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Lücken schließen soll der Pflegekrisendienst. 

Kreisausschuss stimmt für Krisendienst, aber nur jede zweite Gemeinde macht mit

Akut-Pflege daheim, aber nicht für jeden

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Als erster Landkreis in Deutschland führt Erding einen Pflegkrisendienst ein – als Pilotprojekt für vorerst ein Jahr. Ob das Angebot auf Dauer gestemmt werden kann, hängt von der Beteiligung der Gemeinden ab. Die ist derzeit noch mäßig. Einige haben mangels überzeugenden Konzepts abgelehnt.

Erding –  Wie notwendig ein Pflegekrisendienst ist, erläuterte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) an einem aktuellen Beispiel: Eine Bürgerin, die ihre betagte Mutter pflegt, musste just zu einer Zeit ins Krankenhaus, als ihre Mutter gerade nach Hause entlassen wurde. Drei Tage lang wären deren Betreuung und die Besorgung von Medikamenten nicht gesichert gewesen. Der ambulante Pflegedienst konnte erst nach zehn Tagen einspringen. „Es geht darum, Lücken zwischen der Entlassung aus dem Krankenhaus und der Pflege daheim zu schließen“, erklärte Bayerstorfer – und auch um die Bewältigung des Alltags.

Der Kreisausschuss bewilligte 40 000 Euro, von den Gemeinden kommen 48 000 Euro. Allerdings machen nach Angaben von Katrin Neueder von der Kreisverwaltung nur Ottenhofen, Wörth, Fraunberg, Hohenpolding, Inning, Kirchberg, Steinkirchen, Langenpreising, Oberding, Taufkirchen, Buch, Forstern und Bockhorn mit. Moosinning und Berglern haben noch nicht entschieden. Jede dieser Kommunen beteiligt sich mit einem Euro pro Einwohner. Damit stehen für das Pilotprojekt fürs erste Jahr 88 000 Euro zur Verfügung.

Dennoch soll das Angebot nun ausgeschrieben werden. Den Zuschlag muss ein ambulanter Pflegedienst bekommen. „Wir brauchen allerdings nach wie vor die Nachbarschaftshilfen“, so Bayerstorfer. Nach der Kritik aus einigen Gemeinderäten stellte der Landrat klar, „dass das keine Aufgabe des Entlassmanagements des Klinikums ist“, zumal auch Heimkehrer aus anderen Krankenhäusern versorgt werden müssten. Bayerstorfer machte aber auf Anfrage von Ulla Dieckmann (SPD) deutlich, „dass nur Bürgern aus teilnehmenden Gemeinden geholfen wird“. Helga Stieglmeier (Grüne) hakte nach, ob das rechtlich zulässig sei. Dies bejahte Bayerstorfer mit Hinweis auf den Pilotcharakter.

Dieckmann meinte, der Krisendienst sei ein Tropfen auf den heißen Stein, nämlich nur zwei Halbtagskräfte für den halben Landkreis. Thomas Gneißl (FW) zeigte sich kritisch, ob das Geld reichen werde.

Hans Wiesmaier (CSU) stellte als Bürgermeistersprecher klar: „Es ging den Gemeinden nie um das Ob, sondern um die Frage, ob man in Organisation und Struktur einsteigen solle.“ Deswegen sei es ein mutiger Weg. Dauerhaft dürfe man nicht in diese Lücke springen. Auch Florian Geiger (Grüne) meinte: „Es ist eine Leerstelle. Aber wir müssen uns um unsere Bürger kümmern.“ ham

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