1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Kuh muss eingeschläfert werden: Wurde der Tierarzt zu spät gerufen?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hans Moritz

Kommentare

Hat ein Landwirt aus dem Holzland den Tierarzt zu spät geholt und deshalb eine Kuh unnötig lange leiden lassen, sodass sie am Ende noch dazu in trächtigem Zustand eingeschläfert werden musste? Um diese Frage drehte sich ein Prozess am Amtsgericht Erding (Symbolbild).
Hat ein Landwirt aus dem Holzland den Tierarzt zu spät geholt und deshalb eine Kuh unnötig lange leiden lassen, sodass sie am Ende noch dazu in trächtigem Zustand eingeschläfert werden musste? Um diese Frage drehte sich ein Prozess am Amtsgericht Erding (Symbolbild). © dpa / Martin Schutt

Hat ein Landwirt aus dem Holzland den Tierarzt zu spät geholt und deshalb eine Kuh unnötig lange leiden lassen, sodass sie am Ende noch dazu in trächtigem Zustand eingeschläfert werden musste? Um diese Frage drehte sich ein Prozess am Amtsgericht Erding.

Holzland/Erding – In dem konnte die Frage nicht zweifelsfrei geklärt werden. Das Verfahren gegen den 65-Jährigen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde daraufhin eingestellt.

Die Landshuter Staatsanwältin Katharina Lauerer berichtete, dass ein Tierarzt Mitte Juni vergangenen Jahres an vier Tagen hintereinander bei der Kuh war. Warum es der so schlecht ging, weiß bis heute niemand. Mutmaßlich hatte ein Fremdkörper ihren Magen verletzt, sodass der Körper von Bakterien befallen wurde.

Einige Tage später, so Lauerer weiter, habe das Veterinäramt von dem Fall erfahren. Eine Amtstierärztin fand das Tier in einem derart erbarmungswürdigen Zustand – die Kuh lag völlig abgemagert in einem separaten Stall und war kurzatmig – vor, dass sie eingeschläfert werden musste. Die Anklage ging davon aus, dass der Bauer zu spät Hilfe geholt und damit den qualvollen Tod des Tiers mit verursacht hatte.

„Das war ein Hochleistungstier, das in der Zucht eingesetzt wurde.“

Anwalt Martin Scharl erklärte, der Vorwurf sei unberechtigt. Sein Mandant sei seit 50 Jahren ein sehr erfolgreicher Landwirt, ein mehrfach prämierter Züchter und zertifizierter Milchlieferant, dem das Wohl seiner Tiere sehr am Herzen liege.

Besagte Kuh sei eine besondere gewesen: „Das war ein Hochleistungstier, das 10 000 Liter Milch im Jahr gegeben hat und auch in der Zucht eingesetzt wurde.“ Zudem habe sie schon Zwillinge bekommen. „Solche Tiere werden schon recht stark beansprucht“, meinte Scharl. Zudem sei es am Tag des Besuchs der Vertreterin des Landratsamts sehr heiß gewesen. „Unter der Hitze leiden Kühe besonders“, dozierte der Jurist. Zudem habe der Landwirt die medizinischen Ratschläge des Tierarztes befolgt. Er habe sich auch in besondere Weise um die kranke Kuh gekümmert, sie vom Spaltboden in einen eigenen Stall mit Einstreu gebracht, mehrmals täglich getränkt und auch wieder aufgerichtet. „Niemand kann sagen, warum es der Kuh so schlecht ging. Nach dem Tod wurde sie nicht seziert“, so Scharl.

Veterinärin bestätigt: „Er ist kein Tierquäler“

Die Veterinärin sagte als Zeugin aus, die Behörde habe immer wieder die Tierhaltung beanstandet. Sie versicherte aber auch, dass es sich um einen fachkundigen Bauern handle, der sich um seine Tiere kümmere. „Er ist kein Tierquäler“, bescheinigte sie dem 65-Jährigen. Im konkreten Fall habe er aber zu spät den Tierarzt noch einmal geholt, erst etwa zehn Tage später. Ob ein Arzt das Rind hätte retten können, vermochte sie nicht zu sagen.

Der Hoftierarzt sagte, er sei regelmäßig auf dem Hof gewesen. „Wenn es einem Tier schlecht ging, hat er mich gerufen. Wir kennen uns seit 30 Jahren.“ Auch er wollte nicht ausschließen, dass die Hitze dem geschwächten Tier besonders zugesetzt hatte.

Am Ende der Beweisaufnahme kam Richterin Michaela Wawerla zu dem Schluss: „Wir befinden uns weiter im Bereich der Spekulation.“ Deswegen stellte sie das Verfahren ohne Auflagen ein. 

Auch interessant

Kommentare