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Begrünte Dächer schützen vor starken Temperaturschwankungen. Sie halten oft länger als „nackte“. 

Grüne beantragen Kataster für Gründächer und Solaranlagen

Klimaschutz per Mausklick

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Grünen im Kreistag von Erding wollen es Bauherren leichter machen, ökologisch und nachhaltig zu bauen. Vor allem strebt die Fraktion einen höheren Anteil an Solaranlagen und begrünten Dächer nicht nur auf neuen Häusern an, sondern auch auf bestehenden. Doch Unstimmigkeiten mit Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) führen dazu, dass die entsprechenden Anträge nicht auf die Tagesordnung kommen. Noch nicht.

Erding – Die Grünen setzen auf zwei Kataster, eines für Solar- und eines für Dachbegrünungspotenziale. Beide sollen, so Antragsteller Dominik Rutz, für alle Bürger öffentlich im Internet einsehbar sein und intensiv beworben werden. Rutz argumentiert, dass sich mit dem Pariser Klimaschutzabkommen auch Deutschland verpflichtet habe, die Klimaziele zu erreichen. Bis 2050 soll die Bundesrepublik weitgehend treibhausgasneutral werden. „Um das zu erreichen, müssen geeignete Maßnahmen auf allen Ebenen umgesetzt werden. Dazu gehört der Bau von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen auf Gebäuden“, so der Kreisrat. Der Landkreis Erding könne seine Bürger mit einem öffentlich zugängigen Solarpotenzialkataster unterstützen, selbst aktiv zu werden und bei der Energiewende mitzuhelfen.

Dasselbe gilt seinen Worten zufolge für das Gründachpotenzialkataster. Dabei handelt es sich um ein interaktives Online-Kartenwerk, das für jedes Gebäude anzeigt, wie geeignet die Dachfläche für eine Begrünung ist. Gebäudebesitzer können sich so über die Eignung ihres Daches informieren. „Es ist ein gutes Instrument, um das Thema Gründach und seine Vorteile für die Natur und für die Gesellschaft bekannter zu machen“, ist Rutz überzeugt.

„Gründächer tragen dazu bei, die Hitzelast im Sommer in dicht besiedelten Gebieten zu reduzieren. Durch den Klimawandel vermehrt vorkommende Starkregenereignisse und damit verbundene Hochwasserereignisse können gepuffert werden.“

Der Kreisrat warnt: „Luftschadstoffwerte und Feinstaubbelastungen steigen vor allem in Städten tendenziell an und stellen somit eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung dar.“ Gründächer würden helfen, die Luft zu filtern. Schließlich könnten Gründächer einen aktiven Beitrag zum Artenschutz und zu mehr Biodiversität leisten.

Die Landkreise Freising, Ebersberg und München verfügen laut dem Grünen bereits über ein Solarpotenzialkataster. Rutz geht von Netto-Kosten in Höhe von rund 12 500 Euro aus. Die jährliche Aktualisierung dürfte mit 1500 Euro zu Buche schlagen. Das Dachgrün-Kataster könnte im gleichen Zug umgesetzt werden, was nur noch 4000 Euro kosten würde – plus jährlich 1500 Euro. Erstellt werden solche interaktiven Pläne mit Drohnenbefliegungen, die jedes Dach erfassen und hinsichtlich seiner Eignung klassifizieren.

Mit ihren Anträgen stoßen die Grünen auf den gesamten Immobilienbereich vor. Bislang setzt sich die Fraktion ein, alle öffentlichen Dächer mit Solaranlagen und Begrünung auszustatten. Im Zug der Sanierung der Herzog-Tassilo-Realschule in diesem Jahr wird eine PV-Anlage gebaut. Das Gründach fiel im Bauausschuss aber durch – wegen ungeklärter Statikfragen (wir berichteten).

Wann Rutz’ Anträge in diesem Gremium behandelt werden, ist noch völlig offen. Sehr zum Ärger von Fraktionssprecher Florian Geiger. Er berichtet unserer Zeitung von einem intensiven Mailverkehr mit dem Landrat. „Er verweist auf den Energiegipfel vor über einem Jahr und die dabei gegründeten Arbeitskreise“, berichtet Geiger. Der Landrat wolle diese erst ihre Arbeit aufnehmen und Vorschläge erarbeiten lassen, über die dann in den Kreistagsgremien entschieden werde. Bisher hätten sich die wegen der Pandemie aber nicht treffen können, heißt es aus der Behörde.

Fraktionschef Geiger hingegen ist der Meinung: „Das ist ein Detail, mit dem sich die Arbeitsgruppen gar nicht befassen müssen. Sie sollen das große Ganze im Blick haben. Die Kataster könnte man vorher abräumen.“ Geiger kann die Verzögerung nicht nachvollziehen: „Der Klimaschutz wartet nicht, bis Corona vorbei ist.“ HANS MORITZ

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