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Harald Krause und der neue Bilderschatz des Museums Erding. Konrad Kressierer hat sein Archiv der städtischen Versammlung vermacht.

Konrad Kressierer überlässt seinen Bilderschatz dem Museum

Fotografisches Erbe Erdings

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Im Museum Erding gibt es zwar derzeit keine Besucher, Leiter Harald Krause und sein ganzes Team haben dennoch alle Hände voll zu tun. Das liegt unter anderem an dem fotografischen Auge Erdings:

Erding Konrad Kressierer, legendärer Fotograf der Heimatzeitung, hat sein gesamtes Archiv – mehrere tausend Aufnahmen aus mehrren Jahrzehnten lokaler Alltagsgeschichte – dem Museum übergeben.

Krause versichert, er sei „enorm dankbar für diese wertvollen Sammlungen“. Darum müsse sich eigentlich das Archiv kümmern, in Erding aber sei wegen des Alters des Heimatmuseums, das zu den ältesten in Bayern gehöre, traditionell alles, was mit Bildern zu tun habe, im Museum untergebracht.

Krause schätzt, dass rund 60 000 Fotografien im Stadtmuseum liegen. Seine Devise lautet: „Ein Museum ist nur so gut, wie seine Sammlung erschlossen ist.“ Das bedeutet noch viel Arbeit. Krause geht davon aus, dass erst die Hälfte des Bildmaterials in Datenbanken erfasst und damit zugänglich ist. Den besucherlosen Lockdown will die Mannschaft unter anderem dafür nutzen.

Kressierer, neben Eugen Preß wohl DER Repräsentant lokaler Berichterstattung im Erdinger Land, hat für den Erdinger/Dorfener Anzeiger gut ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte dokumentiert. Ein guter Fotograf ist immer auch Künstler. Die jungen Kollegen vertrauen heute auf Photoshop. Kressierer hingegen war ein Bildkomponist. In der Musik muss ein Komponist die richtigen Melodien und Töne zusammenführen. Ein Fotokomponist muss eine Szene, die oft nur für den Bruchteil einer Sekunde Bestand hat, sehen und festhalten. Ihm ist das mit der Schwarzweiß-Fotografie vortrefflich gelungen. Mit der Digitalfotografie, die um die Jahrtausendwende in den Redaktionen einzog, fremdelte der Altenerding. Davon profitiert jetzt das Museum – unzählige Pappschachteln mit Fotopapier gilt es nun auszuwerten.

Kressierer war Autodidakt. Im Hauptberuf war er Lkw-Fahrer beim Baugeschäfts Anzinger. Dieser biografische Hinweis ist wichtig, weil dieser Teil zu dem Bild gehört, das er nach außen abgab. Denn zu seinen Terminen fuhr er, wenn es gerade nicht anders ging, gerne auch mal mit dem Kieslaster. Der parkte dann schon einmal neben dem Fußballplatz. Oder er rumpelte am Stau vorbei, um einen Unfall zu fotografieren. Manchmal auch beides.

Doch im Museum warten noch mehr Aufgaben als die Beschäftigung mit dem fotografischen Erbe Kressierers. Damit nicht genug: Die alten Inventarlisten sind noch mit Schreibmaschine geschrieben und darum mit moderner Technik nur bedingt nutzbar. Sie müssen jetzt digital erfasst, die dazugehörigen Gegenstände ebenfalls.

Parallel dazu läuft die aktuell begonnene Sammlung zur Corona-Pandemie weiter. Allein hierzu kann das Museum nach seinen Worten auf bislang rund 1000 Bilder zugreifen. Er hofft auf weitere Zeitzeugen der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg – Fotos und Gegenstände etwa. Bereits in der Sammlung befindet sich das erste Glasfläschchen mit Impfstoff, das am 27. Dezember vom BRK verimpft wurde.

Die Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Gymnasium in Erding konnte auch in dieser Zeit fortgesetzt werden. Krause nimmt am Online-Unterricht teil. Das betrifft vor allem die so genannten P-Seminare. „Das läuft gut, und ich freue mich, dass der Faden nicht abreißt.“

Natürlich möchte er das Museum auch bald wieder öffnen. Er hoffe, dass das etwa zu Ostern der Fall sein könne. Für den April ist eine Sonderausstellung geplant, die sich als Fortsetzung der Ausstellung zu den Heimatvertriebenen versteht, und eigentlich bereits im vergangenen Jahr hätte stattfinden sollen.

Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen zu einer weiteren Ausstellung im August über die Feuerschützengesellschaft, die unter dem Titel „über Kinder und Korn“ rechtzeitig zum Herbstfest angeboten werden soll.

klk/ham

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