern. Etwa 400 Unterstützer für seine Kandidatur muss Forster nach eigenem Bekunden finden, um zur Wahl zugelassen zu werden. Das will er ganz alleine schaffen –- ohne Unterstützung einer Partei.

Forster hat bekanntlich nach langen Querelen im Februar seinen Austritt aus der ÖDP erklärt. Zuvor hatte die Öko-Partei versucht, ihn aus der Kreistagsfraktion auszuschließen. Hintergrund: Die ÖDP attestierte Forster eine große Nähe zur AfD und die Verbreitung verschwörerischer Theorien. Unter anderem ließ Forster wegen einer in Dorfen stattfindenden Veranstaltung mit AfD-Mann Rainer Rothfuß seine ÖDP-Freunde bei einem Wahlkampfabend in Isen alleine, bei dem er sich als Bezirkstagskandidat hätte vorstellen sollen.

Wegen seiner Offenheit gegenüber der AfD verlor Forster 2017 auch seine hauptamtliche Anstellung als Diözesansekretär bei der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Doch der Kirchberger ist immer noch bei der KAB aktiv – als ehrenamtlicher Vorsitzender des Kreisverbandes Erding-Landshut. Und in dieser Eigenschaft organisiert er weiter Veranstaltungen, auch mit AfD-Politikern. So hat Forster für Ende März den bayerischen Verfassungsrichter Wolfram Schubert nach Niederstraubing eingeladen. Dieser ist auch im Landesvorstand der AfD Bayern.

Das ist der Auftakt einer Reihe von Forster geplanten Veranstaltungen, bei denen die KAB „unseren Rechtsstaat unter die Lupe nehmen wird“, wie es in einer Mitte der Woche versandten Einladung heißt. Weitere Veranstaltungen mit dem Politikwissenschaftler Werner Josef Patzelt und dem als Verfassungsschutzpräsident geschassten Hans-Georg Maaßen folgen. Beiden wird ebenfalls ein gewisse Nähe zur AfD unterstellt.

Doch mittlerweile ist Forster auch innerhalb des Kreisverbandes unter Druck geraten. Denn bei der ursprünglichen Einladung zu den nächsten KAB-Veranstaltungen war neben Forster auch noch dessen gleichberechtige Vorsitzende Ina Hallermann namentlich genannt. Sie hat aber per Mail mitgeteilt, dass sie nicht dabei sei und die Gesprächsleitung ausschließlich bei Forster liege. Der hat gestern Nachmittag darauf reagiert und mitgeteilt, dass jetzt nicht mehr die KAB, sondern er persönlich die Veranstaltung mit Verfassungsrichter Schubert ausrichte. Die anderen Vorträge veranstaltet Forster mit der KAB und der Werteunion. Das ist der konservative Flügel der CDU/CSU.

Nichts kann Forster also offenbar von seinem Weg abbringen. Für ihn geht es eigenem Bekunden nach darum, „neues Denken zuzulassen, alte Feindbilder abzubauen und die Gesellschaft insgesamt voranzubringen“, wie er immer wieder betont.

Auch deshalb sieht Forster seine Chancen bei der Landratswahl voller Selbstbewusstsein. Wenn er die nötigen Unterstützer finden und dann an der Wahl teilnehmen kann, steht für ihn fest: „Gerne können sich Parteien überlegen, mich zu unterstützen. Da bin ich offen. Wenn sich aus meiner Kandidatur eine gewisse Dynamik entwickelt und daraus eine schlagkräftige Liste entstehen kann, wäre das ein schöner Nebeneffekt.“

Forster will für eine andere Politik stehen, beteuert er. „Parteipolitik wurde im Kreistag lange genug gemacht. Zeit, es zu ändern.“ Und das, obwohl er über Landrat Martin Bayerstorfer sagt: „Ich schätze das Erreichte der vergangenen 17 Jahre inzwischen sehr. Er hat Beachtliches für den Landkreis geleistet. Ich komme allerdings zur Überzeugung, dass seine Art des Führens nicht mehr ganz zeitgemäß ist.“

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