+
Den neuen Jugenzeltplatz am Notzinger Weiher - hier ein Bild vom Bau - betreibt der Kreisjugendring. Der droht jetzt in finanzielle Schieflage zu geraten.

Beim 28 Millionen Euro schweren Jugendhilfehaushalt wird vor allem um Zuschüsse gerungen

Die Angst vor der „20-Prozent-Keule“

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

In der dritten Runde der Beratungen des Kreishaushalts 2021 hat es im Jugendhilfeausschuss intensive Debatten um Zuschüsse für Verbände gegeben. Deren Vertreter, aber auch Kreisräte warnten vor einem pauschalen Sparkurs.

Landkreis– Vor allem der Kreisjugendring übernehme für das Jugendamt wichtige Aufgaben, die durch niederschwellige präventive Angebote hohe Ausgaben in der Jugend- und Familienhilfe gar nicht erst erforderlich machten, so der Tenor.

Es ging um den Einzeletat der Jugendhilfe, der insgesamt fast 28 des 204 Millionen Euro umfassenden Gesamtetats ausmacht. Die Kostensteigerungen betragen 2,5 Prozent. Allein die Leistungen der Jugendhilfe wachsen nach Angaben von Kämmerin Elisabeth Thaler um knapp 340 000 Euro.

Mehrausgaben entstehen vor allem im Bereich der Heimerziehung (+ 800 000 e), den Schulbegleitenden Maßnahmen (+ 100 000 e), den Hilfen für junge Volljährige (+ 200 000 e) und der Mitwirkung beim Jugendgerichtsgesetz (+ 30 000 e). Dafür sinkt der Aufwand unter anderem bei der Eingliederung seelisch beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher (-400 000 e) und bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (- 500 000 e).

Den Ausgabenanstieg bei der Heimunterbringung begründete Jugendamtsleiter Peter Stadick weniger mit einer Fallzunahme als vielmehr mit erhöhten Tagessätzen, gestiegenen Personalkosten („München-Zulage“) und der Verkleinerung der Wohngruppen. „Es wird immer schwieriger, Einrichtungen zu finden. Teils müssen wir in andere Bundesländer ausweichen“, so Stadick.

Hart gerungen wurde um die Zuschüsse für Verbände und karitative Träger. Die Sportjugend im Bayerischen Landessportverband beantragte 8500 Euro, das Katholische Bildungswerk vor allem für sein Eltern-Kind-Programm 35 000 Euro und der Kreisjugendring 178 000 Euro. Diese Beträge wollte Stadick dem Ausschuss ursprünglich auch empfehlen. Doch dann beherzigte er die Sparempfehlung der vorher tagenden Ausschüsse – und schlug eine pauschale Kürzung um 20 Prozent vor. Dagegen regte sich in dem Expertengremium Widerstand. Kreisausschuss und -tag erhielten nach längerer Debatte den Hinweis, in diesem Bereich den Rotstift möglichst nicht anzusetzen.

Stellvertretende KJR-Vorsitzende Birgit Schwaiger, die dem Ausschuss angehört, erklärte, ihr sei der Sparzwang zwar bewusst, „dennoch wollen wir über die Kürzung noch einmal reden“. Der Vorstand sei bereit, auf seine Aufwandsentschädigung als Ehrenamtliche zu verzichten, „aber wir drohen unsere Rücklagen komplett zu verbrauchen“. Der KJR übernehme wichtige Leistungen für benachteiligte Jugendliche, etwa mit dem Zeltlager und Freizeiten. 2021 habe man trotz oder nach Corona viel vor. Schwaiger warnte davor, „jetzt Strukturen zu zerschlagen, die später nur schwer wieder aufzubauen sind“. Ulla Dieckmann (SPD) wies darauf hin, „dass in der Pandemie junge Menschen oft vergessen wurden“. Expertise und Leistungen dieser Verbände seien sehr wichtig. „Und in den nächsten Jahren drohen uns noch viel schmerzhaftere Sparrunden.“ Eine „pauschale 20-Prozent-Sparkeule“ lehne sie ab.

BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden stieß ins gleiche Horn und erinnerte daran, dass die Verbände sparsam gewirtschaftet und nicht verbrauchte Mittel zurückgegeben hätten.

Christoph Sticha (Grüne) meinte, die Angebote müssten gerade jetzt eher ausgebaut werden, zumal sie hohe Folgekosten oft verhinderten. Auch Cornelia Vogelfänger (CSU) fand, „dass die Jugendarbeit nach Corona eher noch wichtiger wird“. Michael Oberhofer (CSU) sah das alles ein, merkte aber an, es helfe nichts, wenn jeder sage, in seinem Ressort könne nicht gespart werden.

Der Kreisausschuss soll nach einstimmigem Beschluss nun noch einmal prüfen, ob hier die 20-Prozent-Keule nicht schmaler geschnitzt werden könnte.

ham

Auch interessant

Kommentare